Sterben Sprüche – trauerkarte
170 Sprüche gefunden
Mit jedem Menschen stirbt eine Welt.
Friedhöfe sind schweigende Gärten.
Wenn meine Kräfte brechen, Ich kaum noch atmen kann Und kann kein Wort mehr sprechen: Herr nimm mein Seufzen an!
Was die Erde mir geliehen, Fordert sie schon jetzt zurück. Naht sich, mir vom Leib zu ziehen Sanft entwindend Stück für Stück. Um so mehr, als ich gelitten, Um so schöner ward die Welt. Seltsam, daß, was ich erstritten, Sachte aus der Hand mir fällt. Um so leichter, als ich werde, Um so schwerer trag' ich mich. Kannst du mich, du feuchte Erde, Nicht entbehren? Frag ich dich. "Nein ich kann dich nicht entbehren, Muß aus dir ein' andern bauen, Muß mit dir ein' andern nähren, Soll sich auch die Welt anschauen. Doch getröste dich in Ruh'. Auch der andre, der bist du."
Der frühe Tod. Weine nicht o Mutter, daß ich zu frühe gestorben; kurzes Leben ist ja kurzes verschwundenes Leid.
Den Sterbenden ist die Musik verschwistert, sie ist der erste süße Laut vom fernen Jenseits, und die Muse des Gesanges ist die mystische Schwester, die zum Himmel zeigt.
Todeserfahrung Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund, Bewunderung und Liebe oder Haß dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund tragischer Klage wunderlich entstellt. Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen. Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen, spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt. Doch als du gingst, da brach in diese Bühne ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt, durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne, wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald. Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes hersagend und Gebärden dann und wann aufhebend; aber dein von uns entferntes, aus unserm Stück entrücktes Dasein kann uns manchmal überkommen, wie ein Wissen von jener Wirklichkeit sich niedersenkend, sodaß wir eine Weile hingerissen das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.
Es war zu früh, nicht zu verstehen, es ist nicht gerecht und doch geschehen.
Der Tod, diese erhabene Abendröte unsers Thomastages, dieses herübergesprochene große Amen unserer Hoffnung, würde sich wie ein schöner, bekränzter Riese vor unser tiefes Lager stellen und uns allmächtig in den Äther heben und darin wiegen, würden nicht in seine gigantischen Arme nur zerbrochene, betäubte Menschen geworfen; nur die Krankheit nimmt dem Sterben seinen Glanz, und die mit Blut und Tränen und Schollen beschwerten und befleckten Schwingen des aufsteigenden Geistes hangen zerbrochen auf den Boden nieder.
Es ist ungerecht, von einer niedergeschlagenen und durch den Ansturm eines furchtbaren Übels besiegten Seele zu verlangen, sie solle dieselbe Kraft aufbringen wie ein ruhiges Leben. Überrascht es, dass ein Kranker weder gehen, noch wachen, noch sich aufrechterhalten kann? Wäre es nicht weit seltsamer, wenn er noch selber wäre, wie in gesunden Tagen? Wenn wir Kopfschmerzen gehabt und schlecht geschlafen haben, entschuldigt man an einem solchen Tag unsere Unfähigkeit zu jeglicher Arbeit gerne, und niemand verdächtigt uns des steten Unfleißes. Dürfen wir einem Sterbenden das Vorrecht verweigern, das wir einem, der an Kopfschmerzen leidet, zugestehen? Dürfen wir wagen, zu behaupten, er hätte in gesunden Tagen niemals Mut besessen, wenn er im Todeskampf keinen an den Tag legte?
Wenn ich sterbe, sterben alle anderen.
