Leben Sprüche – zukunft

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Jedermann würde die schlechten Umstände auf die erste Lebenszeit und die guten auf die letzte verschieben, damit er sie im Prospekt hätte.

Erdmann (Hg.), Reflexionen Kants zur Anthropologie. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen (= Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie, Band 1), hg. von Benno Erdmann, 1882

Nicht genug! Lebenswogen, Kaum verzogen, Was ich ringend je ertrug: Neue wollen Mich umrollen, 's ist noch lange nicht genug. Schicksalsschmiede, Drin zum Liede Stark der Hammer auf mich schlug: Frische Hitze, Funkenblitze! 's ist noch lange nicht genug.

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Neues Leben Still und hell ist mein Gemüt, Wie im Herbst ein Sonnentag, Und doch fühl' ich, daß im Innern Wie durch Lenzes Zauberschlag Eine junge Schöpfung blüht. Hast du noch nicht ausgeglüht, Meiner Jugend Sonnenschein, Und wenn jetzt der Winter käme, Würd' er mir in Blüten schnein, Wie im ewigjungen Süd? Ach, und meiner Flügel Schwung War so traurig schon gelähmt! Denn ich habe sterben sehen; Und nun fühl' ich fast beschämt Mir zum Leben Mut genung. Wäre nicht Erinnerung, Schiene Traum, was Leben war! Aber wen die Götter lieben, Stirbt er auch in grauem Haar, Dennoch stirbt er ewigjung.

Heyse, P., Gedichte

Über den Dächern Über den Dächern schwebt Rauch und ein sanftes Gebimmel klingt von den Türmen der Stadt. Meine Sehnsucht fliegt in den Himmel. Wie es durch das Fenster zieht … ! Wozu arbeiten? Wozu tätig sein? Wozu in die Versammlungen gehn? Ich habe nur meine beiden Hände. Was steht am Ende –? Das habe ich an Vater gesehen. Wie es durch das Fenster zieht … ! Diese Dachkammer hat der alte Mann. Dafür fünfundfünfzig Jahre Arbeit, keinen Tag Urlaub, Sorgen und graue Haare. Meine Gedanken hängen am Horizont – Wo ist unser Glück … ? Und da kommen plötzlich alle meine Gedanken zurück. Gleich springe ich auf die Beine und werfe die Arme um den Leib, weil mich friert … Ich bin nicht mehr allein. Wir sind stark, wenn wir zusammenhalten: die Starken und Schwachen, die Jungen und Alten. Wenn nur der Wille fest bleibt und unsere Partei. Da bin ich dabei. Noch einmal sehe ich über die Stadt und die Dächer … Schon mancher hat mit trocken Brot und armseligem Essen in so einer zugigen Dachkammer gesessen. Mancher, der nachher ein Reich erobert hat.

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Lerne lachen ohne zu weinen, 1931 (Kurt Tucholsky)

Wäre nicht Erinnerung, Schiene Traum, was Leben war! Aber wen die Götter lieben, Stirbt er auch in grauem Haar, Dennoch stirbt er ewigjung.

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Leben Schaumgekrönter Überschwang, Roter Blütenrausch – Melancholischer Gesang, Welkes Blattgerausch. Silberheller Jubelchor, Jauchzen Berg zu Tal – Stilles Schluchzen, schwarzer Flor, Schütternder Choral. Mir ein süßer Herzenswahn, Dir ein bittrer Hohn – Heute winkt ein Kanaan, Morgen ist's entflohn ...

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Hoffen und gewinnen, verlieren und resignieren, das ist die steigende und fallende Welle des Lebens!

Pauly, Aphorismen, 1905

An einen Biographen Der Zeit vorzugreifen ist jetzt Mode; Sonst seziert man die Leute erst nach dem Tode.

