Liebe Sprüche – klassisch

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Du suchst umsonst auf irrem Pfade Die Liebe du im Drang der Welt, Denn Lieb' ist Wunder, Lieb' ist Gnade, Die wie der Tau vom Himmel fällt.

Geibel, E., Gedichte. Aus: Minnelied

Ein Ideal, der Sonne vergleichbar, Stets unerreicht und unerreichbar, Das, das ist die Liebe, die Krone des Strebens, Die höchste Wonne des Erdenlebens!

Kneschke (Hg.), Deutsche Lyriker seit 1850, 1868. Aus: Was ist Liebe?

O wähne nicht, es sey ein eitler Trug, Daß man sich hier nur im Erinnern übe, Und daß für dich, für Alle, die ich liebe, Mein Herz schon einst in schönern Welten schlug. Du weißt es selbst, als du sie einst gefunden, Die jetzt dein Herz in süßen Banden hält, Die jetzt für dich rings um die ganze Welt Mit Liebessinn den zarten Flor gewunden, Der größern Reiz dem Reize noch gesellt, Und hinter dem, was sonst, vom Licht erhellt, Bedeutungslos dem Geist vorbeigeschwunden, Durch die Magie der Dämmerung gefällt, Du weißt es selbst, wie dir's im Busen tagte, Wie, eh dein Herz so bang und sehnsuchtsvoll Der Reizenden sich zu entdecken wagte, Dir jeder Zug in ihrem Antlitz sagte: Sie ist's die einst dich selig machen soll!

Schulze, Vermischte Gedichte, 1820. Episteln

Nordische Kalypso Wo sie die Liebe vergibt und sich vergibt daß sie liebt wird sich die Göttin ergeben – darf ich mein Stück für sie leben. In ihr verschwiegenes Bereich warf mich die Welle herauf um zu erfüllen mein Los: Tod und Liebe sind gleich. Tod und Liebe sind groß. Tod und Liebe stehn auf. Liebe gebietet dem Tod.

Binding, Sieg des Herzens. Gedichte, 1937

Jahre verschwinden wie Tage – wie Augenblicke! o laß uns Jedem Jahre Ewigkeit geben, jeglicher Stunde Was, das keine Zeit, kein Zufall ihr oder Tod raubt! Leben laß uns, zehnfach leben durch Glauben und Liebe! Liebe unsterblich uns macht, unsterblich der Sterblichkeit Tage!

Hufeland (Hg.), Worte des Herzens von J. C. Lavater. Für Freunde der Liebe und des Glaubens, hg. von Christoph Wilhelm Hufeland, 8. Auflage 1852 (EA: 1825)

… Die Torheit nütze Zur Sühne dem Amor als Stab und Stütze, Sie habe ihm immer zur Seite zu schreiten Und jeden seiner Schritte zu leiten.

La Fontaine, Fabeln (Fables choisies, mises en vers par M. de La Fontaine), 1668. Amor und die Torheit

Vorgelesen den Symparanekrômenoi Abgeschworen mag die Liebe immer sein: Liebeszauber wiegt in dieser Höhle Die berauschte, überraschte Seele In Vergessenheit des Schwures ein.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Schattenrisse. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Alle hohe Liebe ist Geniesache, und der größte Genius ist die höchste Verkörperung der Liebe gewesen:L'Amor che muove il sole e l'altre stelle. (Schlusszeile von Dantes Göttlicher Komödie)

Kurz, Im Zeichen des Steinbocks. Aphorismen, 1905

Von dem betörten Sinn läßt sich das Herz betrügen, Liebt ein beglaubtes Nichts und irret mit Vergnügen.

Haller, Versuch von Schweizerischen Gedichten, 1734. Aus: Gedanken über Vernunft, Aberglauben und Unglauben

Der kluge Vogel Läuft ein Bach durch die Au, durch die grüne, grüne Au, steht ein Holderbusch dran, singt ein Vogel dann und wann: Kuckuck, kuckuck. Wollt wissen, ob mein Schatz, o mein lieber, lieber Schatz, einen andern geküßt; rief er schnell, als ob er's wüßt: Kuckuck, kuckuck, kuckuck, kuckuck; und ich lief und lief und lief, bis der Vogel nicht mehr rief.

