Leben Sprüche – neuanfang

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In der Materie waltet ewiges tägliches Werden, aus Nichtsein erwächst zunächst nur Werden.

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Entsetze dich nicht! Es läutert sich alles Natürliche, und überall windet die Blüte des Lebens freier und freier vom gröbern Stoffe sich los.

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Zweiter Band. Zweites Buch. Hyperion an Bellarmin

Leben, Leben! Reines, sprühendes, furchtloses, neues Leben! Neues Leben! So winzig und so vollkommen ohne Furcht!

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Kreisgang Die Wege, die ich bisher ging, in Kreisen sind sie alle mir zerronnen. Vor dem, woran mein Auge gestern hing, steh ich heut wieder staunend und versonnen. Und meine Seele fühlt es tief: ich bin vor vielen Jahren alles dies gewesen, aus seinen Formen kann mein wacher Sinn das Schicksal meines ganzen Daseins lesen. Dies wegbeleuchtend Schauen hier verkündet meinem Leben froh und weise: du bist der stumme Gegenstand vor dir und bist zugleich der Wanderer im Kreise.

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So ist nun unser Leben! Man hat seinen Becher noch nicht zur Hälfte ausgetrunken, und schon streckt sich eine neue Hand danach aus.

Gorki, Italienische Märchen, 1906-13

Junge Knospen und falbes Laub, Ruhende Sterne und wirbelnder Staub, Freude zuweilen und gleiche Qual, Ein ewiges Steigen zu Berg und Thal, Getrennte Netze wieder zu weben – Wir nennen es Leben!

Hoddick (Hg.), Aphorismenschatz der Weltliteratur. Weltliche Texte für Rede und Schrift, 1898

Im Leben fängt man dann und wann wieder mal von vorne an.

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Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht — und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!

Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft (La gaya scienza), 1882 (ergänzt 1887)

Mein Leben beginnt jeden Morgen neu und endet jeden Abend; Pläne und Absichten darüber hinaus habe ich keine; d. h., es kann natürlich zum Tagewerk gehören, vorauszudenken [...], aber eine ›Sorge‹ für den kommenden Tag darf es nie sein.

Stein, E., Briefe. 12. Februar 1928

Das Leben ist ein gutes, aber ernstes Buch. Wenn man es durchgelesen und begriffen glaubt, muss man immer wieder von vorne anfangen.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Das ist die große Gerechtigkeit der Schöpfung, daß jeder sich die Bedingungen seines zukünftigen Seins selbst schafft.

Fechner, Das Büchlein vom Leben nach dem Tode, 1836

Das Leben ist ein ewiger April.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944. 1902

Jede neue Lage (und wär's nur ein Stubenwechsel) ist stärkende frische Luft; wir fahren und graben sonst unser Gleis und unsern Hohlweg so tief ein, daß wir enge drin stecken, ohne Himmel und Erde zu sehen.

Jean Paul, Briefe. An Wernlein, 9. bis 11. August 1790

Ich bin mir selbst ein unbekanntes Land und jedes Jahr entdeck ich neue Stege. Bald wandr' ich hin durch meilenweiten Sand und bald durch blütenquellende Gehege. So oft mein Ziel im Dunkel mir entschwand, verriet ein neuer Stern mir neue Wege.

Morgenstern, Epigramme und Sprüche, 1922 (posthum)

Sinnender Spatenstich Unter der Erde murkst etwas, Unter der Erde auf Erden. Pitschert, drängelt. – Was will das Ding oder was wird aus dem Ding, Das doch in sich anfing, einmal werden?? Knolle, Puppe, Keim jeder Art Hält die Erde bewahrt, Um sie vorzubereiten Für neue Zeiten. Die Erde, die so viel Gestorbenes deckt, Gibt dem Abfall, auch Sonderlingen, Asyl und Ruhe und Schlaf. Und erweckt Sie streng pünktlich zu Zwiebeln, zu Schmetterlingen. Zu Quellen, zu Kohlen – – – Unter der Erde murkst ein Ding, Irgendwas oder ein Engerling. Zappelt es? Tickt es? Erbebt es? – Aber eines Tages lebt es. Als turmaufkletternde Ranke, Als Autoöl, als Gedanke – – – Fäule, Feuchtigkeit oder feiner Humor Bringen immer wieder Leben hervor.

Ringelnatz, J., Gedichte. 103 Gedichte, 1933

Das Leben baut nichts auf, wozu es nicht die Steine anderswo ausbricht.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Wir wünschen uns leidenschaftlich, es möchte ein anderes Leben geben, in dem wir dieselben bleiben, die wir hienieden gewesen sind. Aber wir bedenken nicht, dass wir, sogar ohne erst auf dieses andere Leben zu warten, schon in diesem hier nach einigen Jahren dem untreu werden, was wir gewesen sind und was wir selbst in der Unsterblichkeit noch wiederfinden wollten.

Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (À la recherche du temps perdu), 7 Bde., Erstdruck 1913-27

Die ersten Jahre deines Lebens bist du Regen und weisst es nicht Dann die Jahre in denen du strömst allen Widerständen entgegen in denen du suchst deinen eigenen Lauf in denen du wirst Bach Fluss Strom Dann die Jahre in denen du bist Meer in sich machtvoll wogend und stürmisch in sich angekommen still und weit Und dann die Jahre in denen du sinkst weg vom Licht weg vom Regen hinab an den Grund und du weisst es nicht

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Wie das so wechselt Jahr um Jahr, Betracht ich fast mit Sorgen. Was lebte, starb, was ist, es war, Und heute wird zu morgen.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904. Aus: Immer wieder

Das Leben stirbt jeden Abend und wird mit jedem Morgen neugeboren.

Rolland, Ein Spiel von Tod und Liebe (Le jeu de l'amour et de la mort), 1924

Kann das Leben selbst nicht währen, Kann es doch sich neu gebären, Daß unendlich es erscheint.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Viertes Bruchstück. Mikrokosmos