Sterben Sprüche
Sprüche über Sterben
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Es gibt Leute, die dem Geschick folgsam sind; ich bin nicht derartig, und wenn ich für andere gelebt habe, will ich für mich sterben.
Wenn ich gestorben bin Laß mich noch einmal deine Lippen küssen, so Mund an Mund in sehnsuchtsvoller Pein, mein Liebstes du, eh wir uns trennen müssen, will ich noch einmal reich und glücklich sein. Heut glüht dir noch der rote Blütensegen – wohin ist morgen all der Duft und Glanz? Wenn ich gestorben bin – dann wirst du legen still auf mein Grab den weißen Rosenkranz.
Das Flämmchen Der Vater sitzt am Pfühl des einz'gen Kindes, In dessen Leibe Fiebergluten lodern. Er zählt die abgehetzten, irren Pulse. Dann blickt er seufzend durch das offne Fenster. Wehmütig lauscht der Mond im stillen Garten. Ein schlanker, blasser Knabe lehnt am Stamm Der blühnden Linde nah bei dem Springbrunn. Er hält ein zierlich Lämpchen in der Rechten Und bläst mit spitzen Lippen nach der Flamme, Die, waagrecht streichend und vom Dochte fliehend, Unrettbar zu erlöschen droht. Jetzt hemmt Er seinen Hauch und wieder steigt die Flamme. Dann fängt er fühllos abermals sein Spiel an. Der Springbrunn plätschert ängstig, und es schluchzt Vom tauigen Blütenzweig die Nachtigall.
Du stirbst doch nicht so oft, als du den Tod dir wünschtest.
Laß sterben, was sterben will, und schleppe dich mit ihm nicht müde! Du zwingst es doch nicht mehr zum Leben und zu der frohen Freude eines Sommers! Es hat die Kraft nicht mehr, dein Mitleid, deine Liebe dir zu danken, und zerrt dich selber nur in seinen Herbst! Laß sterben drum, was sterben will ... und ohne Klage!
In der Fremde Aus der Heimat hinter den Blitzen rot Da kommen die Wolken her, Aber Vater und Mutter sind lange tot, Es kennt mich dort keiner mehr. Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit, Da ruhe ich auch, und über mir Rauschet die schöne Waldeinsamkeit Und keiner mehr kennt mich auch hier.
Totensonntag 1893 Heute mir und morgen dir! So hört man die Glocken klingen, Wenn wir die Verstorbenen hier Auf den Gottesacker bringen. Aus den Gräbern ruft's herfür: Heute mir und morgen dir! Heute rot und morgen tot! Unser Leben eilt auf Flügeln, Und wir haben's täglich not, Dass wir uns an Andern spiegeln. Wie bald ruft des Herrn Gebot: Heute rot und morgen tot! Mensch, es ist der alte Bund, Und der Tod zählt keine Jahre; Bist du heute noch gesund, Denk an keine Totenbahre! Jedem kommt die letzte Stund', Mensch, das ist der alte Bund! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Ich will sterben, eh' ich sterbe, So wird mir die letzte Not Wenn sie kommt, doch nicht zu herbe. Rüste mich dazu mein Gott! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Selig, wer in Christo stirbt! Denn ihm wird der Tod zum Leben; Der das Leben hier erwirbt, Dem nur wird es dort gegeben. Wer nicht lebet, der verdirbt: Selig, wer in Christo stirbt!
Grabschrift unsres Haushahns An diesem Baume ruht der Haushahn, treu und gut. Er führt' ins achte Jahr der lieben Hennen Schar. Als wackrer Ehemann rührt' er kein Krümchen an, was wir ihm vorgebrockt, bis er die Fraun gelockt. Nun strotzt er nicht mehr im Hofe stolz umher und jagt aus seinem Ort des Nachbarn Hühner fort. Nun schützt er nicht vor Graun im Sturm und Nacht die Fraun. Nun wecket uns nicht früh sein helles Kikeriki. Vor Alter blind und taub, sank er zuletzt in Staub. Sein Kamm, so schön und rot, hing nieder, bleich vom Tod. Hier graben wir ihn ein, wir Kinder, groß und klein, und sagten wehmutsvoll: du guter Hahn, schlaf' wohl!
Die Natur entlässt den Rückkehrenden unbekleidet, wie sie ihn unbekleidet empfängt.
Beim Sterben hat die Gemeinschaft nicht mitzuspielen; dieser Akt ist ein Monolog.
Lernt sterben, sprach im Hospital Ein Mönch zu einem kranken Greise. Was lernen? rief der graue Weise: Man kann es gleich beim erstenmal.
Man stirbt in Glückes Fülle am vergangenen Leid.
Welcher Mann von Talent und Verdienst muß sich nicht von seiner Überflüssigkeit überzeugen, wenn er bedenkt, daß er nach seinem Tode eine Welt zurückläßt, die seinen Verlust nicht empfindet und ihn sofort durch irgendwelchen andern ersetzt.
Also hat sich der Fall schon wieder ereignet? Nein, was 's Jahr Onkel und Tanten sterben müssen, bloß damit alles gut ausgeht –!
Über den Tod kommt jeder leicht hinweg, aber mit dem Sterben ist's eine andere Sache.
Das Letzte, was wir aneinander erleben, ist schließlich doch das Schmerzlichste.
Aber an Sterbebetten ist es doch wie ein Klugwerden, das verachtet und verläßt, was groß dünkt, um zu bewahren, was groß ist.
Die Bäume, die wir gepflanzt haben, die Häuser, die wir gebaut haben, oder die Nachkommen, die wir gezeugt haben, alles dient dazu, das uns mit der Erde verbindende Band enger zu knüpfen und uns den Abschied zu verbittern.