Sterben Sprüche – trauerkarte

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Wie leicht wird der Gedanke, zu sterben, wenn alle vorangehen, die man liebt.

Stahl, Ein weiblicher Arzt, 1863

Wenn einer geht ins bessere Land, entsteht wohl eine Lücke in der Welt, kleiner oder größer, je nach des Menschen Stand und Bedeutung, aber schnell ist die Lücke zugewachsen in der Welt, schneller noch als das Gras wächst auf dem Grabe. Nur die Lücken in den Herzen wachsen nicht zu; wenn sie aufhören zu bluten, blüht ein freundlicher Gedanke auf, schöner, als je Rosen geblüht auf einem Grabe.

Gotthelf, Uli der Pächter (auch: Ueli der Pächter), 1849

Der Bruder stirbt nicht, sondern sein Elend.

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Man fängt seine Testamente gewöhnlich damit an, daß man seine Seele Gott empfiehlt. Ich unterlasse dieses mit Fleiß, weil ich glaube, daß solche Rekommendationen wenig fruchten, wenn sie nicht durch das ganze Leben vorausgegangen sind, solche Rekommendationen sind Galgenbekehrungen; eben so leicht als unwirksam.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. [L 227]

Unmittelbar Du glatter Mann mit dem geistlichen Kleid, Ich bitte dich, lass' mich im Sterben in Ruh. Ruf' ich zu Gott in meinem Leid, So brauch' ich keinen Vermittler dazu.

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Denke zuweilen darüber nach: wer wird wohl einst deinem Sarge folgen? Wer wird wohl einst geneigt sein, für dein Grab einen Kranz zu winden?

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Jeder Tod muß mit dem Leben aus einem Stück sein. Das Sterben macht uns nicht zu andern Menschen. Ich erkläre mir den Tod eines Menschen beständig aus seinem Leben.

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Wenn ich gestorben bin Laß mich noch einmal deine Lippen küssen, so Mund an Mund in sehnsuchtsvoller Pein, mein Liebstes du, eh wir uns trennen müssen, will ich noch einmal reich und glücklich sein. Heut glüht dir noch der rote Blütensegen – wohin ist morgen all der Duft und Glanz? Wenn ich gestorben bin – dann wirst du legen still auf mein Grab den weißen Rosenkranz.

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Das Flämmchen Der Vater sitzt am Pfühl des einz'gen Kindes, In dessen Leibe Fiebergluten lodern. Er zählt die abgehetzten, irren Pulse. Dann blickt er seufzend durch das offne Fenster. Wehmütig lauscht der Mond im stillen Garten. Ein schlanker, blasser Knabe lehnt am Stamm Der blühnden Linde nah bei dem Springbrunn. Er hält ein zierlich Lämpchen in der Rechten Und bläst mit spitzen Lippen nach der Flamme, Die, waagrecht streichend und vom Dochte fliehend, Unrettbar zu erlöschen droht. Jetzt hemmt Er seinen Hauch und wieder steigt die Flamme. Dann fängt er fühllos abermals sein Spiel an. Der Springbrunn plätschert ängstig, und es schluchzt Vom tauigen Blütenzweig die Nachtigall.

Frey, Gedichte

Laß sterben, was sterben will, und schleppe dich mit ihm nicht müde! Du zwingst es doch nicht mehr zum Leben und zu der frohen Freude eines Sommers! Es hat die Kraft nicht mehr, dein Mitleid, deine Liebe dir zu danken, und zerrt dich selber nur in seinen Herbst! Laß sterben drum, was sterben will ... und ohne Klage!

Flaischlen, Von Alltag und Sonne. Gedichte in Prosa, 1897

In der Fremde Aus der Heimat hinter den Blitzen rot Da kommen die Wolken her, Aber Vater und Mutter sind lange tot, Es kennt mich dort keiner mehr. Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit, Da ruhe ich auch, und über mir Rauschet die schöne Waldeinsamkeit Und keiner mehr kennt mich auch hier.

