Alter Sprüche – klassisch

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Weißt du, was schlecht ist, im Alter? – Wenn es ein Aufbau, ein Übereinandertürmen rumpliger Vorurteile geworden; durch das die heilige Anlage der Jugend nicht mehr durchdringt, aber wo der Geist durch alles gehäufte Elend des Philistertums, dieser ganz unwahren, aber wirklichen Wahnwelt, durchdringt zur Himmelfreiheit, zum Äther und dort aufblüht, da ist Alter nur das kräftigste Lebenszeichen der Ewigkeit.

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Ottilie Es hat der ernste Gang der Jahre Dein Antlitz leise schon gekerbt Und dir die dunkelbraunen Haare Zu mattem Silber fast entfärbt. Doch hold und schlank sind noch die Glieder, Die du so leicht im Gange regst, Und reich hängt deine Flechte nieder, Wenn du sie tief im Nacken trägst. Und Stunden gibt es, wo die ganze Zurückhängende Jugend bricht Aus deinem Aug mit scheuem Glanze, Der von verlornem Leben spricht. Dann will es schmerzlich mich durchsprühen, Und küssen möcht ich deinen Mund! Du fühlst es, und mit sanftem Glühen Erbebst du tief im Herzensgrund. So bebt des Herbstes letzte Traube, Vergessen von des Winzers Hand, Mit letzter Glut im fahlen Laube, Wenn sie ein später Wandrer fand.

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Es ziemt sich dem Bejahrten weder in der Denkweise noch in der Art, sich zu kleiden, der Mode nachzugehen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben

Wenn man einen Alten höflich und glimpflich um das Leben bringen will, so soll man ihm ein junges Weib geben; das ist eines Alten gewisses Gift.

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O du schwere Last des Alters, wie verhaßt bist du!

Euripides, Der rasende Herakles (auch: Der Wahnsinn des Herakles), zwischen 422 und 414 v. Chr.

Im Alter gibt es keinen schöneren Trost, als dass man die ganze Kraft seiner Jugend Werken einverleibt hat, die nicht mitaltern.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 4: Von dem, was einer vorstellt

Die Wissenschaft verjüngt die Seele und vermindert die Bitternis des Alterns. Deshalb sammle die Weisheit wie eine süße Nahrung für das Alter.

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Ein großer Vorteil, alt zu sein, liegt darin, daß niemand mehr behauptet, man werde alt.

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Weisheit der Alten Nimmt unser Leib erst ab, nimmt der Verstand recht zu: Die Seele, scheint es, hat mehr vor dem Leibe Ruh.

Logau, Sinngedichte, aufs neue überarbeitet, mit drey Büchern vermehrt, und mit Anmerkungen begleitet von Karl Wilhelm Ramler, 2 Bde., 1791

Das Leben ist den Sibyllinischen Büchern ganz gleich: je knapper, umso teurer.

Goethe, J. W., Briefe. An Friedrich Maximilian Klinger, 8. Dezember 1811

Wenn das Alter stark und die Jugend klug wäre, das wäre viel Geldes wert.

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Das sei der Ruhm, den ich suche, zu wissen, dass unendlich mein Ziel ist, und doch nie still zu stellen im Lauf; zu wissen, dass eine Stelle kommt auf meinem Wege, die mich verschlingt, und doch an mir und um mich nichts zu ändern, wenn ich sie sehe, und doch nicht zu verzögern den Schritt. Darum ziemt es dem Menschen, immer in der sorglosen Heiterkeit der Jugend zu wandeln. Nie werde ich mich alt dünken, bis ich auch fertig wäre; aber nie werde ich fertig sein, weil ich weiß und will, was ich soll. Auch kann es nicht sein, dass des Alters Schöne und der Jugend einander widerstrebe: denn nicht nur wächst in der Jugend, weshalb sie das Alter rühmen; es nährt auch wieder das Alter der Jugend frisches Leben. Besser gedeiht ja, wie alle sagen, der junge Geist, wenn das reife Alter sich seiner annimmt: so verschönt sich auch des Menschen eigene innere Jugend, wenn er schon errungen hat, was dem Geiste das Alter gewährt. Schneller übersieht, was da ist, der geübte Blick, leichter fasst jedes, wer schon viel Ähnliches kennt, und wärmer muss die Liebe sein, die aus einem höheren Grade eigener Bildung hervorgeht. So soll mir bleiben der Jugend Kraft und Genuss bis ans Ende. Bis ans Ende will ich stärker werden und lebendiger durch jenes Handeln, und liebender durch jedes Bilden an mir selbst.

Schleiermacher, Monologen. Eine Neujahrsgabe, Erstdruck 1800. V. Jugend und Alter

Man weiß, daß das Alter mehr von der Erinnerung als von der Phantasie fordert.

Rivarol, Maximen und Gedanken, in: Die französischen Moralisten. Verdeutscht und hg. von Fritz Schalk, Leipzig 1938. Politik

Das herannahende Alter erwarte man wie einen vornehmen Gast, an der Schwelle, lange ehe er eintrifft.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Alte Leute fragen nicht mehr; mit stillen Augen sehen sie die Herbstsonne. Was sie begehren, ist "noch ein schönes Bild", sonst nichts mehr. Ich glaube, sie sind leidloser als Jugend und Mannesalter, und Abend und Herbst sind nicht zu fürchten, weil sie voller Frieden sind. Was brennende Straße war, ist Rückschau von klarer, kühler Höhe geworden.

Keller, P., Gedichte und Gedanken, 1933

Die Jugend sei nicht übermütig gegen einen Greis; denn was wir sind, ist er gewesen, und was er ist, das werden wir sein.

Innozenz III., Über das Elend des menschlichen Lebens (De miseria humanae conditionis)

Auf die Meinung, ein Mann sei so alt, wie er sich fühle, geht so manche Muskelzerrung zurück.

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Viele Tugenden des Alters sind nur Folgen gestillter Wünsche und verengter oder erweiterter Schranken.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Mai 1799

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren.

Altes Testament. Das dritte Buch Mose (Levitikus) (#3.Mose 19,32)

Man mag es gelernt haben, seine Gemütsbewegungen zu zähmen und zu verbergen, es fühlt sie doch, und kein Lebensalter ist so tief ermüdet und so gründlich von des Lebens Mühsalen aufgerieben wie eben das der Greise.

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Für den Uneingeweihten ist das Alter der Winter, für den Eingeweihten die Erntezeit des Lebens.

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