Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

587 Sprüche in dieser Kategorie

Der Junge kann sterben, der Alte muss sterben.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unsers Wesens ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu denken ist: die wahre, ursprüngliche Freiheit tritt wieder ein, in diesem Augenblick, welcher, im angegebenen Sinn, als eine restitutio in integrum betrachtet werden kann.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Zweiter Band. Ergänzungen zum vierten Buch. Kapitel 41. Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unsers Wesens an sich

Es ist besser, ein für allemal zu sterben, als in dauernder Erwartung des Todes zu leben.

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Den letzten Tag sollst du nicht fürchten und nicht herbeisehnen.

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Man braucht so gute Gründe zum Leben, daß man keine zum Sterben braucht.

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Ich sterbe. Lasst mich allein.

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Der Sonnen und deß Menschen Untergang Untergehn und nicht vergehn Ist der Sonnen Eigenschafft. Durch des Schöpffers Will und Krafft Stirbt der Mensch zum Aufferstehn.

Logau, Sämmtliche Sinngedichte, 1872 (EA: 1654). Originaltext

Sie haben im Krieg manches von mir gelernt; jetzt sollen Sie auch noch lernen, wie man im Frieden stirbt.

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Man stirbt den Tod, den man verdient.

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Wie sich dies Lied ans Herz mir schmiegt Wie sich dies Lied ans Herz mir schmiegt, Bis leis die Tränen rinnen; Die ganze Frühlingssehnsucht liegt Verführerisch darinnen. Mir ist's, als hätt' auch ich gefühlt Des Liedes Glut und Minne, Als hätt' sein Ton mir aufgewühlt Die junge Kraft der Sinne. Mir ist's, als hätt' mein Lenz gewagt, Dem Lied sich zu vergleichen… Wenn ihr mich einst zu Grabe tragt, Spielt's hinter meiner Leichen. Wenn sich bei seinen Tönen regt Kein Lächeln, keine Gebärde, Ist's Zeit, daß ihr zur Ruh' mich legt Und Erde werft zur Erde. Der Wind, der über Veilchen strich Vom blauen, italischen Meer, Bringt keine Lenzluft dann für mich Und keine Lockung mehr.

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Dryander mit der Komödiantenbande Mich brennts an meinen Reiseschuhn, Fort mit der Zeit zu schreiten – Was wollen wir agieren nun Vor so viel klugen Leuten? Es hebt das Dach sich von dem Haus Und die Kulissen rühren Und strecken sich zum Himmel 'raus, Strom, Wälder musizieren! Und aus den Wolken langt es sacht, Stellt alles durcheinander, Wie sichs kein Autor hat gedacht: Volk, Fürsten und Dryander. Da gehn die einen müde fort, Die andern nahn behende, Das alte Stück, man spielts so fort Und kriegt es nie zu Ende. Und keiner kennt den letzten Akt Von allen, die da spielen, Nur der da droben schlägt den Takt, Weiß, wo das hin will zielen.

Eichendorff, J., Gedichte

Ich sag euch gute Nacht und trete willig ab. Sonst alles ist getan bis an das schwarze Grab.

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An Vaters Sterbebett Ich saß an meines Vaters Sterbebett und sah sein stilles bleiches Angesicht. Im Zimmer dunkelte die Mitternacht. Ein schwacher Schimmer kam vom kleinen Licht. Den Blick nach oben und die Lider zu, so röchelte, der da im Bette lag, und bleich und groß und hehr schien das Gesicht, und einsam, totenstumm war das Gemach. Und ich – ich grub im Rätselgrund: "Wer ist es, der hier stöhnt? – Was schwindet hin? Wer ist, der um den letzten Atem ringt?" Und rang, umnachtet von dem Rätselsinn, Und Tausend - Ungezählte sah'n mich an aus fremden Zügen, die ich Vater nannte, ein ewiger Zug war's, der gestorben war, ewig der eine doch, der herzverwandte. Der Vater und des Vaters Vater war's, der noch im Bilde blickte von der Wand. Und jeder hatte einmal so erschaudernd gegriffen nach des Vaters Sterbehand; und einmal auch im Leben hatte jeder die Hand nach seines Sohnes Liebe ausgestreckt; und alle stummen Trauertränen hatten den finstern Gast, den Tod nicht fortgeschreckt. Du warst es ewig, du, der Ich sich nannte, und der doch immer nur der eine ist, der ewig ruhelos in die Ewigkeit verbannte, und den der Todmann sanft zur Ruhe küßt, damit er fort und fort im Staube schreite, am Rätsel löse und am Schauen webe. Damit er allen Erdentiefen Sinn, damit er tiefsten Gottesgrund erlebe –. Ich bin es, der hier stöhnt und der hier sinnt, ich reiche selbst im Leid mir Liebe zu, ich schloß die Augen längst, – immer weiter führt mich mein Rätsel weg aus ew'ger Ruh'.

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Laß das Jagen Wenn die Wogen unten toben, Menschenwitz zu schanden wird, Weist mit feur'gen Zügen droben Heimwärts dich der Wogen Hirt. Sollst nach keinem andern fragen, Nicht zurückschau'n nach dem Land, Faß das Steuer, laß das Zagen: Aufgerollt hat Gottes Hand Diese Wogen zum Befahren Und die Sterne, dich zu wahren!

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Ich werde eines Tages sterben! Wie? Ich werde sterben, ich, der spricht, ich, der sich fühlt und berührt, ich könnte sterben? Es bereitet mir einige Mühe, das zu glauben: denn schließlich ist nichts natürlicher, als daß die anderen sterben: man sieht es alle Tage: man sieht sie dahingehen und man gewöhnt sich daran; aber selbst sterben? Persönlich sterben? Das ist ein ziemlich starkes Stück.

Maistre, Reise um mein Zimmer (Voyage autour de ma chambre), entstanden 1790, anonym veröffentlicht 1795

Am schönsten stirbt der Zweig, der unter der Schwere seiner eignen Früchte erliegt.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1845

Wer sterben gelernt hat, ist ein freier Mensch.

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Von Geburt an unruhige und ewig sich langweilend, wird er (der Mensch) nur des Lebens nicht überdrüssig; er möchte unaufhörlich leben. Krankheiten und Tod stoßen ihn ab von der Bekanntschaft mit einer anderen Welt. Alle Gewalt der Religion ist dazu erforderlich, ihn zum Nachdenken zu bewegen.

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Es schlägt endlich für jeden Menschen eine ernste Stunde des Erwachens, des stillen Nachdenkens über sich und Gott, die Erinnerung an die unausweichbaren Schicksale der Seele jenseits des Grabes. – Früh oder spät, aber jedem Menschen schlägt diese Stunde endlich, die sein Innerstes tief erschüttert und seinen Geist unwillkürlich bis an die Schwelle des Todes, an das geheimnisvolle Tor der Ewigkeit, rückt.

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Viel tausend Jahr' hat der Himmel gelacht, Bevor man hat an dich gedacht; Die Blumen, sie blühten, die Vögel, sie sangen, Eh' Dir ein Frühling aufgegangen; Von tausend Tagen unendlicher Lust Hast nichts, o Menschenkind, gewußt, Und doch ist's dir nicht eben leid Um jene nicht genoss'ne Zeit. Warum willst du dich nun beklagen, Daß, wenn sie dich zu Grabe tragen, Du wieder von viel tausend Jahren Wirst nichts empfinden und nichts erfahren?

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Sterben müssen wir alle einmal. Unsterbliche gibt es nicht. Man kann die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen.

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