Leben Sprüche – zukunft
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Wir leben nur für den Augenblick, in dem wir die Pracht der Kirschblüten bewundern.
Man kann den Frühling im Jahre nicht festhalten, aber man kann jung bleiben in der Seele bis an sein Ende, wenn man die Liebe lebendig erhält in seinem Herzen für die Menschen, die der Liebe würdig sind, und das Auge offen behält für das Schöne, Große, Gute und Wahre.
Es ist mit dem Leben wie mit den Prophezeiungen, man versteht sie erst, wenn sie erfüllt sind.
»Manches können wir nicht verstehn.« Lebt nur fort, es wird schon gehn.
Du bist für den Himmel unterwegs. Je mehr du ausgibst, desto mehr wirst du einnehmen.
Denkt euch ein Jahrhundert zurück und denkt euch ein Jahrhundert voraus und höret dann die Menschen über euch.
Unser zeitliches Leben ist der Schmelztiegel, aus dem unser zukünftiges Leben erst entstehen muß.
Die Vergangenheit Mir ist als legten leise Sich Nebel um mich her, Vom bunten Menschenkreise Mich scheidend mehr und mehr. Erinnerungen sind es, Aus Lust und Leid gewebt, Die man, will's ein gelindes Geschick, mit mir begräbt! Mir ist, als brauste, grollte Um mich ein Ocean, Den ich, wie gern ich wollte Nicht überbrücken kann. Dieß Meer, deß banger Klage Die Seele träumend lauscht, Es sind die fernen Tage, Die an mir hingerauscht! Vereinsamt im Gewühle, Das rastlos drängt und schafft, Vergangenheit! wie fühle Ich mich in deiner Haft! Erschöpft vom Lebensstreite, Den Wunsch auf nichts gestellt, Ein dunkler Schatten gleite Ich durch die blüh'nde Welt!
Die Illusion Was ist die Freude, das Glück, das Leben ohne den Traum von Hoffnung und von Ruhm! Eine Straße, endlos, öd, uneben: immer müder wird dein Pilgertum. Gieb mir Melodieen – oh, nur eine: wiege das Herz in Träume, wenn es schreit! und dir wachsen ewige Marmorsteine aus der Asche der Vergangenheit. Hoffnung! Ruhm! was soll ich mich beklagen; ein Diadem zieht strahlend vor mir her. Was tut’s, ein Leben wie ein Bettler tragen, wenn man stirbt wie Pindar und Homer!
Die Schifffahrt Das Leben geht vorüber wie die Welle, Und Jugend währt nur einen Augenblick; Die Freuden fliehen mit Gedankenschnelle, Wie Wetterleuchten zuckt der Liebe Glück: O Weiser, richte auf die Freudenquelle Der lichten Gottheit deinen wachen Sinn, Daß sich des Daseins dunkles Meer erhelle, Und schiffe sicher durch die Wogen hin.
Der Morgen weht mit zarten Lüften, Und spielt mit Gras und Blatt und Blüt', Und haucht aus tausend süßen Düften Erinnerung in mein Gemüt. Wie bald verweht des Lebens Morgen! Kein Frühling macht uns wieder jung. Was bleibt uns zwischen Pein und Sorgen Als du – als du, Erinnerung? Momente kommen gut und herzlich, Und man vergißt das schlimme Jahr, Ach, man gedenkt entzückend-schmerzlich Der Stunden, die man glücklich war. Das Leben ist ein Kranz von Blüten, Tief zwischen Dornen eingewebt, Nur die erringen, die sich mühten, Nur wer geweint hat, hat gelebt.
Den meisten Menschen vergeht das Leben in der ständigen Erwartung des Zeitpunktes, an dem sie nun eigentlich zu leben anfangen.
Denn ein Gott hat Jedem seine Bahn Vorgezeichnet, Die der Glückliche Rasch zum freudigen Ziele rennt; Wem aber Unglück Das Herz zusammenzog, Er sträubt vergebens Sich gegen die Schranken Des ehernen Fadens, Den die doch bittre Schere Nur einmal löst.
Die Philosophen haben recht, wenn sie sagen: Wenn du das Leben verstehen willst, blicke in die Vergangenheit. Sie vergessen aber, daß, wenn du leben willst, du dich der Zukunft zuwenden mußt.
Wenn man in einem Buche blättert, heute, morgen, in acht Tagen wieder, so fallen einem fast immer die nämlichen Seiten unter die Augen und vielleicht nicht immer die besten und schönsten. So auch geht es mit dem Buch des Lebens, man muss es nicht nur lesen, wie die Seiten sich öffnen.
