Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

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Wenn in euerer letzten Stunde [...] alles im gebrochenen Geiste abblüht und herabstirbt, Dichten, Denken, Streben, Freuen: so grünt endlich nur noch die Nachtblume des Glaubens fort und stärkt mit Duft im letzten Dunkel.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Neuntes Kapitel. Über den Kinderglauben. § 74

Man ist klinisch tot, wenn die Familie sich weigert, weiterhin die Arztkosten zu bezahlen.

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Im kurzen Abend... (Zweite Fassung) Im kurzen Abend - voll Wind ist die Stunde, Und die Röte so tief und winterlich klein. Unsere Hand, die sich zagend gefunden, Bald wird sie frieren, und einsam sein. Und die Sterne sind hoch in verblassenden Weiten, Wenige erst, auseinandergerückt. Unsere Pfade sind dunkel, und Weiden breiten Ihre Schatten darauf, in Trauer gebückt. Schilf rauschet uns, und die Irrwische scheinen, Die wir ein dunkeles Schicksal erlost. Behüte dein Herz, dann wird es nicht weinen, Unter dem fallenden Jahr ohne Trost. Was dich schmerzet, ich sag es im Bösen. Und uns quälet ein fremdes Wort. Unsere Hände werden im Dunkel sich lösen, Und mein Herz wird sein, wie ein kahler Ort.

Heym, Dichtungen, München 1922. Der Himmel Trauerspiel. Gedichte aus dem Nachlass

Beim Tod meines Bruders Nun danke Gott, die Fahrt ist aus! Du kehrtest heim ins Vaterhaus, froh bist du bei den Deinen, - und ich muß weinen. Du kehrtest heim, stell' hin den Stab, die schwere Bürde, leg' sie ab, zieh aus die Reiseschuhe, nun hast du Ruhe. Dir tat so unsanft diese Welt, vergiß sie unterm Palmenzelt, vergiß sie in der andern; - ich muß noch wandern. Und bring der Mutter Gruß auf Gruß von Ihrem, der noch wandern muß, und sag' ihr, daß sein Lieben ihr treu geblieben. Und sag', sein Kopf sei greis und alt, wohl käm' er gern, wohl käm' er bald: zwei Blumen hab' er im Garten, der müss' er warten.

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Jeden Tag stirbt ein wenig von uns, doch nie stirbt es ganz, bis wir selbst sterben.

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Für das Leben und für das Sterben Vier Dinge gibt es zu werben: Für das Leben ein Haus, ein Kleid und ein Brot Und Gottes Huld für den bitteren Tod.

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Abendempfindung Abend ist's, die Sonne ist verschwunden, Und der Mond strahlt Silberglanz; So entfliehn des Lebens schönste Stunden, Fliehn vorüber wie im Tanz. Bald entflieht des Lebens bunte Szene, Und der Vorhang rollt herab; Aus ist unser Spiel, des Freundes Träne Fließet schon auf unser Grab. Bald vielleicht (mir weht, wie Westwind leise, Eine stille Ahnung zu), Schließ ich dieses Lebens Pilgerreise, Fliege in das Land der Ruh. Werdet ihr dann an meinem Grabe weinen, Trauernd meine Asche sehn, Dann, o Freunde, will ich euch erscheinen Und will himmelauf euch wehn. Schenk auch du ein Tränchen mir Und pflückte mir ein Veilchen auf mein Grab, Und mit deinem seelenvollen Blicke Sieh dann sanft auf mich herab. Weih mir eine Träne, und ach! schäm dich nur nicht, sie mir zu weihn; Oh, sie wird in meinem Diademe Dann die schönste Perle sein!

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In der Tat also [...] trachten die richtig Philosophierenden danach zu sterben, und der Tod ist ihnen unter allen Menschen am wenigsten furchtbar.

Platon, Phaidon, entstanden um 380 v. Chr. 67e. Übersetzt von Friedrich Schleiermacher (1809)

Die Stunde, nach der ich verlangte, ist nun gekommen.

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Aus! Einmal müssen zwei auseinandergehn; einmal will einer den andern nicht mehr verstehn – – einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein – wer ist daran schuld? Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit. Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit. Jedes trägt den andern mit sich herum – etwas bleibt immer zurück. Einmal hat es euch zusammengespült, ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt – Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab –: ein neuer Mensch. Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu. Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du. Jeder sucht seine Zukunft. Und geht nun mit stockendem Fuß, vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß in ein fernes Land.

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Uhu, 01.02.1930, Nr. 5 (Theobald Tiger)

Armes Herz, was klagst du? Oh, auch du gehst einst zur Ruh' Was auf Erden, muß vergehen! - "Gibt es wohl ein Wiedersehen?", fragt das Herz in bangem Schmerz Glaub, daß ich dich wiederseh, tut auch heut das Scheiden weh!

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Bald Es währt noch eine kurze Weile, daß du durch diese Straße gehst hinauf, herab die lange Zeile, und manchmal grüßend stillestehst. Bald wird der ein' und andre sagen: Den Alten sehen wir nicht mehr, er ging an kalt' und warmen Tagen doch hier sein Stündchen hin und her. Es sei! Des Lebens volle Schalen hab ich geneigt an meinen Mund, und auch des Lebens ganze Qualen hab ich geschmeckt bis auf den Grund. Getan ist manches, was ich sollte, nicht spurlos laß' ich meine Bahn; doch manches, was ich sollt' und wollte, wie manches ist noch ungetan! Wohl sinkt sie immer noch zu frühe herab, die wohlbekannte Nacht, doch wer mit aller Sorg und Mühe hat je sein Tagewerk vollbracht! Schau um dich! Sieh die hellen Blicke, der Wangen jugendfrisches Blut, und sage dir: In jede Lücke ergießt sich junge Lebensglut. Es ist gesorgt, brauchst nicht zu sorgen; mach Platz, die Menschheit stirbt nicht aus. Sie feiert ewig neue Morgen, du steige fest ins dunkle Haus!

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Der Mensch wird zu Erde. Der Name wird zu Rauch. Das Ende wird Staub und Asche sein.

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Wenn Du mich empfängst, Wenn Du mir Deine Verzeihung schenkst, Werde ich Frieden haben.

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Im Tode sehen wir edle Menschen oft noch einmal in heißer Liebe aufglühen, wie ein herbstliches Blatt, das sich mit schöner purpurner Röte färbt, bevor es niederfällt.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Nimmt man das Vaterland an den Schuhsohlen mit?

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Mag denn der Aar Vom Fluge lassen, eh' die Schwing' ihm brach?

Geibel, Brunhild. Eine Tragödie, 1857. Vierter Aufzug, 5. Auftritt. Siegfried

Sachte gehe ich, so, wie ich gekommen war; sachte winke ich den Wolken des Abendhimmels zum Abschied. Still gehe ich, .... nehme keine Wolken mit.

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An die Parzen Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen! Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget, dann mir sterbe. Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heil'ge, das am Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen, Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel Mich nicht hinabgeleitet; Einmal Lebt' ich, wie Götter, und mehr bedarf's nicht.

Hölderlin, F., Gedichte. 1784-1800 (1798)

Schicksal, ich folge dir! Und wollt’ ich nicht, ich müsst’ es doch und unter Seufzen tun!

Nietzsche, Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile, 1881

Wenn du nicht weißt, wie du mit dem Tode fertig werden sollst, so braucht dir das keinen Kummer zu machen; die Natur wird es dich zur rechten Zeit lehren, vollständig und ausreichend.

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