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Greise sinnen. Eine große graue Spinne. Netze schleiern, Fäden rinnen. Die jahrhundert grauen Wälder Tragen ernst den alten Himmel, Und verdorrte, alte Lippen Nippen an dem kalten Horte Längstverglühter alter Worte.
Da geht ein alter Schäfer Da geht ein alter Schäfer, Sieht ohne Gruß die Welt, Gebückt tief wie ein Schläfer, Der schlafend Reden hält. Sein Hund fällt mit Gekeife Die kleinste Fliege an. Der Schäfer kaut die Pfeife Und stolpert stumm bergan. Die Schafe fliehn und jagen, Der Berg gibt Bodenlaut, Der Schäfer könnt' ihn fragen. Nur zwein allein vertraut Der Berg, was er gesprochen, Dem Schäfer und den Schnecken, Die ihm am Rücken krochen. Doch eh' von Lippenrunzeln Des Schäfers Frage will, Da müsst' der Berg erst schmunzeln, Drum schweigen beide still. Sie wissen, was sie wissen: Manch Ding lebt noch im Tod, Ists Herz grau und zerschlissen, Macht's keine Rede rot.
Vor nichts aber muss sich das Alter mehr hüten, als sich Müßiggang und Trägheit zu überlassen; ein üppiges Leben aber – schändlich für jedes Alter – ist gerade für das Alter besonders abstoßend.
Wer aber die Möglichkeit zu einem guten und glücklichen Leben nicht in sich selbst trägt, dem ist jedes Alter beschwerlich.
Keine Beweise wissen aber die anzuführen, die behaupten, das Alter betätige sich nicht aktiv.
Unbesonnenheit ist offenbar ein Zeichen des Jugendalters, Erfahrung eines des Alters.
Übung und Mäßigung aber können auch im Alter etwas von der früheren Stärke bewahren.
Warum ist es bei alten Menschen sonderbar, wenn sie manchmal schwach sind, wenn sogar junge Menschen sich dem nicht entziehen können?
Wie eine Krankheit muss man das Alter bekämpfen: Man muss sein körperliches Befinden berücksichtigen, sich in Maßen körperlich ertüchtigen und nur soviel Speise und Trank zu sich nehmen, dass es die Kräfte erneuert und nicht etwa schwächt.
Derjenige nämlich, der in seinen Beschäftigungen und Arbeiten lebt, bemerkt nicht, wann das Alter sich anschleicht.
Es ist nicht nur kein Vorwurf, sondern vielmehr der höchste Ruhm des Alters, dass es Vergnügungen nicht mit großer Anstrengung erstrebt.
Das Alter ist von Natur aus redseliger.
Bei einem zerbrechlichen Körper fällt eine jede Widrigkeit zur Last.
Der Lohn des Alters aber ist die Erinnerung und die Fülle an zuvor erworbenem Gut.
Was aber ist abstoßender als ein Greis, der gerade zu leben beginnt?
Nicht einmal Schönheit und Kraft können dich glücklich machen: Nichts davon übersteht das Alter.
Wenn du als Greis die Taten und Worte vieler missbilligst, lass dir in den Sinn kommen, was du als junger Mensch selbst getan hast.
Die Alte Frau Täglich sitzt sie in Erinnerungen, Ihre Hände auf den Knien verschlungen. Eingesponnen in ihr Traumgewebe, Schaukelnd auf versunkner Zeiten Schwebe. Ihre Quellen haben sich geschlossen, Sind ins Innere zurückgeflossen; Auf dem dunklen Seelenspiegel jagen Sich die Schatten von gelebten Tagen. Immer weht es aus dem Unsichtbaren: Ist sie nicht die Gleiche wie vor Jahren? In dem unterirdischen Verstecke Sprengt ihr frühes Selbst die leichte Decke, Drängt mit ungebrochnen Schmerzgewalten Sich im Bild der Seele zu gestalten. Scheu verschlossne Sehnsuchtstriebe springen, Zitternd, sich aufs neue darzubringen. In dem Sternenglanz der Allmacht spiegelt Sich ihr Sein vollendet und entsiegelt.
Wenn dir am Ende des Greisenalters noch Reichtümer übrig sind, sorge dafür, dass du als freigiebigiger, nicht als sparsamer Freund lebst.
Mit den Alten soll man ratschlagen und mit den Jungen fechten.