Alte Ketten Und folgst du neuer Lust und Pflicht, Des Sommers schweren Kranz im Haar, Dein edles Herz begeifre nicht, Was deiner Jugend heilig war! Und wenn die Lockung dich umgirrt, Zu schmäh'n, was einst dir köstlich galt, Gesteh' mit Mut: ich hab' geirrt; Doch lästre nicht, was leis verhallt. Gedenk' der Schlösser, die du einst Im Schmuck der Waffen stolz verließt; Sie bergen viel, was du beweinst, Und was du nimmer wieder siehst. Wenn du des Lebens Feinde schlugst, Verhöhn' sie nicht, sei mitleidsvoll; Und selbst der Ketten, die du trugst, Gedenke ohne Haß und Groll. Wenn du aus Banden dich befreist, Die deiner Jugend Fleisch gepreßt, In diesen Fesseln lebt ein Geist, Der sich nicht lachend spotten läßt. Und wenn die Hand im sonn'gen Tal Sich neuen Lenzes Blüten rafft, Mahnt dich ein altes Wundenmal An jener Kerker dunkle Haft. Und stehst du trotzig und befreit, In deinen Ruhm, in deine Schmach Tönt dir aus ferner Leidenszeit Das Klirren alter Ketten nach.
An Dich Was fruchtet's, daß in schmerzlichen Entwürfen dir Tag um Tag scheu wie ein Dieb entschleicht! Aus jedem goldnen Becher sollst du schlürfen den Trank, den jede goldne Stunde reicht. Denn jede Blüte, die du nicht gebrochen, und jeder ungehörte Saitenklang und jedes Glück, das du nicht ausgesprochen, fällt als ein Tropfen Reue in den Trank. Und was vergangen ist, das sei vergangen! Der neue Tag führt neues Licht herauf. Tot sind die Lieder, die noch gestern klangen. Was kümmert's dich? Zieh' neue Saiten auf! Der Augenblick ist Leben und Erringen, verlornes Glück – verklungenes Getön. Wenn es verklang, wo wird's auch wieder klingen, du bist ja noch so jung und bist so schön!
Die Zukunft allein ist unser Zweck, und so leben wir nie, wir hoffen nur, zu leben.
Spruch für eine Sonnenuhr Auf dem Hochzeitsturm in Darmstadt Der Tag geht über mein Gesicht. Die Nacht sie tastet leis vorbei. Und Tag und Nacht ein gleich Gewicht und Nacht und Tag ein Einerlei. Es schreibt die dunkle Schrift der Tag und dunkler noch schreibt sie die Nacht. Und keiner lebt, der deuten mag was beider Schatten ihm gebracht. Und ewig kreist die Schattenschrift. Leblang stehst du im dunklen Spiel. Bis einmal dich die Deutung trifft: Die Zeit ist um. Du bist am Ziel.
Das Leben ist ein Traum, Man merkt, man fühlt ihn kaum; Denn schnell wie Wolken ziehn, Ist dieser Traum dahin. Wohl dem, der gut geträumt, Wohl dem, dess Saat hier keimt Zur Ernte für die Zeit Der Unvergänglichkeit. Das Leben ist der Blick Auf einer Zukunft Glück, Das jeder haben kann, Der hier es wohlgetan. Wohl dem, der nach der Nacht Des Grabes froh erwacht, Den nicht die Stimme schreckt, Die aus dem Schlummer weckt. Wer bei der Arbeit Schluß Die Rechnung fürchten muß, Hat wahrlich keinen Blick Auf einer Zukunft Glück.
Wenn Ja, hätte mir von Anbeginn So manches nicht gefehlt, Und hätt' ich nur mit anderm Sinn Den andern Weg gewählt, Und hätt' ich auf dem rechten Pfad Die rechte Hilf' empfahn Und so statt dessen, was ich tat, Das Gegenteil getan, Und hätt' ich vieles nicht gemußt Auf höheres Geheiß Und nur die Hälft' vorher gewußt Von dem, was heut' ich weiß, Und hätt' ich ernstlich nur gewollt, Ja, wollt' ich nur noch jetzt, Und wäre mir das Glück so hold Wie manchem, der's nicht schätzt, Und hätt' ich zehnmal soviel Geld Und könnt', was ich nicht kann, Und käm' noch einmal auf die Welt – Ja, dann!