Seele Sprüche – zeit

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Ich beugte mich über deinen Schlummer diese Nacht: Wie keusch dein ganzer Leib durchs arme Lager fließt! Da sah ich, gleich einem, der angespannt liest, Sah: Unter dieser Sonne ist alles umsonst gemacht. Das Leben, wie sacht nur wird dies Wunder vollbracht, Maschine, nicht standhafter als die Blume sprießt – O wie der Gedanke mit dem Wahnsinn schließt! Du, Lieber, schlaf, ich bin aus Furcht um dich erwacht. Zu fühlen nur dies endliche Gefühl, das birst! Du atmest wie du einst verhauchen wirst, Geschlossen die Augen, die der Tod ganz so bricht! O Mund, der lächelnd im Traum an den meinen denkt, Bis später ein wüstes andres Lachen ihn verrenkt – Rasch, wach auf, und sagte mir: Die Seele stirbt nicht?

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Das Reifen der Seele ist mehr wert als Glanz und strotzende Kraft, und das Ewige in uns muß sich die Zerstörung zu gute machen, die die Zeit in uns bewirkt.

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Wie Gott alles sieht, selbst aber unsichtbar ist, so ist auch die Seele – das Wesen, unsichtbar, obzwar sie alles ist.

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Die kleinen Begebenheiten gehen spurlos an der Seele vorüber, aber die großen vergißt sie nie! Wehe der Seele, wenn es ungesühnte Sünden sind, denn der Wurm der Reue ist auch unsterblich!

Lüttwitz, Wo ist das Glück? Aphorismen, 1911

Ausgleich Wie des Sees Silberspiegel Leis bei halbbedecktem Himmel Jene mattverhüllte Sonne Schattenblinkend wiederscheint ... Zittert meine Seele sacht – Schwebend zwischen Licht und Dunkel – Und die Blendung ist gebrochen Und die Finsternis versöhnt.

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Diejenigen, welche die Seele vom Körper unterscheiden … besitzen keines von beiden.

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Manche Seele macht uns schauern, Hofft sie, ewig fortzudauern.

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Die Götter sterben – aber der Gott im Menschen, der sich auflehnt gegen das Häßliche, Verderbliche, Gemeine, der stirbt nicht.

Anzengruber, Einfälle und Schlagsätze. Aus dem Nachlaß, in: Gesammelte Werke in zehn Bänden, Bd. 5, 1892

Der Leib ist nur eine Gelegenheit für die Seele.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Zeichen der Seele Ist das noch derselbe Himmel, Der sich über mir gespannt, Als im flackernden Gewimmel Wilder Feuer ich gebrannt? Ist das noch dieselbe Erde, Die mein rascher Fuß betrat, Als mit glühender Gebärde Ich geschleudert Zukunftssaat? Erd' und Himmel sind die gleichen, Und die gleichen Sonnen lohn, Doch die Seele rückt ihr Zeichen In begrenzte Felder schon. Schritt für Schritt wird nun gemessen, Noch im Schwunge geizt die Hand, Rann doch zu viel Korn indessen Auf Morganas Wüstensand ...

Henckell, Buch des Lebens, 1921. Züricher Bilder

Die Seelen kennen keinen Tod; so oft sie ihren Sitz verlassen, nehmen neue Wohnungen sie auf.

Ovid, Metamorphosen, entstanden um 1 oder 3 bis 8 n. Chr

Was im Menschen rein und herrlich ist, bleibt unverwüstlich, und ist ein Kleinod in allen Zeiten.

Stifter, Der Nachsommer. Eine Erzählung, 1857. Dritter Band. 4. Der Rückblick

Das primitive Seelische ist im vollsten Sinne unvergänglich.

Freud, Zeitgemäßes über Krieg und Tod, 1915. I. Die Enttäuschung des Krieges

Einen Arzt hörte ich sagen: die Seele ist ein Papier, das keinen Kurswert hat.

Goncourt, Ideen und Impressionen (Idées et sensations), 1866 (dt. 1904)

Nein, liebe Seele, so lange du auf der Erde bist, hat die Natur Gewalt über dich, du bist ihr anvertraut, sie ist deine Mutter, sie ist dein Leben und deine Kraft.

Sylva, Geflüsterte Worte. Essays und Lyrik, 5 Bde., 1903-1912. Aus: Schönheit

Seelenrast Lagernd unter Busch und Halm Blick' ich in den Abend, Bläulich schwillt des Ackers Qualm, Aug' und Seele labend. Kühle, kühl', o feuchte Flur, Meines Busens Glühen! Löse liebend, o Natur, Alles Lebens Mühen!

Fercher von Steinwand (Kleinfercher), Gedichte

Im Schmuck des Lenzes stehn die Aun, Es trieft die Welt von Maienlust Und Sträuße winden holde Fraun Und Mädchen sich aus Blatt und Blust. Und auch in meiner Brust erstehn Viel tausend Blumen mannigfach; Sie blühen, duften und vergehn … Und keine Seele fragt darnach.

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Leib und Seele Des herrlichsten Leibes Schimmer Verblaßt wie im Herbste das Laub, Doch Seelenadel fällt nimmer Dem Leid und dem Alter zum Raub.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Mondschein. So seltsam scheint mir deine Seele, wie ein Park, durch den ein Zug von Masken flimmert, doch Tanz und ihrer Lauten Melodie verbirgt nur Schmerz, der durch die Masken schimmert. Von Liebe singen sie, bespöttelnd ihr Geschick, doch Mollklang macht das lose Klimpern trüber, es scheint, sie glauben selbst nicht an ihr Glück, und leise rinnt ihr Lied in Mondschein über, in Mondschein, der, sanfttraurig, blass und blank die Vögel träumen lässt hoch in den Bäumen und schluchzen die Fontänen, dass sie schlank und schauernd in die Marmorschalen schäumen.

Zweig (Hg.), Gedichte von Paul Verlaine. Eine Anthologie der besten Übertragungen, hg. von Stefan Zweig 1902. Übers. von Stefan Zweig

Seele und Leib sind nichtDinge, sondernVorgänge.

Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlaß, unter Mitwirkung von Manfred Schröter hg. von Anton Mirko Koktanek, C. H. Beck 1965

Arnheim hatte unterdessen mitgeteilt, dass sich die Welt seit zwei Menschenaltern in der größten Umwälzung befinde: die Seele gehe zu Ende. … Die Seele sei schon seit dem Zerfall der Kirche, also ungefähr im Beginn der bürgerlichen Kultur, in einen Prozess der Einschrumpfung und Alterung geraten.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43