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Lebensüberfluß Rauschende Bäche quellenden Lebens, Tönet wie Lieder in meine Ruh! Sehet, erfüllt ist's: nimmer vergebens Schau' ich in Sehnsucht den Wellen zu. Draußen in sommerdämmernder Laube Wiegt die holde Geliebte mein Kind, Hoch an dem Dache reift mir die Traube, Goldne Fäden die Parze spinnt. Schwellende Segel auf ruhigen Wogen Bringen mir Gäste, Früchte und Fracht; Meine Auen sind bienenumflogen, Nachtigallen singen bei Nacht. Rauschende Bäche quellenden Lebens, Spült ihr mich fort einst in Wogenschaum, Singen dann will ich: nicht vergebens Hab' ich geträumt den irdischen Traum!

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Lasset uns tun, was wir können! Für uns sollen diese Prüfungszeiten ohne ihresgleichen – Gnadenzeichen ohne ihresgleichen werden!

Hufeland (Hg.), Worte des Herzens von J. C. Lavater. Für Freunde der Liebe und des Glaubens, hg. von Christoph Wilhelm Hufeland, 8. Auflage 1852 (EA: 1825)

Hälfte des Lebens Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen.

Hölderlin, F., Gedichte

Zähle deine Stunden, und du erübrigst Jahre.

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Es fliegt der ruderschnelle Nachen Den Strom hinunter leicht und stet, Nur an der Ufer raschem Wechsel Bemerkst du, daß es vorwärts geht. So fliegt dein Leben leicht und munter Den glatten Strom der Zeit hinunter, Nur an dem Sterben der Genossen Bemerkst du, daß es vorwärts geht.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Glaubst du, das Dasein hänge von der Zeit ab? Das tut es freilich; – aber Handlungen sind unsere Epochen.

Byron, Manfred, Dramatisches Gedicht, Erstdruck als »The Prisoner of Chillon«, 1816

Jeder von uns rechnet auf ein ungewöhnlich langes Leben, aber keiner gesteht es ein.

Aachener Kritische Revue, 1891-94

In mir leben alle Toten der Erde weiter, ohne aus den Gräbern zu steigen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Über keinen Vorfall sollte man in großen Jubel, oder große Wehklage ausbrechen; teils wegen der Veränderlichkeit aller Dinge, die ihn jeden Augenblick umgestalten kann; teils wegen der Trüglichkeit unsers Urteils über das uns Gedeihliche, oder Nachteilige.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen

Hin- und Rückweg Wer den Pfad der Jugend schreitet, Sieht, wie diese große Welt Sich vor ihm gewaltig weitet, Wert der Wünsche, prachtgeschwellt! Aber auf des Alters schwerer Wandrung, wird die Welt ringsum Immer kleiner, immer leerer, Hoffensbar und trüb und stumm.

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Von Anfang der Welt an gehn die Dinge ihren Gang und verbleiben immer in der gleichen Schlechtigkeit, nur daß sie immer ein wenig besser erscheinen.

Goncourt, Ideen und Impressionen (Idées et sensations), 1866 (dt. 1904)

Frage Die ihr über dem Haupt mir schwebt, Dunkle Mächte des Lebens, Holder Gaben die Fülle gebt, Ach, nur daß ihr den Schleier hebt, Der den sterblichen Blick umwebt, Hofft die Seele vergebens? Allmacht, ewige Meisterin, Ist denn Frevel die Frage, Ob ich einst das Woher? Wohin? Zu enträtseln berufen bin, Ob dem ahnungumwobnen Sinn Himmlische Klarheit tage? Oder ruf' ich umsonst dich an? Mußt du herrschen und schweigen? Darfst du, wie dem gefangnen Mann, Was ich nimmer erreichen kann, Durch des ehernen Gitters Bann Nur von ferne mir zeigen?

Heyse, P., Gedichte. Sommer und Herbst

Alle sind oben, so lang sie die Erde unter den Füßen und den Himmel voll Licht oder Sterne über dem Haupte haben.

Hebel, Vermischte Aufsätze, 1834. I. Allgemeine Betrachtung über das Weltgebäude. Die Erde und die Sonne