Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

587 Sprüche in dieser Kategorie

Aller Tod in der Natur ist Geburt, und gerade im Sterben erscheint sichtbar die Erhöhung des Lebens.

Fichte, Die Bestimmung des Menschen, 1800. Drittes Buch. Glaube

Vor den Türen Ich habe geklopft an des Reichtums Haus; Man reicht mir 'nen Pfennig zum Fenster heraus. Ich habe geklopft an der Liebe Tür; Da stehen schon fünfzehn andre dafür. Ich klopfte leis an der Ehre Schloß; "Hier tut man nur auf dem Ritter zu Roß." Ich habe gesucht der Arbeit Dach; Da hört' ich drinnen nur Weh und Ach! Ich suchte das Haus der Zufriedenheit; Es kannt' es niemand weit und breit. Nun weiß ich noch ein Häuslein still, Wo ich zuletzt anklopfen will. Zwar wohnt darin schon mancher Gast, Doch ist für viele im Grab noch Rast.

Rückert, Gedichte. Haus und Jahr. Fest- und Trauerklänge

Welch eine Nacht! ihr Götter und Göttinnen! Wie Rosen war das Bett! da hingen wir Zusammen im Feuer und wollten in Wonne zerrinnen! Und aus den Lippen flossen dort und hier, Verirrend sich, unsre Seelen in unsre Seelen! – Lebt wohl ihr Sorgen! wollt ihr mich noch quälen? Ich hab' in diesen entzückenden Sekunden, Wie man mit Wonne sterben kann, empfunden!

Petronius, Satyricon. Übersetzt von Wilhelm Heinse, 1773

Weinend kommt jedermann in dieses Leben, lächelnd soll man in jenes übergehen.

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Der Weg zum Friedhof unterscheidet nicht zwischen Jungen und Alten.

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Auferstehung Wenn einer starb, den du geliebt hienieden, So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe, Daß ernst und still es sich mit dir ergehe Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden. Da fühlst du bald, daß jener, der geschieden, Lebendig dir im Herzen auferstehe; In Luft und Schatten spürst du seine Nähe, Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden. Ja, schöner muß der Tote dich begleiten, Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein, Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten. Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten; Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Drittes Buch. Neue Sonette als Intermezzo

Hörst du, wie um unser Haus Geht der Wind? Wein' dir nicht die Augen aus, Liebes Kind! Wolke, Wind und Herzensgram Bald vergeht, Blauer Himmel wundersam Drüber steht. Weine, weine nicht so sehr! Längst hat Ruh' Eine, die – 's ist lange her – Litt wie du.

Keller, P., Gedichte und Gedanken, 1933

So möcht' ich sterben, selig vor Lust.

Petronius, Satyricon

Ich will ein großes Vielleicht aufsuchen. Laßt den Vorhang fallen, das Stück ist ausgespielt.

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Sind das Leben und der Tod des Sokrates das Leben und der Tod eines Weisen, so sind das Leben und der Tod Christi das Leben und der Tod eines Gottes.

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Der Sterbende ist Gottes Freund.

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Mein Geschlecht fängt mit mir an, das deine hört mit dir auf.

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Gefühl in todesnahen Augenblicken: Alle Menschen sind der Liebe wert.

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Laß mich beizeiten Amen sagen, ehe mir der Teufel einen Querstrich durch mein Gebet macht.

Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig (The Merchant of Venice), Erstdruck 1600

Schätze, die bringst du doch nicht hinab zu des Acherons Fluten, Und in den stygischen Kahn steigst du ja nackt nur, o Tor!

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Wie leicht wird der Gedanke, zu sterben, wenn alle vorangehen, die man liebt.

Stahl, Ein weiblicher Arzt, 1863

Wer nicht eh stirbt, als er stirbt, Der vertirbt, wann er vertirbt.

Logau, Sämmtliche Sinngedichte, 1872 (EA: 1654). Originaltext

Wenn einer geht ins bessere Land, entsteht wohl eine Lücke in der Welt, kleiner oder größer, je nach des Menschen Stand und Bedeutung, aber schnell ist die Lücke zugewachsen in der Welt, schneller noch als das Gras wächst auf dem Grabe. Nur die Lücken in den Herzen wachsen nicht zu; wenn sie aufhören zu bluten, blüht ein freundlicher Gedanke auf, schöner, als je Rosen geblüht auf einem Grabe.

Gotthelf, Uli der Pächter (auch: Ueli der Pächter), 1849

Die Menschen schlafen; wenn sie aber sterben, dann wachen sie auf.

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Sehr ungleich geht's auf Erden zu, Ich heut, der gestern, morgen du.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Meinen tongeformten Becher brach ich gestern Nacht entzwei; Trunken bin ich wohl gewesen, und mir däuchte, einen Schrei Hört' ich durch des Bechers Scherben, die am Boden lagen, schleichen: "Deinesgleichen war ich ehmals; morgen bist du meinesgleichen!"

Chayyam, Strophen des Omar Chiijam, übersetzt von Adolf Friedrich Graf von Schack 1878