Wenn ich tot bin In der Truhe liegt ein weißes Kleid und ein grünes Kränzlein dicht daneben – meine Mutter hat es mir gegeben, meine Mutter tut mir gar so leid. "Trag' mein lebelang kein Festgewand, nie wird mich die Myrtenkrone schmücken" – Ging die alte Frau Zypressen pflücken, drückte sie mir weinend in die Hand. Meine Mutter bracht' es fast ins Grab, daß die Leute so verächtlich taten, weil der Herzgeliebte mich verraten, unserm Kinde keinen Namen gab. "Wenn ich tot bin, Mutter, nimm das Kleid und das Myrtenkränzlein aus der Truhe, tu mir ab die schweren Wanderschuhe, lege mir den Hochzeitsstaat bereit. Bald, ich fühl's ist meine Zeit dahin – liebe Mutter, darfst nicht um mich klagen – wenn die Leute kommen nach mir fragen, sag' – daß ich bei meinem Kinde bin…"
Geht nun hin und grabt mein Grab! Denn ich bin des Wanderns müde. Von der Erde scheid' ich ab; Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh' Von den Engeln droben zu. Geht nun hin und grabt mein Grab! Meinen Lauf hab' ich vollendet, Lebe nun den Wanderstab Hin, wo alles Ird'sche endet, Lege selbst mich nun hinein In das Bette sonder Pein. Was soll ich hienieden noch In dem dunkeln Thale machen? Denn wie mächtig, stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand vergehn, Wenn die Winde drüber wehn. Darum, Erde, fahre wohl, Laß mich nun in Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden selber Leiden, Deine Schönheit Unbestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. Darum, letzte gute Nacht, Sonn' und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit Eurer Pracht; Denn ich reis' in weite Ferne, Reise hin zu jenem Glanz, Drinnen ihr verschwindet ganz. Die ihr nun in Trauer geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, Tröstet ja des Herrn Gemeinde. Weint nicht ob dem eiteln Schein! Ew'ges kann nur droben sein. Weinet nicht, daß ich nun will Von der Welt den Abschied nehmen, Daß ich aus dem Irrthum will Aus den Schatten, aus den Schemen, Aus dem Eiteln, aus dem Nichts Hin ins Land des ew'gen Lichts! Weinet nicht! mein süßes Heil, Meinen Heiland hab' ich funden, Und ich habe auch mein Theil In den heil'gen Todeswunden, Woraus einst sein theures Blut Floß der ganzen Welt zu gut. Weint nicht! mein Erlöser lebt; Hoch vom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoffnung schwebt, Und der Himmelsheld, der Glaube; Und die ew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht!
Sterben ist kein Kinderspiel.
Ganz leise spüren wir dich in unseren Herzen. Dann geht es uns gut. So wie es uns gut ging, als dein Lachen uns wärmte.
Auf dem Schwarzwald Die Wolken ziehen vom Mittag her, weißleuchtende Segel in blauem Meer. Wie alte Tempelsäulen stehn ernstgraue Felsen; im Windeswehn darüber wallend ein grüner Kranz, und um sie im schimmernden, flimmernden Glanz, wie reiches Geschmeide, rotblühende Heide. Doch im Dämmern des Waldes in moosiger Kluft von Tannennadeln ein schauernder Duft; ein Lichtstrahl, der verloren irrt, ein plätschernder Quell, ein Tauber girrt; verhallend stößt der kreisende Weih fernher aus den Lüften klagenden Schrei hoch über den Zweigen; sonst tiefes Schweigen. Im Gerank und Gestein ein Pfad noch kaum, nur einsame Wildnis im Mittagstraum. Da schillert es auf wie ein spiegelnder Bach, aus silbernen Schindeln ein glitzerndes Dach, eine letzte Behausung, weithin allein und verlassen im zitternden Sonnenschein; nur Rispen und Ranken lispeln und schwanken. Kein Laut; weit offen das graue Tor, zwei winzige Geschöpfchen nur knien davor; ein Büblein, ein Mägdlein, zusammengeschmiegt, barfüßig, barhäuptig. So reglos liegt auf den Knien das Pärchen. Ein Hauch bewegt ihm das flächserne Haar; aneinander gelegt hält stumm es nach oben die Hände gehoben. Ist's zum Mittagsgebet? Kein Herdrauch steigt vom Dachfirst auf, und alles schweigt. Durchs Stubenfenster nur schimmert es hell: Ein Linnen, gespreitet auf niedrem Gestell, ein Kopf, heraufgebettet am Rand, ein weißes Gesicht; eine reglose Hand hält licht wie von Golde eine Blütendolde. Wie Silber rieselt's vom glimmernden Dach; die Mutter liegt tot im dumpfen Gemach, der Vater stieg zum Kirchhof hinab in der Mittagsrast und bestellt ein Grab; tief drunten klirrt sein Schritt durchs Gestein, gleichmäßig. Die Kinder blieben allein, die Hände faltend und Totenwacht haltend.
Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst In einem angenehmen Herbst, bey ganz entwölktem heiterm Wetter, Indem ich im verdünnten Schatten, bald Blätter-loser Bäume, geh', Und des so schön gefärbten Laubes annoch vorhandnen Rest beseh'; Befällt mich schnell ein sanfter Regen, von selbst herabgesunkner Blätter. Ein reges Schweben füllt die Luft. Es zirkelt, schwärmt' und drehte sich Ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer; doch selten im geraden Strich. Es schien die Luft, sich zu bemühn, den Schmuck, der sie bisher gezieret, So lang es möglich, zu behalten, und hindert' ihren schnellen Fall. Hiedurch ward ihre leichte Last, im weiten Luft-Kreis überall, In kleinen Zirkelchen bewegt, in sanften Wirbeln umgeführet, Bevor ein jedes seinen Zweck, und seiner Mutter Schooß, berühret; Um sie, bevor sie aufgelöst, und sich dem Sichtlichen entrücken, Mit Decken, die weit schöner noch, als persianische, zu schmücken. Ich hatte diesem sanften Sinken, der Blätter lieblichem Gewühl, Und dem dadurch, in heitrer Luft, erregten angenehmen Spiel, Der bunten Tropfen schwebendem, im lindem Fall formiertem, Drehn, Mit offnem Aug', und ernstem Denken, nun eine Zeitlang zugesehn; Als ihr von dem geliebten Baum freywilligs Scheiden (da durch Wind, Durch Regen, durch den scharfen Nord, sie nicht herabgestreifet sind; Nein, willig ihren Sitz verlassen, in ihren ungezwungnen Fällen) Nach ernstem Denken, mich bewog, sie mir zum Bilde vorzustellen, Von einem wohlgeführten Alter, und sanftem Sterben; Die hingegen, Die, durch der Stürme strengen Hauch, durch scharfen Frost, durch schwehren Regen ihren Zweigen abgestreift und abgerissen, kommen mir, Wie Menschen, die durch Krieg und Brand und Stahl gewaltsam fallen, für. Wie glücklich, dacht' ich, sind die Menschen, die den freywillgen Blättern gleichen, Und, wenn sie ihres Lebens Ziel, in sanfter Ruh' und Fried', erreichen; Der Ordnung der Natur zufolge, gelassen scheiden, und erbleichen!
Immer für alle dagewesen. Immer das Beste gewollt. Immer das Beste gegeben. Wir haben heute das Beste verloren.
Als Gott sah, daß der Weg zu lang, der Hügel zu steil, das Atmen zu schwer wurde, legte er seinen Arm um dich und sprach: "Komm heim."
Gedächtnisfeier Keine Messe wird man singen, Keinen Kadosch wird man sagen, Nichts gesagt und nichts gesungen Wird an meinen Sterbetagen. Doch vielleicht an solchem Tage, Wenn das Wetter schön und milde, Geht spazieren auf Montmartre Mit Paulinen Frau Mathilde. Mit dem Kranz von Immortellen Kommt sie, mir das Grab zu schmücken, Und sie seufzet: »Pauvre homme!« Feuchte Wehmut in den Blicken. Leider wohn ich viel zu hoch, Und ich habe meiner Süßen Keinen Stuhl hier anzubieten; Ach! sie schwankt mit müden Füßen. Süßes, dickes Kind, du darfst Nicht zu Fuß nach Hause gehen; An dem Barrieregitter Siehst du die Fiaker stehen.
Gott schaute in seinen Garten und sah einen freien Platz. Dann schaute er zur Erde hinunter und sah dein müdes Gesicht. Er sah dein Leiden, er sah deine Schmerzen. Er sah, daß dein Weg schwer wurde, daß er zu schwer war, weiter zu gehen. Er schloß deine müden Augen und schenkte dir seinen Frieden. Er legte seinen Arm um deine Schultern und hob dich empor zur Ruhe.