Falke, Das Leben lebt, 1916

Ja fürwahr! die Liebe, die alle Qualen des Lebens Ueberlebte, sie stirbt nach dem Tode nicht hin. Ewig wirst du leben, mein Geist, in ewiger Liebe. Selbst im Himmel erlischst, lodernde Flamme, du nicht.

Bouterwek, Neue Vesta. Kleine Schriften zur Philosophie des Lebens und zur Beförderung der häuslichen Humanität, hg. von Fr. Bouterwek, 11 Bde., 1803-1810. Bd. 3, 1804. II. Elegien des Camoes. Aus der dritten Elegie

Nichts Unsterblicheres ist im sterblichen Menschen, als Liebe! Schliefe sie Jahre lang, sie erwacht zum lebendigen Leben, Wenn sie der Finger dessen berührt, der sie unserer Brust gab!

Hufeland (Hg.), Worte des Herzens von J. C. Lavater. Für Freunde der Liebe und des Glaubens, hg. von Christoph Wilhelm Hufeland, 8. Auflage 1852 (EA: 1825)

Der Funke der Liebe Der Funke der Liebe, im Herzen geboren, Geht nimmer Dem, der ihn empfunden, verloren, Er glühet und brennt in die Ewigkeit fort; Denn wäre dem Menschen die Kraft nicht gegeben, Zu lieben bis hin ins unsterbliche Leben, So gäb's wahre Liebe nicht hier und nicht dort. Nicht wird er entzündet an rosigen Wangen, Und nicht an dem Feuer des Jugendverlangen, So flüchtigem Dienste ist er nicht geweiht. Und selber die Freude auf schimmerndem Flügel, Sie bringet ihm nicht der Unsterblichkeit Siegel. – Der Funke der Liebe wohnt über der Zeit. Und nicht kann er langsam mit Tagen veralten, Auch nicht an dem Eise der Jahre erkalten, Das andre so heiße Gefühle verwischt. Es mögen auch glühende Thränen erzählen, Daß still sie gebrochen die mildesten Seelen; – Der Funke der Lieb' nicht in Thränen erlischt. Die Asche der Theuren selbst kann ihn nicht decken; Er weiß aus Zerstörung das Leben zu wecken, Und Gräber und Staub hemmen nicht seinen Lauf. Denn so wie der Phönix aus rein'genden Flammen, – Bricht einstens das Erdengerüste zusammen, – So schwingt er sich froh zur Unsterblichkeit auf.

Hahn-Hahn, Gedichte, 1835. Originaltext

Sphinx Und wärst du das teuflische Nixenweib, Das die Seele mir saugt aus dem sehnenden Leib, Mit grausamem Blick im düst'ren Gesicht, – Ich fürchte mich nicht, ich fürchte dich nicht! Und ruhten wir beide so Brust an Brust, Und rissest das Herz du mir aus vor Lust, Ich schaute dich an, ich lachte dich an Und wär' noch im Sterben ein seliger Mann.

Jacobowski, Leuchtende Tage. Neue Gedichte 1896-1898, Minden 1900

Die menschliche Natur ist so anhänglich an die Vorzeit als an die Liebe.

