Leben Sprüche – philosophisch

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Leben ist eine Krankheit des Geistes, ein leidenschaftliches Tun.

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Magische Chemie, Mechanik und Physik

Drei Pfade hat der Mensch in sich, in denen sich sein Leben tätigt: die Seele, den Leib und die Sinne.

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Form ist Wollust Form und Riegel mußten erst zerspringen, Welt durch aufgeschlossne Röhren dringen: Form ist Wollust, Friede, himmlisches Genügen, Doch mich reißt es, Ackerschollen umzupflügen. Form will mich verschnüren und verengen, Doch ich will mein Sein in alle Weiten drängen - Form ist klare Härte ohn' Erbarmen, Doch mich treibt es zu den Dumpfen, zu den Armen, Und in grenzenlosem Michverschenken Will mich Leben mit Erfüllung tränken.

Stadler, E., Gedichte. Der Aufbruch, Erstdruck 1914. Die Flucht

Nicht der Tod ist die Wurzel der Welt, welcher Tod erst durch allmähliche Verringerung seines Grades zum Leben heraufgekünstelt werden müßte; sondern vielmehr das Leben ist die Wurzel der Welt, und was da tot scheint, ist nur ein geringerer Grad des Lebens.

Fichte, Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters. Dargestellt in Vorlesungen, gehalten zu Berlin, im Jahre 1804/05, 1806. 4. Vorlesung

Der moralische Mensch hat so gut seine Respiration wie der physische, und nur durch diese bleiben wir lebendig.

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Was ich soll? Wer löst mir je die Frage? Was ich kann? Wer gönnt mir den Versuch? Was ich muß? Vermag ich's ohne Klage? So viel Arbeit um ein Leichentuch!

Platen, Gedichte. Ausgabe 1834. Romanzen und Jugendlieder. Aus: Noch im wollustvollen Mai des Lebens

Alles Leben trägt sein Ideal in sich: der innerste Trieb des geistigen Lebens ist die Bewegung nach der Idee, nach einer größeren Vortrefflichkeit. Dieser Trieb ist ihm angeboren, bei seinem Ursprung eingepflanzt.

Ranke, Sämtliche Werke, 48 Bde. (1867-86); Bde. 49-54 posthum (1887-90). Politisches Gespräch

Wenn man anfängt, das Leben zu verstehen, versteht es uns nicht mehr.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Denn wirklich, wie ja in des Menschen Leben nie etwas Neues kommt, sondern nur neue Formen auftauchen, soviel sich auch ereignen mag, so schweifte das Sinnen des Sintlingers in jenen langen Monaten in Gegenden, durch die ihn sein Rausch getrieben hatte.

Stehr, Der Heiligenhof, 2 Bde., 1918. Drittes Buch, 1. Kapitel

Was forscht ihr früh und spat dem Quell des Übels nach, da doch kein anderes ist, als Kreatur zu sein?

Platen, Gedichte. Ghaselen, 1821

Wer, durch Wissenschaft und Erfahrung belehrt, alles menschliche Wesen als schal und nichtig erkennt, der ist in jedem Sinne wahrhaft frei.

Deussen/Strauß (Übers.), Vier philosophische Texte des Mahâbhâratam. Sanatsujâta-Parvan, Bhagavadgîtâ, Mokshadharma, Anugîtâ, 1906. Mokshadharma

Der Politiker steckt im Leben, unbekannt wo. Der Ästhet flieht aus dem Leben, unbekannt wohin.

Kraus, Sprüche und Widersprüche, 4. Auflage 1924 (EA: 1909). V. Der Künstler

Das einzig Wirkliche, was wir auf der Welt haben, ist das Leben. Mir scheint, daß jeder vernünftige Mensch es zu erhalten suchen müßte.

Schröder (Hg.), Lichtstrahlen aus Friedrichs des Großen Schriften, gesammelt von Emilie Schröder, 3. vermehrte Auflage 1912 (EA: 1882). An Voltaire, 6. Juli 1737

Das fühlen wir unwiderleglich, die Bestimmung des Menschen fällt nicht zusammen mit dem Zweck dieser Erde.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Man muss, damit überhaupt geistiges Leben möglich ist, irgendeinem Ziele zustreben.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Warum konzentrierst du dich nicht lieber mit deinem kurzen Leben auf wesentliche Dinge und lebst nicht mit dir und der Welt in Frieden?

Seneca, Mächtiger als das Schicksal. Ein Brevier, übersetzt von Wolfgang Schumacher 1942. Vom Zorn

Es gibt Menschen, die ihr Leben nur als eine Benefizvorstellung für sich betrachten.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Alle Auflehnung gegen die Natur, gegen die Seinsbedingungen ist unfruchtbar und krankhaft.

Prudhomme, Intimes Tagebuch und Gedanken

Das menschliche Leben ist das einzige, das erforscht zu werden verdiente. Damit verglichen, ist alles übrige ohne Belang.

Wertheimer (Hg.), Weisheiten von Oscar Wilde, übersetzt von Paul Wertheimer, 1921 (EA: 1907)

Es ist das Gefühl, dass in diesem Weltmechanismus etwas Ewiglebendes enthalten sein muss, was sich in allen das Ganze erfassenden Menschenseelen zu der Vorstellung „Gott“ gestaltet.

Pauly, Aphorismen, 1905

Wie könnten wir die große Selbstkorrektur des Lebens anders als ahnungsvoll verfolgen?

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1905