Gedanken Sprüche

Nachdenkliche Sprüche und Gedanken

493 Sprüche in dieser Kategorie

Die größten Gedanken sind die größten Ereignisse.

Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886. Neuntes Hauptstück. Was ist vornehm

Man beginnt Gedanken zu entwickeln und bricht, sobald einem bewußt wird, was man sagt, plötzlich ab, weil es lächerlich erscheinen muß.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Die wirklichen Gedanken gehen bei wirklichen Dichtern alle verschleiert einher wie die Ägypterinnen: Nur das tiefe Auge des Gedankens blickt frei über den Schleier hinweg.

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 2. erweiterte Auflage 1886 (EA: 1878). Zweiter Band. Zweite Abteilung: Der Wanderer und sein Schatten

Ich glaube der schlechteste Gedanke kann so gesagt werden, daß er die Wirkung des besten tut, sollte auch das letzte Mittel dieses sein, ihn einem schlechten Kerl in einem Roman oder Komödie in den Mund zu legen.

Lichtenberg, Sudelbuch D, 1773-1775. [D 275]

Deutliche Aussprache des Schwierigen gibt Geistesgegenwart.

Hille, Ich bin, also ist Schönheit, 1975 (posthum). Die Sprache

Die Gedanken der Menschen haben überall ihre Ufer. Bei den einen sind sie flach verlaufend und niedrig, bei den andern hoch und trotzig abspringend. Gleichviel, es sind Ufer. Um sie herum wogt unübersehbar der große Ozean ihrer Beschränkung. Wie mancher tollkühne Schwimmer hat in diesen Wogen schon sein Grab gefunden!

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Die soziale Ungerechtigkeit sät den ewigen Haß und erntet das allgemeine Leiden.

Zola, Vier Evangelien (Quatre Evangiles), 1901. Travail (Arbeit), 1901

Ein Gedanke wird erst dann Gedanke und fruchtbar, wenn er durch nichts gebunden ist: Darin besteht seine Stärke im Vergleich zu anderen sinnlichen Dingen.

Tolstoi, Tagebücher. 1890

Gedanken sind bunte Bälle, die du gegen die Wände deines Ichs wirfst. Wenn du sie nicht mehr fangen kannst, lasse sie nur getrost fallen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Was wir einen glänzenden Gedanken nennen, ist meist nur ein verfänglicher Ausdruck, der uns mit Hilfe von ein wenig Wahrheit einen verblüffenden Irrtum aufzwingt.

Vauvenargues, Reflexionen und Maximen (Introduction à la Connaissance de l’Esprit Humain, suivie de Réflexions et maximes), 1746, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Gedankenlos handeln wir am häufigsten dann, wenn wir in Gedanken sind.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Nirgends wuchert mehr Unkraut als auf dem Grabe eines großen Gedankens.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Nicht jeder, der denkt, hat Gedanken.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Sonett 44 Wär meines trägen Fleisches Stoff Gedanke, Nie hemmt' ein Abstand feindlich meine Bahn; Dem Raum zum Trotz von jeder fernen Schranke Wollt ich mich dir, wo du auch weiltest, nahn. Mir wär es gleich, hätt' ich zum fernsten Strande Von dir hinweg auch meinen Fuß gelenkt; Denn der Gedanke fliegt durch Meer und Lande So schnell als er, wohin er strebt, sich denkt. Doch daß ich nicht Gedanke, der Gedanke Ist Tod; ich folgte gern dir viele Meilen; Aus Staub und Naß gezeugt, klag ich und kranke Mit Stöhnen, will die Zeit nicht rasch enteilen. Nichts kann so träger Urstoff uns verleihn Als bittre Thränen, Zeichen unsrer Pein.

Shakspere's Sonette, deutsch von Benno Tschischwitz, Barthel, Halle 1870. Originaltext der Übersetzung

Es ist nichts so klein, dass ein menschlicher Gedanke es nicht weihen; nichts so groß, dass ein solcher es nicht entweihen könnte.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Erdengedanken leben im menschlichen Herzen, wie unselige Geister. Wenn man alles längst gestorben und begraben glaubt, so erscheinen sie wieder zur nächtlichen Stunde und quälen uns.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Wenn ein scharfsinniger Kopf nicht einsieht, dass ein Gedanke nützlich ist, so ist er höchstwahrscheinlich falsch.

Vauvenargues, Unterdrückte Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Ein Gedanke kann einen Menschen töten.

Balzac, Physiologie der Ehe (Physiologie du mariage), 1829

Es ist etwas Eigenes um die Gedanken, wenn sie so daher kommen und füllen einem den Kopf. Man weiß eigentlich nicht: Woher? Und wozu? Doch – bewahre sie nur auf, wie eine sorgsame Hausfrau die übrigen bunten „Flecke“ ihrer Kleider! Der Riss wird sich finden, den du zu decken hast.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Manche Gaben, Kräfte, Gedanken fallen dem Menschen sozusagen in den Kopf hinein. Er empfängt sie, wie die Speisen in gewissen Anstalten, die durch ein kleines Schiebfenster plötzlich vorhanden sind. Niemand fragt: Wer kocht sie? Oder: Wie wurden sie gekocht? Genug, man hat sie!

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Die Lippe ist der Wetzstein des Geistes, über die Lippe muß der Gedanke oft hin- und herlaufen, damit er Glanz, Farbe und Gestalt gewinne.

Arndt, Erinnerungen aus dem äußeren Leben, 1840