Gott Sprüche – leben

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Er (Gott) will das Werdende. Menschen aber zerbrechen daran, daß sie Gewordenes nochmals oder daß sie nicht Werdendes wollen. Alle menschliche Schöpferkraft besteht nur darin, im großen göttlichen Wollen und Werden die Stelle zu finden, wo sie in das Werden hineinpassen.

Naumann, Gotteshilfe. Gesamtausgabe der Andachten aus den Jahren 1895-1902, Göttingen 1904. 1898

Pantheismus?! die Welt wäre ein verkörperter Gott, und ein Gott hätte sich in dieser Welt verkörpert! – Den müßte doch wahrhaftig der Teufel geplagt haben.

Schopenhauer, A., Nachlass. Pandectae 218,5

Der Himmel verhängt nicht immer Widerwärtigkeiten über uns, um uns zu demütigen, sondern auch, um uns stolz zu machen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Denn so redet mir die Gerechtigkeit: »Die Menschen sind nicht gleich.«

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Zweiter Teil, 1883. Von den Taranteln

Was wir nicht aus Gottes Hand nehmen, beschlagnahmt der Teufel.

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Da sagen sie: mir geht es so übel, ich leide so schwer. Warte, bald speisest du herrlich vom Tische deiner Leiden – Gott läßt nur das Korn wachsen, nicht das Brot. Und abermals: So sorgsam überlegt kein Bildner sich die Schläge wie Er, der Meister aller Form. Er schlägt, bis du ihm taugst.

Langewiesche (Hg.), Die Unbesiegten. Worte deutscher Denker, hg. von Karl Robert Langewiesche, 1923 (EA: 1920). Aus einer Handschrift des 14. Jahrhunderts

Die größten Schwierigkeiten haben uns die Dienstengel gemacht. Sie wollten das Gesetz durchaus nicht herablassen, sondern für sich behalten. "Was tut dies Menschenkind unter uns?" fragten sie Gott, als Moses kam, die Thora abzuholen. Und als er den Zweck angab, sagten sie: "Einen Schmuck, den du 974 Zeitalter vor Erschaffung der Welt verborgen hast und an dem du dich täglich freuest, willst du der Hand des Fleisches anvertrauen? Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst?" - Als ihnen aber Moses begreiflich gemacht, daß die Thora, da sie ohne Sünde seien, ihnen unnütz wäre, fügten sie sich, priesen Gott und beschenkten sogar Moses.

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Gott lieben heißt, das Geheimnis zu leben gefunden zu haben.

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Das beständige Schicksal Gottes in seiner Wirksamkeit im Menschen ist, mißverstanden zu werden.

Rothe, Stille Stunden. Aphorismen aus Richard Rothe's handschriftlichem Nachlaß, 1872

Ich darf sagen, ich kam nie leer zurück, wenn ich unter Druck und Not Gott gesucht hatte.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 6. Buch, Bekenntnisse einer schönen Seele

Über das aber, was von einigen Kirchen dann weiter hinzugefügt wird, daß Gott die Menschennatur angenommen hätte, habe ich ausdrücklich bemerkt, daß ich nicht verstehe, was sie sagen. Ja, offen gestanden, scheint mir diese Rede nicht weniger widersinnig zu sein, als wenn mir jemand sagte, der Kreis habe die Natur des Quadrats angenommen.

Spinoza, Briefe. An H. Oldenburg, ohne Datum, als Antwort auf ein Schreiben des Adressaten vom 15. November 1675

Wenn je Gott ein Mensch oder ein Mensch Gott war, so war er beides. Ich habe nie seine Glaubenslehre angegriffen, nur den Gebrauch oder Mißbrauch, den man mit ihr getrieben hat. Canning berief sich einmal auf die christliche Lehre, um die Negersklaverei zu rechtfertigen, und Wilberforce wußte ihm wenig darauf zu erwidern. Und ward Christus gekreuzigt, damit schwarze Menschen ausgepeitscht werden können? Dann wärs besser, er wäre als Mulatte geboren, um beiden Farben eine gleiche Chance der Freiheit oder wenigstens der Erlösung zu geben.

Byron, Don Juan, 1819-24

Gott gibt Äcker, gibt nicht Pflüge. Gott gibt Quellen, gibt nicht Krüge. Gott gibt Flachs, gibt nicht Linnen. Selbst mit eigener Hand muß spinnen, selbst mit eigenem Kopf muß sinnen, jeglicher auf dieser Welt.

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Gott kann sich durch die Anfechtung ebenso zu eigen geben wie durch die Tugend und durch die heiligen Sakramente.

Tauler, Predigten

Der Herr läßt Gras wachsen auf den hohen Bergen; aber als lieber Gott hat er seinen schönen Blumen den Aufenthaltsort durchschnittlich doch mehr im Tal angewiesen.

Raabe, Kloster Lugau, 1893. 8. Kapitel

Wir finden die Wege der Vorsehung allemal weise und anbetungswürdig in den Stücken, wo wir sie einigermaßen einsehen können; sollten sie es da nicht noch weit mehr sein, wo wir es nicht können?

Kant, Tröstung einer Mutter bei dem Tode ihres Sohnes. Gedanken bei dem frühzeitigen Ableben des Herrn Johann Friedrich von Funk, in einem Sendschreiben an die Frau Agnes Elisabeth, 1760

Allmacht Forschen Fragen du trägst Antwort Fliehen Fürchten du stehst Mut! Stank und Unrat du breitst Reine Falsch und Tücke du lachst Recht! Wahn Verzweiflung du schmiegst Selig Tod und Elend du wärmst Reich! Hoch und Abgrund du bogst Wege Hölle Teufel du siegst Gott!

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Der Vater will es also, daß die Ohnmacht uns zur Demut bringt, die Demut zur Gnade in der Erkenntnis, daß der Vater auf dem schwersten Wege seine liebsten Kinder führt.

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Der Weg zu Gott kann niemals am Menschen vorbeiführen.

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Rings um unsre Himmelsleiter toben Liebe, Lob, Haß, Spott, unter uns Millionen Streiter, über uns der stille Gott.

Dehmel, Kriegs-Brevier, 1917. Vorangestelltes Motto

Jede gefühlsmäßige Beziehung zu Gott ist sinnlos, Auflehnung nicht minder als Ergebung, denn der Altar, vor dem wir im Staube liegen, wie der, den wir zertrümmern wollen – wir sind es immer selbst, die ihn aufgerichtet haben.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927