Leben Sprüche – zeit
886 Sprüche gefunden
In der Kirche und im Staate Herrscht man, oder wird regieret; Bei dem Freien, bei der Heirath, Narrt man, oder wird verführet; Bei dem Spiel und beim Geschäfte Trügt man, oder wird betrogen; In dem Kriege, in dem Bündniss, Lügt man, oder wird belogen; In Gesellschaft, bei Verwandten Trägt man, oder wird ertragen; In dem Kampfe um das Dasein Schlägt man, oder wird erschlagen.
Ich bin nur einer deiner Ganzgeringen, der in das Leben aus der Zelle sieht und der, den Menschen ferner als den Dingen, nicht wagt zu wägen, was geschieht. Doch willst du mich vor deinem Angesicht, aus dem sich dunkel deine Augen heben, dann halte es für meine Hoffahrt nicht, wenn ich dir sage: Keiner lebt sein Leben. Zufälle sind die Menschen, Stimmen, Stücke, Alltage, Ängste, viele kleine Glücke, verkleidet schon als Kinder, eingemummt, als Masken mündig, als Gesicht – verstummt.
Es wechseln Völker und Geschicke, Die Menschheit geht die gleiche Bahn.
Der ist nirgends, der allenthalben ist.
Wir harren nicht mehr ahnungsvoll Wie sonst auf blaue Märchenwunder; Wie sich das Buch entwickeln soll, Wir wissen's ganz genau jetzunder. Wir blätterten schon hin und her, – Denn ruchlos wurden unsre Hände – Und auf der letzten Seite sahn Wir schon das schlimme Wörtlein Ende.
Zuzeiten ist die Lebensführung von sehr kleinen Dingen abhängig.
Mühselig ist das Leben Und traurig wie der Tod.
Schnell, wie des Stromes wechselnde Woge, Schwindet des Lebens ängstender Traum.
Montage sind die Schlaglöcher in der Straße des Lebens.
Es ist unklug, das Leben nach dem Zeitbegriff abzumessen. Vielleicht sind die Monate, die wir noch zu leben haben, wichtiger als alle durchlebten Jahre.
Das Leben ist eine schreckliche Unterbrechung des Nichts.
Wie die Lieder wirbelnd erklingen! Wie sie fiedeln, zwitschern und singen! Wie aus den Blicken die Funken springen! Wie sich die Glücklichen liebend umschlingen! Jauchzend und schrankenlos, Sorglos, gedankenlos Dreht sich der Reigen, Der Lebensreigen. – Ich muß schweigen, Kann mich nicht freuen, Mir ist so angst ... Finster am Bergesrand Wandelt die Wolke, Hebt sich des Herren Hand Dräuend dem Volke: Und meine Augen, sie sehens alleine, Und meine Sorgen verstehens alleine ... Es fiel auf mich in der schweigenden Nacht, Und es läßt mich nicht los, Wie dumpfer hallender Glockenlaut, Es folgt mir durch die Frühlingspracht, Ich hör es durch der Wellen Getos: Ich habe den Frevel des Lebens geschaut! Ich sah den Todeskeim, der aus dem Leben sprießt, Das Meer von Schuld, das aus dem Leben fließt, Ich sah die Fluten der Sünden branden, Die wir ahnungslos begehen, Weil wir andere nicht verstanden, Weil uns andere nicht verstehen.
Unstete Waage des Lebens immer schwankend, wie selten wagt ein geschicktes Gewicht anzusagen die immerfort andre Last gegenüber. Drüben, die ruhige Waage des Todes. Raum auf den beiden verschwisterten Schalen. Gleichviel Raum. Und daneben, ungebraucht, alle Gewichte des Gleichmuts, glänzen, geordnet.
Lebensbetrachtung Die Jugend ist die Zeit zu lieben, Die Mannheit Liebe auszuüben, Das Alter Zeit zu ruhn. Wer will nicht gerne Jedes thun? Sonst nichts? Das will ich.
Jeder Herzschlag klopft dem Grabe zu. Weiter und weiter – unaufhaltsam. In mir wächst der Tod.
Weißt du, wie vergeht das Leben? Lies das Wort von rückwärts eben!
Das Leben ist kurz und voll Verdruß: es vergeht unter lauter Wünschen; man verspart sich Ruhe und Freuden für die Zukunft, für ein Alter, wo die besten Güter dahin sind, Gesundheit und Jugend.
Liebst du das Leben, dann verschleudere keine Zeit.
Es ist ein stetes stilles Wandern Durch Menschen, Dinge und Gedanken. Man geht und geht Und merkt kaum, wie ringsum die Bilder Sich verschieben und vorübergleiten Und eines um das andere rückwärts fällt ... Und plötzlich steht Man wie in einer neuen Welt! Fernes wird nah und Nahes fern ... Du bleib sein Kern!
Tritten des Wand'rers über den Schnee sei ähnlich mein Leben; es bezeichne die Spur, aber beflecke sie nicht.
An – als ihm die – starb Der Säemann säet den Samen, Die Erd empfängt ihn, und über ein kleines Keimet die Blume herauf – Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, war klein Dir geachtet, Und sie entschlummerte Dir! Was weinest Du neben dem Grabe Und hebst die Hände zur Wolke des Todes Und der Verwesung empor? Wie Gras auf dem Felde sind Menschen Dahin, wie Blätter! Nur wenige Tage Gehn wir verkleidet einher! Der Adler besuchet die Erde, Doch säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub, und Kehret zur Sonne zurück!