Eichendorff, J., Gedichte

Totensonntag 1893 Heute mir und morgen dir! So hört man die Glocken klingen, Wenn wir die Verstorbenen hier Auf den Gottesacker bringen. Aus den Gräbern ruft's herfür: Heute mir und morgen dir! Heute rot und morgen tot! Unser Leben eilt auf Flügeln, Und wir haben's täglich not, Dass wir uns an Andern spiegeln. Wie bald ruft des Herrn Gebot: Heute rot und morgen tot! Mensch, es ist der alte Bund, Und der Tod zählt keine Jahre; Bist du heute noch gesund, Denk an keine Totenbahre! Jedem kommt die letzte Stund', Mensch, das ist der alte Bund! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Ich will sterben, eh' ich sterbe, So wird mir die letzte Not Wenn sie kommt, doch nicht zu herbe. Rüste mich dazu mein Gott! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Selig, wer in Christo stirbt! Denn ihm wird der Tod zum Leben; Der das Leben hier erwirbt, Dem nur wird es dort gegeben. Wer nicht lebet, der verdirbt: Selig, wer in Christo stirbt!

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Grabschrift unsres Haushahns An diesem Baume ruht der Haushahn, treu und gut. Er führt' ins achte Jahr der lieben Hennen Schar. Als wackrer Ehemann rührt' er kein Krümchen an, was wir ihm vorgebrockt, bis er die Fraun gelockt. Nun strotzt er nicht mehr im Hofe stolz umher und jagt aus seinem Ort des Nachbarn Hühner fort. Nun schützt er nicht vor Graun im Sturm und Nacht die Fraun. Nun wecket uns nicht früh sein helles Kikeriki. Vor Alter blind und taub, sank er zuletzt in Staub. Sein Kamm, so schön und rot, hing nieder, bleich vom Tod. Hier graben wir ihn ein, wir Kinder, groß und klein, und sagten wehmutsvoll: du guter Hahn, schlaf' wohl!

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Beim Sterben hat die Gemeinschaft nicht mitzuspielen; dieser Akt ist ein Monolog.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum)

Man stirbt in Glückes Fülle am vergangenen Leid.

France, Aufruhr der Engel (La révolte des anges), 1914 (dt. 1917)

Welcher Mann von Talent und Verdienst muß sich nicht von seiner Überflüssigkeit überzeugen, wenn er bedenkt, daß er nach seinem Tode eine Welt zurückläßt, die seinen Verlust nicht empfindet und ihn sofort durch irgendwelchen andern ersetzt.

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Über den Tod kommt jeder leicht hinweg, aber mit dem Sterben ist's eine andere Sache.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Das Letzte, was wir aneinander erleben, ist schließlich doch das Schmerzlichste.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1906

Ob Himmel dich, ob Hölle einst umschließt? Zur Richtschnur sei dir dies empfohlen: Wenn eine Träne dir beim Sterben fließt, Dem Klugen wird's eine Lehre sein.

Roderich, In Gedanken. Vers-Aphorismen, 1907

Beim Sterben verstellt sich niemand, noch ist jemand arm.

Oesch (Hg.), Portugiesische Sprichwörter, ausgewählt und übersetzt von Will A. Oesch, Zürich 1945

Ob nachts auch thränenfeucht dein Pfühl, Und heiß die ruhelosen Lider, Einst wirst du schlummern sanft und kühl, Und keine Sorge weckt dich wieder. Vergehe nicht in Angst und Qual, Es eilt die Stunde, dich zu retten; Vier Bretter nur braucht's dünn und schmal, Ein müdes Menschenherz zu betten. Und du auch findest eine Hand, Die Augen sanft dir zuzudrücken, Mit einer Blume, einem Band Dir Deinen Sarg noch auszuschmücken. Der Tod bring Ruhe deinem Harm, Die dir das Leben nie vergönnte; Halt aus: es ist kein Mensch so arm, Daß er nicht endlich sterben könnte.

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