Leben Sprüche – zeit
886 Sprüche gefunden
Der Tod ist nichts und alles ist das Leben.
Unser zeitliches Leben ist der Schmelztiegel, aus dem unser zukünftiges Leben erst entstehen muß.
Die Vergangenheit Mir ist als legten leise Sich Nebel um mich her, Vom bunten Menschenkreise Mich scheidend mehr und mehr. Erinnerungen sind es, Aus Lust und Leid gewebt, Die man, will's ein gelindes Geschick, mit mir begräbt! Mir ist, als brauste, grollte Um mich ein Ocean, Den ich, wie gern ich wollte Nicht überbrücken kann. Dieß Meer, deß banger Klage Die Seele träumend lauscht, Es sind die fernen Tage, Die an mir hingerauscht! Vereinsamt im Gewühle, Das rastlos drängt und schafft, Vergangenheit! wie fühle Ich mich in deiner Haft! Erschöpft vom Lebensstreite, Den Wunsch auf nichts gestellt, Ein dunkler Schatten gleite Ich durch die blüh'nde Welt!
Das Leben kann als eine Linie angesehen werden, die mit verschiednen Krümmungen über einer Graden (der Grenze des Lebens) hinläuft. Der plötzliche Tod ist ein perpendikulärer Lauf nach dieser Linie, Krankheit auf Parallelen mit derselben.
Die Schifffahrt Das Leben geht vorüber wie die Welle, Und Jugend währt nur einen Augenblick; Die Freuden fliehen mit Gedankenschnelle, Wie Wetterleuchten zuckt der Liebe Glück: O Weiser, richte auf die Freudenquelle Der lichten Gottheit deinen wachen Sinn, Daß sich des Daseins dunkles Meer erhelle, Und schiffe sicher durch die Wogen hin.
Der Morgen weht mit zarten Lüften, Und spielt mit Gras und Blatt und Blüt', Und haucht aus tausend süßen Düften Erinnerung in mein Gemüt. Wie bald verweht des Lebens Morgen! Kein Frühling macht uns wieder jung. Was bleibt uns zwischen Pein und Sorgen Als du – als du, Erinnerung? Momente kommen gut und herzlich, Und man vergißt das schlimme Jahr, Ach, man gedenkt entzückend-schmerzlich Der Stunden, die man glücklich war. Das Leben ist ein Kranz von Blüten, Tief zwischen Dornen eingewebt, Nur die erringen, die sich mühten, Nur wer geweint hat, hat gelebt.
Vom Tode In der Jugend heiterem Morgenrot Denkt kein Mensch an Alter und Tod, Und dies mit allem Grund und Fug; Denn an den Tod soll man nicht denken. Im Alter kostet es Müh' genug, Die Gedanken von ihm abzulenken. Memento Mori: hohler Popanz! Motto für den Totentanz! Taugt nichts für Junge und nichts für Greise; Memento vivere sagt der Weise: Fülle dein Leben tüchtig aus – MitdemRat hält man richtig Haus.
Ein üppig lastervolles Leben büßt sich In Mangel und Erniedrigung allein.
Mancher zählt viele Jahre und hat doch nur kurze Zeit gelebt.
Niemand geht so rein durch seine Zeit, daß sich ihm nicht Vieles anhängt, was seinem eigentlichen Wesen gar nicht angehört.
In jedem guten mörderischen Melodrama auf der Bühne wechseln komische und tragische Szenen so regelmäßig, wie die roten und weißen Lagen einer Speckseite. Diese Abwechslungen scheinen uns abgeschmackt, sind indes keineswegs unnatürlich. Die Übergänge im wirklichen Leben von wohlgesetzten Tischen zu Sterbebetten, oder von Trauer- zu Festtagskleidern sind nicht minder schroff oder gefühlsverletzend – nur sind wir dabei beschäftigte Mitspieler, statt bloßer Zuschauer, was einen unermeßlichen Unterschied bildet.
