Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

587 Sprüche in dieser Kategorie

Saison morteheißt's beim Arzt, wenn niemand sterben will.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Es ist auch deswegen in Ordnung, daß der Mensch endlich stirbt, er soll sich schon deswegen gern darein fügen, weil sich mit der Zeit gar zu viel Sach um ihn ansammelt. Man erfährt das beim Umzug. Nicht nur Bücher, – Briefe, Blätter, Blättchen, Zeitungsnummern, Büchsen, Schachteln, Salben, Pulver, tausend Geräte. ... Mach, geh fort, nimm Abschied auf einmal von all dem Quark!

Vischer, Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft, 2 Bde., 1879

Ich möcht' nicht … Ich möcht' nicht sterben als Journalist [Und blühten mir Bolzens unsterbliche Ehren!] Und bis ans Ende den Tagesmist In dampfende Häuflein zusammenkehren. Ich möcht' nicht sterben als Kapitalist, Die letzte Nacht in der Sorge Krallen: Ob Eisen und Kohle noch sicher ist, Und ob in London die Minen gefallen. Ich möcht' nicht sterben, vom Beifall umtobt Unreifer Gesellen, die mich gelesen, Und heiß von Müller und Schultze gelobt, Weil ich »talentvoll«, wie sie, gewesen. Ich möcht' nicht sterben im Überfluß, Nicht als Gehetzter kommen zur Strecke. Ich möchte sterben an einem Kuß, Geraubt hinter blühender Weißdornhecke. An einem Kuß, von Lippen getauscht, Die schauernd im ersten Maiwind erschlossen, Auf die, die alle meine Träume berauscht, Der Lenz seine seligsten Freuden gegossen. Ich möchte sterben, wie einer schied, Den hatten die seligen Götter gerne: Die Hand am Humpen, im Herzen ein Lied Und im brechenden Blick die ewigen Sterne.

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Einmal stürbe man nur? Man stirbt, wie man lebt, nur in den Seinen. Tod des Feundes, nur dich nenn' ich den schrecklichen Tod.

Bouterwek, Neue Vesta. Kleine Schriften zur Philosophie des Lebens und zur Beförderung der häuslichen Humanität, hg. von Fr. Bouterwek, 11 Bde., 1803-1810

Fürchte dich nicht, du stirbst nur, um zu leben.

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Ja, lerne zeitig begreifen, dass Dein ganzes Leben Dich vorbereiten muss, den Tod zu bestehen.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Lieder Mein ganzes Sein Ist eine Wunde! Gedenkst du mein Zu dieser Stunde? Fühlst du den Kuß, Den ich die sende? Den Abschiedsgruß Vor nahem Ende? Und ahnst du, sprich! Die Glut der Seele, Mit der ich dich Dem Herrn empfehle? Und weißt du auch, Was ich singe, Ein Opferhauch, Den ich dir bringe? In wilder Pein Flammt meine Wunde! Gedenkst du mein Zu dieser Stunde?

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Wer geboren wird, schreit; wer stirbt, betet.

Oesch (Hg.), Russische Sprichwörter. Ausgewählt und übersetzt von Will A. Oesch, Zürich 1945

Ein wundersames Wort das Einst: Es weist auf das, was war, zurück, Und wenn du um Verlornes weinst, Verheißt es dir zukünft'ges Glück. Einst war's um dich, in dir so licht, Dann kam das Voneinandergehn; Doch sei getrost, verzage nicht: Einst kommt ein schönes Wiedersehn.

Wagner, Tage und Worte. Gesammelte Reisesprüche für die Wanderung durch das Leben, 1903

Ich will kein ander Wort um meinen Leichstein haben Als dies: der Kern ist weg, die Schalen sind vergraben.

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Es stirbt nur das Elend, nicht der Mensch.

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Es geht oft so schwer zu sagen: ich bin bereit.

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Der Morgen O sieh den Morgen lächelnd sich entschleiern, O sieh den Turm, wie er von Strahlen glüht. Horch! Wie dem Ruhm die Freude, zieht Des jungen Tages ersten Feuern Entgegen schon der Wälder erstes Lied. Ja, lächle nur bei all dem Schönen. Dieselbe Sonne leuchtet deinen Tränen, Wenn morgen mich der dunkle Sarg verschlingt. Ob meinem Grabe von denselben Tönen Erschallt der Wald, davon er heute klingt? Dann aber wird die Seele selig schweben Im Grenzenlosen über Raum und Zeit. Im Morgenrot der Ewigkeit Wird man erwachen einst vom Leben, Gleichwie aus wüster Traumgesichte Streit.

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Der Himmel ist geöffnet über mir, Und eine Stimme, solchen Wohllauts voll, Wie niemals ihn ein Erdenkind vernahm, Der ewgen Liebe und der Allmacht Stimme Vereint zu einem wundersamen Klang, Ruft laut aus lichten Höhen: »Komm – o komm!« Ich aber steh auf einem uferlosen, In Eisesfrost erstarrten Ozean; Da grünt kein Baum, da wellen keine Hügel, Da ragt kein Bergesgipfel wolkennah; Die Sehnsucht flammt, doch hebt sie nicht empor, Und Flügel – Flügel – hat mir Gott versagt.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Strebenheißt leben: vertausche zwei Buchstaben, es genügt, dass alles sich ins Gegenteil fügt:sterben.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Letzte Bitte Du sagst mir kalt, ich soll dich meiden, Weil ich zu hoffen nichts mehr habe – Ich fühl' es längst und will auch scheiden, Doch bitt' ich noch um eine Gabe. Gib mir dein Bild! In seine Züge Will dichten ich ein Herz hinein, Und durch der Dichtung holde Lüge Doch in der Ferne glücklich sein.

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Der Pfropfen springt, in Wehmut sei geweiht Das erste Glas und seine duftge Blume Der früh entschwundnen frohen Jugendzeit, Dem still geträumten, nie erfüllten Ruhme. Das zweite Glas dir, holdes Frauenbild, Und meiner Liebe unerloschnen Gluten, Ich sehe dich, du lächelst freundlich mild Entgegen mir aus diesen goldnen Fluten. Das letzte Glas trink ich mir selber zu, Um keine Hoffnung hab ich mehr zu werben, Ein rasches Ende, eine lange Ruh . . . Die Flasche leer – es liegt das Glas in Scherben.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916. Anmerkung von Marie von Ebner-Eschenbach: Dieses Gedicht hat Louise von François unter den Papieren ihres verstorbenen älteren Bruders, den sie sehr liebhatte und von dem sie oft sprach, gefunden. Sie vermutete, es sei von ihm.

Zum Leben stärkt Klugheit, zum Sterben Weisheit.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Wißt ihr, wo sind die Myriaden, Die waren, seit die Erde steht? Hat sie ein Gott zu sich geladen? Hat eine Windsbraut sie verweht? Ich kann nicht fordern noch ein Leben, Ein Paradies noch nach dem Tod. Was hab ich dieser Welt gegeben? Nichts gegen das, was sie mir bot. Ich kann nur stehn in stummer Wehmut Und, wenn mein Geist vom Leib sich trennt, Erwarten nur in tiefer Demut, Ob Gott ihn noch als Geist erkennt.

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Von Natur aus weiß der Mensch standhaft zu leiden und stirbt in Frieden. Die Ärzte mit ihren Verordnungen, die Philosophen mit ihren Lehrsätzen, die Priester mit ihren Ermahnungen entmutigen sein Herz und machen, daß er das Sterben verlernt.

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Ach! Welch schrecklicher Gedanke, daß wir sterben müssen und welch ewiges Wunder, daß wir das immer wieder vergessen können!

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