Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Man schmeichelt sich ins Leben hinein, aber das Leben schmeichelt uns nicht.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 2. Teil, 7. Kap., Gehülfe zu Ottilie

Wird nur erst der Himmel heiter, Tausend zählt ihr, und noch weiter.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Gott, Gemüt und die Welt

Gedenke zu leben.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 8. Buch, 5. Kap.

Wähntest du etwa, Ich sollte das Leben hassen, In Wüsten fliehen, Weil nicht alle Blütenträume reiften?

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Aus: Prometheus

Jedes Existierende ist ein Analogon alles Existierenden; daher erscheint uns das Dasein immer zu gleicher Zeit gesondert und verknüpft.

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821; erweitert 1829. 2. Buch, 11. Kap.

Sind wir ja eben deshalb da, um das Vergängliche unvergänglich zu machen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus: Kunst und Altertum. Dritten Bandes erstes Heft, 1821

Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 1. Akt, Anmutige Gegend. Faust zu Ariel

Daß ich für alle fossilen Gegenstände seit geraumer Zeit eine besondere Vorliebe gehegt, ist Ihnen nicht verborgen geblieben.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Bernhard Cotta, 15. März 1832

Warum treibt sich das Volk so und schreit? Es will sich ernähren, Kinder zeugen und die nähren, so gut es vermag. Merke dir, Reisender, das, und tue zu Hause desgleichen! Weiter bringt es kein Mensch, stell' er sich, wie er auch will.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Epigramme. Venedig 1790

Hätt' ich gezaudert zu werden, Bis man mir's Leben gegönnt, Ich wäre noch nicht auf Erden, Wie ihr begreifen könnt, Wenn ihr seht, wie sie sich gebärden, Die, um etwas zu scheinen, Mich gerne möchten verneinen.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 5

Sind uns die kurzen bunten Lumpen zu mißgönnen, die ein jugendlicher Mut, eine angefrischte Phantasie um unsers Lebens arme Blöße hängen mag? Wenn ihr das Leben gar zu ernsthaft nehmt, was ist denn dran? Wenn uns der Morgen nicht zu neuen Freuden weckt, am Abend uns keine Lust zu hoffen übrig bleibt, ist's wohl des An- und Ausziehens wert?

Goethe, Egmont, 1788. 2. Akt, Egmont zum Sekretär

Der ganze Strudel strebt nach oben; Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Walpurgisnacht, Mephistopheles zu Faust

Wer einen Stein nicht allein erheben mag, der soll ihn auch selbander liegen lassen.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Friedrich Wilhelm Riemer, 13. Juni 1807

Auch das Leben verlangt ruhige Blätter im Kranz.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Elegien 2. Der neue Pausias und sein Blumenmädchen. Sie

Perfektibilität Möcht' ich doch wohl besser sein, Als ich bin! Was wär' es! Soll ich aber besser sein, Als du bist, so lehr' es! Möcht' ich auch wohl besser sein Als so mancher andre! »Willst du besser sein als wir, Lieber Freund, so wandre.«

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Epigrammatisch.

Des Menschen Leben ist mühselig, doch überwiegt das Leben alles, wenn die Liebe in der Schale liegt.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 1786

Selige Sehnsucht Sagt es niemand, nur den Weisen, Weil die Menge gleich verhöhnet, Das Lebend'ge will ich preisen, Das nach Flammentod sich sehnet. In der Liebesnächte Kühlung, Die dich zeugte, wo du zeugtest, Überfällt dich fremde Fühlung, Wenn die stille Kerze leuchtet. Nicht mehr bleibest du umfangen In der Finsternis Beschattung, Und dich reißet neu Verlangen Auf zu höherer Begattung. Keine Ferne macht dich schwierig, Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du, Schmetterling, verbrannt. Und solang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde.

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan, 1814-1819. Buch des Sängers

Unser ganzes Kunststück besteht darin, daß wir unsere Existenz aufgeben, um zu existieren.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft, 1826

Wer sich nicht nach der Decke streckt, Dem bleiben die Füße unbedeckt.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Sprichwörtlich

Leben ist ein großes Fest, Wenn sich's nicht berechnen läßt.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Gesellige Lieder. Aus >Frühlingsorakel<

Alles, was geschieht, ist Symbol.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Ernst Schubarth, 2. April 1818