Leben Sprüche – zeit
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Der predigt von des Lebens Nichtigkeit, Und jener von des Lebens Wichtigkeit; Hör' beides wohl, mein Sohn, und merke dir: Halb hat's mit beiden seine Richtigkeit!
Ach! es haben Die Menschen nur die kleine Spanne Zeit; Sie ist ein Augenblick für ihre Freuden, Und eine Ewigkeit für ihren Schmerz.
Entstehen, Sein und Tod! — Verhängnisvolle Worte —
Doch hinfort und alle Zukunft wie vor alters dauert das Gesetz: Keines Menschen Leben erfüllt sich frei von Unheil.
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge zieh'n. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang, und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.
Sage mir, was ist dein Leben, Lieber! Sag es, Menschenkind! Ist es nicht gleich als ein Wind, Als ein Schiff, der See ergeben? Schießt es nicht so schnell dahin, Als ein Strom von Anbeginn? Ist es nicht als Meereswellen, Die der hart erboste Nord Aufgereizt und jaget fort, Wann er schrecklich pflegt zu bellen, Als ein Nebel, den der Tag Nun nicht mehr vertragen mag? Schmilzt es nicht, als Schnee und Schlossen; Als das Eis, das noch so steif; Schwind't es nicht, als Tau und Reif; Wann die Wind' aus Süden stoßen, Wann die Sonne Kraft erreicht, Nacht und Frost und Kälte weicht? Flieht es nicht, gleich als ein Schatten, Als ein Rauch, der nicht besteht; Als ein Dampf, der bald vergeht; Als die bunt beblümten Matten; Als die Blüten um den Ast, Den der Sturm itzt angefaßt: Als ein Gras, das vor dem Meier Seinen Stengel niederstreckt, Und den Boden überdeckt: Als ein Kräutlein um den Weiher, Welches, wann's am schönsten grünt, Mancher Hand zum Raube dient? Faellt es nicht dahin als Blätter? Fleugt es nicht als Spreu und Staub, Die des kleinsten Windleins Raub Bei des Herbstes schönstem Wetter? Wird es nicht zu lauter Nichts Als ein Strahl des Wetterlichts? Ist wohl etwas jemals kommen In des Menschen Sinn und Witz, Das, gleich als der jaehe Blitz, Seine Flucht so rasch genommen? Doch ist unser Lebensglas Rascher aus, als alles das.
Abend Der Abend wechselt langsam die Gewänder, die ihm ein Rand von alten Bäumen hält; du schaust: und von dir scheiden sich die Länder, ein himmelfahrendes und eins, das fällt. Und lassen dich, zu keinem ganz gehörend, nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt, nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt. Und lassen dir (unsäglich zu entwirrn) dein Leben bang und riesenhaft und reifend, sodaß es, bald begrenzt und bald begreifend, abwechseln Stein in dir wird und Gestirn.
Wie das Gestirn Wie das Gestirn, der Mond, erhaben, voll Anlaß, plötzlich die Höhn übertritt, die entworfene Nacht gelassen vollendend: siehe: so steigt mir rein die Stimme hervor aus Gebirgen des Nichtmehr. Und die Stellen, erstaunt, an denen du da warst und fortkamst, schmerzen klarer dir nach.
Tage, wenn sie scheinbar uns entgleiten Tage, wenn sie scheinbar uns entgleiten, gleiten leise doch in uns hinein, aber wir verwandeln alle Zeiten; denn wir sehnen uns zu sein ....
Zwischen Saat und Sense Das beste Werk auf Erden ist: Korn in die Scholle säen, Und aller Freuden vollste ist: die schweren Schwaden mähen. Rund geht der Wurf des Säemanns und rund des Mähders Eisen, Des ganzen Lebens Auf und Ab liegt mitten diesen Kreisen.
Man lebt nicht zweimal, und wie groß ist deren Zahl, Die leben auf der Welt auch einmal nicht einmal!
Des Menschen Leben gleicht der Kerze im Wind, dem Frost auf den Ziegeln.
Das Leben gleicht einem Blitz. Wie bald sind beide dahin.
Es gibt für den Menschen nur drei Ereignisse: entstehen, leben und sterben. Er ist sich des Entstehens nicht bewußt, er leidet beim Sterben und er vergißt zu leben.
Dazu bleiben wir nicht ewig unter den Sternen und unser Erdenleben ist nur eine kleine Strecke auf der ganzen Bahn unsrer Existenz.
Schmiegsam und geschmeidig ist der Mensch, wenn er geboren wird, starr, störrisch und steif, wenn er stirbt. Biegsam, weich und zart sind die Kräuter und die Bäume im Wachstum, dürr, hart und stark im Entwerden. Darum gehören Starre und Stärke dem Tode, Weichheit und Zartheit dem Leben.
Denn Sein und Nichtsein erzeugen einander. Schwer und Leicht vollenden einander. Lang und Kurz gestalten einander. Vorher und Nachher folgen einander.
Starrheit ist ein Begleiter des Todes, Geschmeidigkeit ein Begleiter des Lebens.
Im Leben ist's wie am Himmel; eben dadurch, daß Sternbilder auf der einen Seite untersinken, müssen neue auf der andern heraus.
Das Leben gleicht einem gut geschriebenen Buche: man ist eher damit fertig, als man es wünscht; Toren durchblättern es flüchtig, aber Kluge lesen es mit Bedacht, weil sie wissen, daß sie es nur einmal lesen können.
Das Leben ist kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert, sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu genießen.