Pestalozzi, Ja oder Nein? Über die Ursachen der Französischen Revolution, 1793

Löwenliebe Als jener junge Schopenhauer am Löwenkäfig in Berlin der gelben Bestien Wollustschauer sah stumm an sich vorüberziehn – da schrieb er auf in seinem Büchlein: »Der Löwe liebt nicht vehement. Von Leidenschaft auch nicht ein Rüchlein; der schwächste Mann scheint mehr potent.« Der Wille macht noch kein Gewitter. Gehirn! Gehirn gehört dazu. Der muskelstarke Eisenritter gibt bald im Frauenschoße Ruh. Du liebst. Und heller noch und wacher fühlt dein Gehirn und denkt dein Herz. Der Phallus ist ein Lustentfacher – du stehst und schwingst dich höhenwärts. Du liebst. Wo andre dumpf versinken, bist du erst tausendfältig da. Laß mich aus tausend Quellen trinken, du Venus Reflectoria –! Berauscht – ach, daß ichs stets so bliebe! Getönt, bewußt, erhöht, gestuft – Das ist die wahre Löwenliebe. Du Raubtierfrau! Es ruft. Es ruft.

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Die Weltbühne, 01.07.1920, Nr. 27 (Theobald Tiger)

Wem nicht die Natur, die heil'ge, Die geheimnißvolle Mutter, Gab das Leben durch die Liebe, Gab das Leben in der Liebe, Dem verweigert auch den Tod sie, Und den schönsten Tod vor Allem, Das Ersterben in der Liebe – Und kein Grab der sel'gen Ruhe, Keine Stätte ew'gen Friedens Hat für ihn das weite Weltall.

Hamerling, Homunculus. Modernes Epos in 10 Gesängen, 1888. Aus: 10. Gesang. Ende ohne Ende. Originaltext

An der Quelle In der zarten Rosenschale Deiner kleinen Elfenhand Perlte die kristallne Welle Einer kühlen, klaren Quelle, Und ich hielt, ein durst'ger Zecher, Den lebendig süßen Becher An der Lippen heißen Rand. Und ich trank in tiefen Zügen – Trank Vergessen alles dessen, Was mein Herz vor dir besessen, Trank Verwehen aller Lügen, Die wie Staub am Kleide kleben, Trank ein seltsames Enteilen Alles Häßlichen, Gemeinen, Trank ein wunderbares Heilen Aller Kain- und Wundenmale, Die das Leben mir gegeben, Trank die Liebe, deine Liebe Gleich der frischen, sternenreinen, Perlenden, kristallnen Welle Einer kühlen, klaren Quelle Aus der zarten Rosenschale Deiner kleinen Elfenhand.

de Nora, Gedichte. Erfüllung, 1916

Die Literatur ergreift von uns Besitz, wenn wir noch ganz jung sind. Lange, ehe wir die Liebe kennen lernen, haben wir über sie gelesen und nachgedacht.

Anet, Männer – Frauen und ... Betrachtungen über die Liebe, übertragen und bearbeitet von Georg Schwarz, 1928. Kapitel 3. Literatur und Liebe

Uralt... Schweig, mein Geliebter; Mund auf Mund Wurden wir groß, wurden wir alt In einem nie gestillten Bund, Alt wie der uralte Wald. Alt wie der Mond, mein Lichtgesicht, Bist du am Himmel tausend Jahr O schmale Sichel aufgericht, Der ich die Ernte war. Alt wie das Meer, die dunkle Saat, Nach dir gereift, sehnsüchtige Flut, Steigt zwischen uns den ewigen Pfad Dunkel das ewige Blut.

Weissmann, M. L., Gedichte

An Apollon Es ist am Abend im April. Der Käfer kriecht ins dichte Moos. Er hatsoAngst – die Weltsogroß! Die Wirbelwinde hadern mit dem Leben, Ich halte meine Hände still ergeben Auf meinem frommbezwungenen Schoß. Ein Engel spielte sanft auf blauen Tasten, Langher verklungene Phantasie. Und alle Bürde meiner Lasten, Verklärte und entschwerte sie. Jäh tut mein sehr verwaistes Herz mir weh – Blutige Fäden spalten seine Stille. Zwei Augen blicken wund durch ihre Marmorhülle In meines pochenden Granates See. Er legte Brand an meines Herzens Lande – Nicht mal sein Götterlächeln Ließ er mir zum Pfande.

Lasker-Schüler, E., Gedichte. Mein blaues Klavier, 1943