Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

587 Sprüche in dieser Kategorie

Gedächtnisfeier Keine Messe wird man singen, Keinen Kadosch wird man sagen, Nichts gesagt und nichts gesungen Wird an meinen Sterbetagen. Doch vielleicht an solchem Tage, Wenn das Wetter schön und milde, Geht spazieren auf Montmartre Mit Paulinen Frau Mathilde. Mit dem Kranz von Immortellen Kommt sie, mir das Grab zu schmücken, Und sie seufzet: »Pauvre homme!« Feuchte Wehmut in den Blicken. Leider wohn ich viel zu hoch, Und ich habe meiner Süßen Keinen Stuhl hier anzubieten; Ach! sie schwankt mit müden Füßen. Süßes, dickes Kind, du darfst Nicht zu Fuß nach Hause gehen; An dem Barrieregitter Siehst du die Fiaker stehen.

Heine, H., Gedichte. Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen. Lazarus, 12.

Zweimal kann niemand, einmal muss jeder sterben.

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Der baltische Junker Die baltischen Junker aus deutschem Geschlecht, Oft waren es wilde Gesellen, Hochmütig und ehrlich und selbstgerecht, Unfähig, sich schlau zu verstellen. Sie lernten zu wenig und jagten zu viel, Sie lebten zu ungebunden Und saßen so gerne beim Kartenspiel Bis tief in die Abendstunden. Und wußten im Stalle besser Bescheid Als unter Schreibern und Knechten Und waren in allen Gefahren bereit, In erster Reihe zu fechten. Und wenn von bolschewistischem Hund Geleitet zum Richtplatz sie gingen, Dann zog es spöttisch um ihren Mund, Bevor sie die Kugel empfingen. Sie lernten zu wenig, sie lebten zu treu Als ihrer Vorfahren Erben, Doch flüsterten selbst ihre Henker scheu: Sie wissen aufrecht zu sterben! Die Hölle gärt. Aus allen Finsternissen Bäumt sich ihr Widerspruch in steiler Wut, Ohnmächtig fordernd, was sich ganz entrissen. Aus Himmeln aber brandet Rosenfeuerglut! Durch dampfendes Gewölk, sich klar enthüllend, Emporgetürmt ins letzte Ätherblau, Mit unfaßbarem Licht die Räume füllend, Wächst eines Münsters Riesenwunderbau! Heerscharen sel'ger Seraphs Stuf' auf Stufen, Verklärten Leib's palmschwingend, -- jedes Ohr Erfüllt ein Preisen, Klingen, Winken, Rufen, -- Es rauscht, es harst, es drängt, es glänzt empor Und jubelt auf in einem Gottfrohlocken! Durch alle Himmel, sternenweltenweit, Schwingen die Glocken -- die Glocken -- die Glocken Der Ewigkeit!

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Wenn ich einmal sollt scheiden, so scheide nicht von mir…

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Gott schaute in seinen Garten und sah einen freien Platz. Dann schaute er zur Erde hinunter und sah dein müdes Gesicht. Er sah dein Leiden, er sah deine Schmerzen. Er sah, daß dein Weg schwer wurde, daß er zu schwer war, weiter zu gehen. Er schloß deine müden Augen und schenkte dir seinen Frieden. Er legte seinen Arm um deine Schultern und hob dich empor zur Ruhe.

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Sterben ist die letzte Dummheit, die wir begehen.

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Sterben heißt, den Tod am eigenen Leib erfahren.

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Ja wohl ist sie im Schatten [diese Erde]. Aber der Mensch ist höher als sein Ort: er sieht empor und schlägt die Flügel seiner Seele auf, und wenn die sechzig Minuten, die wir sechzig Jahre nennen, ausgeschlagen haben: so erhebt er sich und entzündet sich steigend, und die Asche seines Gefieders fället zurück, und die enthüllte Seele kömmt allein, ohne Erde und rein wie ein Ton, in der Höhe an – – Hier aber sieht er mitten im verdunkelten Leben die Gebirge der künftigen Welt im Morgengolde einer Sonne stehen, die hienieden nicht aufgeht: so erblickt der Einwohner am Nordpol in der langen Nacht, wo keine Sonne mehr aufsteigt, doch um zwölf Uhr ein vergüldendes Morgenrot an den höchsten Bergen, und er denkt an seinen langen Sommer, wo niemals untergeht.

Jean Paul, Leben des Quintus Fixlein, 1796. Mußteil für Mädchen. 2. Der Mond

Im Abendrot Wir sind durch Not und Freude Gegangen Hand in Hand: Vom Wandern ruhen wir beide Nun überm stillen Land. Rings sich die Täler neigen, Es dunkelt schon die Luft, Zwei Lerchen nur noch steigen Nachträumend in den Duft. Tritt her und laß sie schwirren, Bald ist es Schlafenszeit, Daß wir uns nicht verirren In dieser Einsamkeit. O weiter, stiller Friede! So tief im Abendrot, Wie sind wir wandermüde Ist dies etwa der Tod?

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Es kommt sehr viel darauf an, ob man das Leben verlängert oder das Sterben.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 58. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Plurimum enim refert, vitam aliquis extendat an mortem

Nicht der Tod, sondern das Sterben beunruhigt mich.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum). I, 19

Sterben hat nichts mit Gesellschaft zu tun, sondern ist die Handlung eines Individuums. Unter Freunden laßt uns lachen und leben, unter Fremden laßt uns trauern und sterben.

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Während meines Lebens hätte ich nie daran gedacht, daß man so schön und einfach vom Leben scheiden kann und plötzlich nicht mehr krankhaft am Leben hängt. Die Unwissenheit über den Tod ist die Ursache dafür, daß wir so sehr am Leben hängen…

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Man soll vom Leben scheiden wie Odysseus von Nausikaa schied, — mehr segnend als verliebt.

Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886. Viertes Hauptstück. Sprüche und Zwischenspiele

Liebe kann durch absoluten Willen in Religion übergehn. Des höchsten Wesens wird man nur durch Tod wert. (Versöhnungstod.)

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Mystizismen

Von allen, die das dunkle Tor durchquert, - Wie seltsam - keiner ist zurückgekehrt, Die Straße uns zu schildern, die er fuhr, Die zu erforschen jeder einstens fährt.

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Der letzte Kampf Gar manchen Kampf das Leben bringt, Und unermüdlich heißt es streiten, Wenn nur der letzte Kampf gelingt, Dann bleibst du Sieger aller Zeiten.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Man stirbt nicht, wenn man in den Herzen Der Menschen weiterlebt, die man verläßt.

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Er starb Wie einer, der sich auf den Tod geübt, Und warf das Liebste, was er hatte, von sich, Als wär's unnützer Tand.

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Das Leben ist allen Tieren gemein, aber sterben kann nur der Mensch.

Börne, Werke. Historisch-kritische Ausgabe in zwölf Bänden, 1911-13. Aphorismen, 1810; Erstdruck in: Gedenkbuch zur vierten Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst, 1841

Er hatte den Willen zu leben, aber nicht mehr die Kraft.

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