Leben Sprüche – neuanfang

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An Dich Was fruchtet's, daß in schmerzlichen Entwürfen dir Tag um Tag scheu wie ein Dieb entschleicht! Aus jedem goldnen Becher sollst du schlürfen den Trank, den jede goldne Stunde reicht. Denn jede Blüte, die du nicht gebrochen, und jeder ungehörte Saitenklang und jedes Glück, das du nicht ausgesprochen, fällt als ein Tropfen Reue in den Trank. Und was vergangen ist, das sei vergangen! Der neue Tag führt neues Licht herauf. Tot sind die Lieder, die noch gestern klangen. Was kümmert's dich? Zieh' neue Saiten auf! Der Augenblick ist Leben und Erringen, verlornes Glück – verklungenes Getön. Wenn es verklang, wo wird's auch wieder klingen, du bist ja noch so jung und bist so schön!

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

In allen menschlichen Dingen steht der Anfang wohl beim Menschen und seiner Freiheit, das Ende aber steht bei Gott.

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Jedes Leben ist ein neues, und was der Jüngling fühlt und tut, ist ihm zum ersten Male auf der Welt ... – denn jeder wirkt sich das Wunder seines Lebens aufs neue.

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Wir gehen tausendmal den nämlichen Weg, aber nimmer wieder denselben.

Raabe, Alte Nester. Zwei Bücher Lebensgeschichten, 1880. Erstes Buch. 10. Kapitel

Auch wenn wir ein Leben lang am selben Ort sind, legen wir doch jeden Abend an anderer Stelle unseren Kahn an.

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Alles halbe Leben kommt vom halben Sterben.

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Dies überstanden haben, auch das Glück ganz überstanden haben, still und gründlich, – bald war die Prüfung stumm, bald war sie mündlich, wer schaute nicht verwundert her zurück. Gekonnt hats keiner; denn das Leben währt weils keiner konnte. Aber der Versuche Unendlichkeit! Das neue Grün der Buche ist nicht so neu wie was uns widerfährt. Weils keiner meistert, bleibt das Leben rein. Ists nicht verlegne Kraft wenn ich am Morgen turne? Und von der Kraft, die war, wie leise spricht der Stein. Und auf dem leisen Stein wie fruchthaft schließt die Urne.

Rilke, Gedichte

Wenn Ja, hätte mir von Anbeginn So manches nicht gefehlt, Und hätt' ich nur mit anderm Sinn Den andern Weg gewählt, Und hätt' ich auf dem rechten Pfad Die rechte Hilf' empfahn Und so statt dessen, was ich tat, Das Gegenteil getan, Und hätt' ich vieles nicht gemußt Auf höheres Geheiß Und nur die Hälft' vorher gewußt Von dem, was heut' ich weiß, Und hätt' ich ernstlich nur gewollt, Ja, wollt' ich nur noch jetzt, Und wäre mir das Glück so hold Wie manchem, der's nicht schätzt, Und hätt' ich zehnmal soviel Geld Und könnt', was ich nicht kann, Und käm' noch einmal auf die Welt – Ja, dann!

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Mühselig ist es, das Leben immer zu beginnen.

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Es wird Zeit, daß ihr das Leben lebt, wie ihr es euch erträumt habt.

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Es gibt für den Sterblichen kein Zurück; auch nicht eine Minute kehrt in gleicher Weise wieder.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Blätter im Wind Treibende Blätter im Wind, Spielzeug der Lüfte wir sind. Wo wir einst liegen in Orten und Zeiten, Wo wir verwesen, hat nichts zu bedeuten; Da wo wir saßen am Lebensbaum, Hofft eine Knospe im Frühlingstraum.

Bosshart, J., Gedichte

Wendekreislauf Nehmen wir Geschehn für Leben, haben wir's nicht recht verstanden; Menschenleben ist das Leben so nur, wie wir es empfanden – ja, so schwärmt' ich seelentrunken. Wie mir alles wohlbehagte, was ich fühlte, was ich sagte, in mein Spiegelbild versunken! Doch jetzt heißt es: mit den Zielen, mit den Wegen sich beraten. Zwar den Jüngling ehrt sein Fühlen, doch dem Manne ziemen Thaten. Altgeschehnes, Neuerfahrnes, dunkel drängt es sich zusammen, und wir wissen nicht zu scheiden dieses Lodern seltner Flammen; denn darunter lebt ein Glühen seltenster Begebenheiten, und man fühlt ein still Bemühen, als ob Zeiten sich bereiten. Nah schon, will der Sonnenwagen wieder einen Kreis vollenden. Wird er durch den Steinbock jagen? wird er sich zum Krebse wenden? Schaudernd scheint er still zu stehen zwischen gleichen Finsternissen, und nun scheint er sich zu drehen, aber Du – wirst mitgerissen.

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Der Menschheit Dasein auf der Erde baut sich immer von neuem auf, doch nicht von dem äußersten Umkreis her, sondern stets aus der Mitte.

Raabe, Die Akten des Vogelsangs, 1896

Es ist doch […] auch jetzt schon bewiesen, […] daß nämlich alles Lebende aus dem Gestorbenen entsteht.

Platon, Phaidon, entstanden um 380 v. Chr. 77c. Übersetzt von Friedrich Schleiermacher

Wenn ihr ein Jahr gelebt und den Wechsel der Jahreszeiten erlebt habt: Winter, Frühling, Sommer, Herbst, dann habt ihr alles gesehen und nichts Neues werdet ihr mehr erblicken.

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Wir gehen wie Reisende über die Meere.

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In jedem Leben geschieht es noch einmal, daß es sich müht, wiederzubeginnen wie mit Neugeburt: mit Recht nennt das vielzitierte Wort die Pubertät eine zweite Geburt.

Andreas-Salomé, Lebensrückblick: Grundriß einiger Lebenserinnerungen, 1951 (posthum)

Ja, es gibt das Übel, und wenige Menschen würden ihren Lebenslauf erneut beginnen wollen, wohl kaum einer auf hunderttausend.

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Das Leben des Menschen muß sich von Tag zu Tag zum Besseren wandeln.

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Wir sind offenbar nur Übergangswesen und unser irdisches Dasein ist augenscheinlich nur der Vorgang oder die Fortsetzung des Daseins einer Puppe, die sich in einen Schmetterling verwandelt.

Dostojewski, Sinn der Läuterung, zusammengestellt von J. Schirmer, Berlin 1938