Schicksal Sprüche – leben

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Mancher von uns wird sein persönliches Schicksal viel besser verstehen, wenn er es so ansieht: Das Schicksal kann mir keine Zeit lassen, ich muß vorwärts, ich soll dabei sein, wenn Neues hereinbricht.

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Ruhm, Weisheit, Lieb und Macht war mein, Und frische Jugendsinne; Mir gab die Rebe roten Wein, Die Schönheit süße Minne. Am Sonnenlicht der Liebe schmolz Das Herz in tiefen Wonnen; Ich hatt' in königlichem Stolz Das Köstlichste gewonnen. Ich zähl', ob nicht in alter Zeit Ein Tag vorüberschwebte, Den ich um alle Herrlichkeit noch einmal gern erlebte. Wo war der Tag, wo war die Nacht Die ohne Gift beglückte? Wo war ein Kleinod meiner Macht Das mich nicht blutig drückte? Die Schlang' im Felde kann die List Des Zauberkund'gen zähmen, Sie aber, die am Herzen frißt, Wird nie ein Zauber lähmen. Sie lauscht dem Spruch der Weisheit nicht, Kein Lied wird sie verjagen; Da drinnen nistet sie und sticht, – Das Herz muß sie ertragen.

Byron, Hebräische Melodien (Hebrew Melodies), 1815

In dunklen Stunden wird das Ackerland freigelegt, in dem Gottes Saat wachsen kann. Wenn sein Pflug nicht tief greift, wächst nimmer goldenes Korn.

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Unserer Kraft verschafft das Schicksal Spielraum; nur dem Trägen, dem Willenlosen stellt es sich entgegen.

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Des übermächt'gen Schicksals Schläge tragen sich leicht; aber wehe dem, der durch eigene Schuld sein Leben verdirbt.

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Je in einen größern Chor der Harmonie, Güte und Weisheit aber diese meine Mutter gehört, je fester und herrlicher die Gesetze sind, auf der ihr und aller Welten Dasein ruhet, je mehr ich bemerke, daß in ihnen alles aus einem folgt und eins zu allem dienet, desto fester finde ich auch mein Schicksal nicht an den Erdenstaub, sondern an die unsichtbaren Gesetze geknüpft, die den Erdenstaub regieren. Die Kraft, die in mir denkt und wirkt, ist ihrer Natur nach eine so ewige Kraft als jene, die Sonnen und Sterne zusammenhält; ihr Werkzeug kann sich abreiben, die Sphäre ihrer Wirkung kann sich ändern, wie Erden sich abreiben und Sterne ihren Platz ändern; die Gesetze aber, durch die sie da ist und in andern Erscheinungen wiederkommt, ändern sich nie. Ihre Natur ist ewig wie der Verstand Gottes, und die Stützen meines Daseins (nicht meiner körperlichen Erscheinung) sind so fest als die Pfeiler des Weltalls. Denn alles Dasein ist sich gleich, ein unteilbarer Begriff, im Größesten sowohl als im Kleinsten auf einerlei Gesetze gegründet. Der Bau des Weltgebäudes sichert also den Kern meines Daseins, mein inneres Leben, auf Ewigkeiten hin.

Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 4 Bde., 1784-91. Erster Teil. Erstes Buch. I. Unsre Erde ist ein Stern unter Sternen

Ganz nach seines Bildners Willen muß des Lehms Gestalt geraten. Also formt sich auch sein Schicksal selbst der Mensch durch seine Taten.

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Es geschieht zu jeder Zeit etwas Unerwartetes; unter anderem ist auch deshalb das Leben so interessant.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Für den Menschen unserer Zeit gibt es nur noch ein einziges Schicksal: Entwicklung. Magst du's fühlen als bitteres Muß hinter dir oder als lockende Hoffnung vor dir – es bleibt dir, gehört dir zu, unentrinnbar, unverlierbar. Was du sonst alles erleben wirst, auch Not, Krankheit und Tod – das ist alles nur Oberfläche des einen urgewaltigen Werde-Stromes Entwicklung.

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Dem Menschen ist es doch nicht gegeben abzuwenden, was ihm bestimmt ist.

Herodot, Historien. III, 65

Immer wieder kommen wir auf den einen Punkt: in uns selber liegen unsres Schicksals Lose.

Ernst, Zusammenbruch und Glaube, 1922

Ergib dich drein Ergib dich drein, du liebes Menschenkind, daß deine Wege nicht die meinen sind. Es kann nicht Alles so, wie du willst, sein; du bist nicht Herr; ergib dich ruhig drein! Ergib dich drein, und forsch und hadre nicht; tu, was die heilge Stimme in dir spricht. Sie flüstert dir das einzig Richtge ein; sie täuscht dich nicht; ergib dich ruhig drein! Ergib dich drein. Beschwerlich ist der Steg, der deiner harrt, fernab vom breiten Weg. Schlägst du ihn ein, schlägst du ihn gläubig ein, so wird er dir ein Pfad zum Himmel sein!

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Schicksal ist das, was so ist, wie es ist, ohne daß man sagen könnte, warum, und das woran alle Klugheit und Überlegung menschlicher Handlungen nichts ändern kann.

Lü Bu We, Frühling und Herbst des Lü Bu We (Lüshi chunqiu), 239 v. Chr.; übersetzt von Richard Wilhelm 1928. Zweiter Teil. Buch XX - Schï Gün Lan. 3. Kapitel: Erkenntnis der Amtspflichten / Dschï Fen

Größer noch als die »Sinnlosigkeit« des Schicksals ist seine Gerechtigkeit.

Bauer, Christian Morgensterns Leben und Werk, 1933 (Vollendet von Margareta Morgenstern und Rudolf Meyer. Mit Beiträgen von Friedrich Kayssler und anderen)

Es ist eine Sache, sich in sein Los zu schicken, eine andere, sich schicken zu lassen.

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Ich bin der Eimer, den das Schicksal in den Brunnen wirft, um euch herauszuziehen.

Goethe, Lila. Singspiel, 1777. Dritter Aufzug, Lila zu Friedrich

Wenn das Schicksal Macht über einen Menschen gewinnt, so fassen Bosheit und Schwäche Mut, es ist, als ob ein Signal zum Angriff auf ihn gegeben würde.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Was können Schild und Panzerhemd frommen Gegen Geschütze, die vom Schicksal kommen?

Hafis, Der Sänger von Schiras: Hafisische Lieder, übersetzt von Friedrich von Bodenstedt 1877

Wie man es wendet und wie man es nimmt, Alles geschieht, was die Götter bestimmt!

Goethe, Des Epimenides Erwachen, Erstdruck 1815. 1. Akt, 3. Szene, Genien zu Epimenides

Schicksal und sich schicken scheinen mir nicht ohne Bedeutung nahe verwandt. Wie wir uns schicken, so ist unser Schicksal – Sollte dann nicht sein Schicksal leicht und gefällig werden?

Novalis, Schriften, 4 Bde., hg. von Paul Kluckhohn und Richard Samuel, Leipzig 1929

Darauf kommt es dem Schicksal auch nicht an, daß der Mensch das höchste Glück erlebe, sondern darauf, daß er sich vollende und immer mehr die Fesseln des Egoismus und der Mängel, die die Welt der Täuschungen ihm anhängt, abstreife.

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