Religion Sprüche – klassisch

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Mitten in der Endlichkeit eins werden mit dem Unendlichen und ewig sein in jedem Augenblick, das ist die Unsterblichkeit der Religion.

Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern, 1799. Zweite Rede

Die christlichen Mystiker und die Lehrer der Vedanta-Philosophie treffen auch darin zusammen, daß sie für den, der zur Vollkommenheit gelangt ist, alle äußern Werke und Religionsübungen überflüssig erachten.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Erster Band. Viertes Buch. Der Welt als Wille zweite Betrachtung: Bei erreichter Selbsterkenntnis Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben

Eben die ausgezeichnetesten Menschen bedürfen der Religion am meisten, weil sie die engen Grenzen unseres menschlichen Verstandes am lebhaftesten empfinden.

Eötvös, Gedanken, 2. Ausgabe 1867 (EA: 1864)

Keine Philosophie und keine Moral kann bei der großen Menge jemals die Religion ersetzen.

Schlosser, Weltgeschichte in zusammenhängender Erzählung, 9 Bde., 1815-24

Dir, der Unberührbaren, Ist es nicht benommen, Daß die leicht Verführbaren Traulich zu dir kommen. In die Schwachheit hingerafft, Sind sie schwer zu retten. Wer zerreißt aus eigner Kraft Der Gelüste Ketten? Wie entgleitet schnell der Fuß Schiefem, glattem Boden? Wen betört nicht Blick und Gruß, Schmeichelhafter Odem?

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 5. Akt, Bergschluchten, Dr. Marianus

In dem Felde der Endlichkeit ist die Bestimmung, daß jeder bleibt, was er ist; hat er Böses getan, so ist er böse: das Böse ist in ihm als seine Qualität. Aber schon in der Moral, noch mehr in der Sphäre der Religion wird der Geist als frei gewußt, als affirmativ in sich selbst, so daß diese Schranke an ihm, die bis zum Bösen fortgeht, für die Unendlichkeit des Geistes ein Nichtiges ist: der Geist kann das Geschehene ungeschehen machen; die Handlung bleibt wohl in der Erinnerung, aber der Geist streift sie ab.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, gehalten 1821-31. Dritter Teil. Die absolute Religion. Das Reich des Sohnes

Wo die meiste sogenannte positive Religion war, war immer die wenigste Moralität.

Seume, Apokryphen, 1806/07; erster vollständiger Druck in: Prosaische und poetische Werke, Berlin 1869

Allen Frauen, denen die Sitte und die Scham die Befriedigung des Geschlechtstriebes untersagt, ist die Religion, als eine geistigere Auslösung erotischer Bedürfnisse, etwas Unersetzbares.

Nietzsche, F., Nachgelassene Fragmente. Sommer – Herbst 1882

Wo Gottesfurcht fehlt, muß ein Reich in Verfall geraten, oder es muß durch die Furcht vor einem Fürsten, der den Mangel der Religion ersetzt, aufrechterhalten werden.

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Die wahre Gottesverehrung besteht darin, dass man nach Gottes Willen handelt.

Kant, Über Pädagogik. Bemerkungen aus den über diesen Gegenstand bei der Universität mehrmals gehaltenen Vorträgen, hg. von D. Friedrich Theodor Rink 1803. Von der praktischen Erziehung

Religion in des Griechen Gemüt war sittliche Handlung, aber sie ward Handwerk, schwatzender Pöbel, in dir!

Platen, Gedichte. Ausgabe 1834. Epigramme

Selbst wenn Gott nicht existierte, blieben die Religionen etwas Göttliches.

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Da der menschliche Verstand dazu nicht fähig ist, ist es unnütz, eine andere Erklärung als die traditionelle zu suchen; also heißt es: Rückkehr zur katholischen, apostolischen und römischen Religion. Ich schließe mich ihr an.

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Wer die Religionsquellen studieren will, der reise nicht nach den Sandwichinseln, sondern gehe in seine Kirche.

Chesterton, Heretiker. Eine Kritik der Zeit, übersetzt von Germaine Kolb-Stockley 1912

Selbst die moderne Religion in Europa, die sich auf die Sonntage beschränkt, ist besser als gar keine.

Blavatsky, Die Geheimlehre (The Secret Doctrine), 1888

Gut und schön! In diesen zwei Eigenschaften allein liegt das ganze Material zum Aufbau einer Religion, die menschlich ist und zugleich göttlich.

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Von wohl siebzig Religionen hör ich, die's auf Erden gibt; doch die wahre Religion ist die nur, daß der Mensch dich liebt.

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Als die ersten Kirchen erbaut wurden und die Turmspitzen den Himmel durchstachen, sagte Petrus zu den Engeln: "Da kitzeln sie uns die Fußsohlen, und das nennen die Menschen – Religion!"

Sacks, Kabarett des Lebens, o.J. [1925]

Ein Volk ohne Land und ohne Religion müßte zugrundegehen, wie Anthäus schwebend zwischen Himmel und Erde.

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Die nackte Wahrheit findet selten bei den Menschen Eingang. Deshalb haben die Religionsstifter oder ihre Kommentatoren die erhabensten Wahrheiten mit den abgeschmacktesten Irrtümern verwebt.

Ernsthausen, Gedankenstriche, 1843

Erwarte keine Religion in Zeiten, in denen es leichter ist, einem Heiligen zu begegnen als einem Menschen, und keine Kunst in Zeiten, die die Zahl ihrer Künstler über die ihrer Handwerker hinaus vermehren.

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