Ich hab in kalten Wintertagen, In dunkler, hoffnungsarmer Zeit Ganz aus dem Sinne dich geschlagen, O Trugbild der Unsterblichkeit. Nun, da der Sommer glüht und glänzet, Nun seh ich, daß ich wohlgetan! Aufs neu hab ich das Haupt bekränzet, Im Grabe aber ruht der Wahn. Ich fahre auf dem klaren Strome, Er rinnt mir kühlend durch die Hand, Ich schau hinauf zum blauen Dome Und such – kein beßres Vaterland. Nun erst versteh ich, die da blühet, O Lilie, deinen stillen Gruß: Ich weiß, wie sehr das Herz auch glühet, Daß ich wie du vergehen muß! Seid mir gegrüßt, ihr holden Rosen, In eures Daseins flücht’gem Glück! Ich wende mich vom Schrankenlosen Zu eurer Anmut froh zurück! Zu glühn, zu blühn und ganz zu leben, Das lehret euer Duft und Schein, Und willig dann sich hinzugeben Dem ewigen Nimmerwiedersein!
Hinter dem Menschen arbeitet und geht ein langsamer Strom, der glühend ihn verzehrt und zermalmt, wenn er ihn ergreift; aber der Mensch schreite nur tapfer vorwärts und schaue oft rückwärts, so entkommt er unbeschädigt.
Was lebt, ist unvertilgbar, bleibt in seiner tiefsten Knechtsform frei, bleibt Eins und wenn du es scheidest bis auf den Grund, bleibt unverwundet und wenn du bis ins Mark es zerschlägst und sein Wesen entfliegt dir siegend unter den Händen.
Schwalben Eine tote Schwalbe Liegt auf meinem Pfad. Allzu spät dem Nest entronnen Hat sie nicht die Kraft gewonnen, Mit den andern fortzufliegen Nach den schönen bessern Sonnen, Und blieb liegen, Als der Frost genaht. Arme tote Schwalbe, Viele sind wie du, Denen allzu spät das Leben Allzu karg Erfolg gegeben, Ach, und müssen dann erliegen, Während andre weiterfliegen Ihren Siegen, Ihren Sonnen zu …
Stets kommt eine Altersstufe, auf der das Leben nichts weiter ist, als eine in einem gewissen Lieblingsmilieu ausgeübte Gewohnheit.
Das Leben borgt seinen höchsten Reiz vom Tode; es ist nur schön, weil es vergänglich ist.
Versenke dich in das, was wird, Dann hast du in dein Leben dich versenkt.
So sind wir nun: kriechen heraus, hantieren hier oben eine Zeitlang scheinbar selbständig hin und her und legen uns dann ganz still wieder unter die Kruste.
Wenn die Uhren so nah wie eigene Herzen schlagen, und die Dinge mit zagen Stimmen sich fragen: Bist du da? – : Dann bin ich nicht der, der am Morgen erwacht, einen Namen schenkt mir die Nacht, den keiner, den ich am Tage sprach, ohne tiefes Fürchten erführe – Jede Türe in mir gibt nach... Und da weiß ich, daß nicht vergeht, keine Geste und kein Gebet (dazu sind die Dinge zu schwer) – meine ganze Kindheit steht immer um mich her. Niemals bin ich allein. Viele, die vor mir lebten und fort von mir strebten, webten, webten an meinem Sein. Und setz ich mich zu dir her und sage dir leise: Ich litt - hörst du? Wer weiß wer murmelt es mit.
Lebensabschnitt Ich mache eine Amnestie Aus herzlichem Verlangen. Und sei auch du und sein auch Sie Zu mir ganz unbefangen. Das Leben ist ein Rutsch-Vorbei. Nur das, was echt gewesen, Nährt weiterhin. – Ein Besen, Zu wild geschwenkt, schlägt viel entzwei. Seid gut zu mir und macht Radau, Verzeihend und aus Reue! Wollt ihr? Wer reist aufs neue Mit mir ins Himmelblau?