Seele Sprüche – zeit
90 Sprüche gefunden
Tritt also der Tod den Menschen an: so stirbt, wie es scheint, das Sterbliche an ihm, das Unsterbliche aber und Unvergängliche zieht wohlbehalten ab, dem Tode aus dem Wege.
Es gibt Stunden, wo der Mensch sich seines Willens beraubt fühlt, wo er maschinenmäßig tut, was er nicht zu tun wünscht. Es ist, als ob die Seele sich aus dem Körper entfernt hätte und nun, über ihm schwebend, verwundert zusieht, was er alles beginnt. Der körperliche Mensch ist dann wie ein wildfremdes Wesen, und es ist der Seele wie ein Traum, daß sie dieses automatenhafte Wesen einmal beherrscht hat.
Das Schlimmste ist das verdorbene Beste.
Die scheidende Seele geht am letzten Herbsttag immer zu ihrem Frühling zurück.
Seelenwanderung Wohl tausendmal schon ist er hier Gestorben und wieder geboren, Sowohl als Mensch wie auch als Tier, Mit kurzen und langen Ohren. Jetzt ist er ein armer blinder Mann, Es zittern ihm alle Glieder, Und dennoch, wenn er nur irgend kann, Kommt er noch tausendmal wieder.
Es ist mit des Menschen Gemüt wie mit dem Meere. Hat der Sturm auch ausgetobt, so wogt und brandet es noch lange stärker als sonst und untereinmal schäumt wieder ein nachzügelnder Wellensturz gewaltig auf und jagt die Möwen vom Fels.
Es ist dem Sterblichen selten gegeben, einen Kampf recht auszukämpfen, wie hoch er seine Seele auch heben mag in göttlichen Stunden, hinunter auf die Erde muß sie wieder.
Von allen Heilmitteln der Seele ist die Zeit zwar das wirksamste, aber auch das kostspieligste. Man muß es mit einem unwiederbringlichen Dasein bezahlen.
Wie ein Abschnitt unseres Lebens – ja selbst wie der Hintergrund, auf den dieser Lebensabschnitt gezeichnet ist, uns in der Erinnerung erscheinen soll – das hängt doch schließlich davon ab, ob es in unserer Seele während der Zeit hell oder dunkel ist.
Die Welt ist das Dasein Gottes nicht in ruhiger Weise, sondern so, daß Gott sein Dasein darin stets verbessert, stets aufs neue eine geringere Form desselben durch eine bessere beschämt. Gott ist eigentlich eben diese wunderbare und heilige Unruhe.
Bezüglich unseres Innern können wir es mit der Zeit überall zu einer Stetigkeit, Festigkeit bringen; mit unserem Herzen aber erst dann, wenn unsre Phantasie ihre letzten Farben eingebüßt.
A sè stesso – An sich selbst Ein Fremdling bist du, Ein seltsamer Fremdling, o meine Seele, In diesem Erdengetriebe. Ringsum qualmt Selbstsucht und Hoffart zum Himmel, Laster und Torheit wuchern in üppiger Blüte Und lustig schießen empor die tauben Halme der Eitelkeit. Und siehe: die Welt erträgt es! Sie erträgt es nicht bloß, Sie opfert der Selbstsucht, Beugt sich der Hoffart, Mästet Torheit und Laster Und schmeichelt der Eitelkeit. Aber wehe dir, arme Seele, Wenn zu Tage tritt, Daß auch du staubgeboren, Und einmal dich betreten lässest auf menschlicher Art Und menschlicher Schwäche. Da geifert's sogleich in der Runde! Da predigt die Selbstsucht Entsagung, Die Hoffart Demut, Das Laster Tugend – Und Torheit und Eitelkeit Haben für dich ein Lächeln des Hohnes . . . Fürwahr ein Fremdling bist du, Ein seltsamer Fremdling, o meine Seele, In diesem Erdengetriebe.
Ein Fremdling bist du, Ein seltsamer Fremdling, o meine Seele, In diesem Erdengetriebe.
Die Seele kommt alt zur Welt, aber sie wächst und wird jung. Das ist die Komödie des Lebens. Der Leib kommt jung zur Welt und wird alt. Das ist die Tragödie unseres Daseins.
Der Unsterbliche wird sterblich auf der Erde, und jeder Geist wird ein Mensch!
Jede Seele, sie durchwandelt der Geschöpfe Stufenleiter: Formentauschend, rein und reiner, immer höher, hell und heiter, Lebt sie fort im Wurm, im Frosche, im Vampir, im niedern Sklaven, Dann im Tänzer, im Poet, im Trunkenbold, im edlen Streiter ... Sehet: eine gleiche Reihe Seelenhüllen, Truggestalten Muß der Dichtergeist durchwandeln, stets verklärter, stets befreiter: Und er war im Werden Gaukler, war Vampir und war Brahmane, Leere Formen läßt er leblos und strebt höher, wahrer, weiter ... Aber wissend seines Werdens, hat er werdend auch erschaffen: Hat Gestalten nachgebildet der durchlaufnen Wesensleiter: Den Vampir, den niedern Sklaven, Gaukler, Trunkenbold und Streiter.
Rings um uns Hier der Vogel, dort der Baum – Wie wir neben ihnen leben! Wohl, verstehn uns selber kaum, Doch was mag sich dort begeben! Wieviel Leben uns umflutet, Unaufhörlich, ausgegossen! Wieviel Seele, nur vermutet, Nur gefühlt, doch nie erschlossen!
Die Augen der Seele verlieren durch ein einfaches Naturgesetz ihre Kraft und sterben ab, wenn sie es vorziehen, lieber im Dunkeln als im Lichte zu wandeln.
Jede Gegend nimmt mit der Zeit die Seelen ihrer Einwohner an sich.
Alles, was existiert, dient der Entwicklung der Menschenseele; sobald es aufhört, als in diesem Dienst stehend zu walten, ist es ein Götze.
Wer machte dich so krank? Daß du so krank geworden, Wer hat es denn gemacht? – Kein kühler Hauch aus Norden Und keine Sternennacht. Kein Schatten unter Bäumen, Nicht Glut des Sonnenstrahls, Kein Schlummer und kein Träumen Im Blütenbett des Tals. Kein Trunk vom Felsensteine, Kein Wein aus vollem Glas, Der Baumesfrüchte keine, Nicht Blume und nicht Gras. Daß ich trag' Todeswunden, Das ist der Menschen Tun; Natur ließ mich gesunden, Sie lassen mich nicht ruhn.