Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Man ist nur eigentlich lebendig, wenn man sich des Wohlwollens andrer freut.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus: Wilhelm Meisters Wanderjahren. Betrachtungen im Sinne der Wanderer

Betrübe dich nicht über das was außer dir vorgeht! Die Menschen sind nicht anders gegen einander, im Großen wie im Kleinen.

Goethe, J. W., Briefe. An Christiane Vulpius, 5. August 1798

Schreitet ins Leben zurück! Nehmet den heiligen Ernst mit hinaus, denn der Ernst, der heilige, macht allein das Leben zur Ewigkeit.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 8. Buch, 8. Kap., 4 Jünglinge singend

Diese Begierde, die Pyramide meines Daseins, deren Basis mir angegeben und gegründet ist, so hoch als möglich in die Luft zu spitzen, überwiegt alles andere und läßt kaum augenblickliches Vergessen zu.

Goethe, J. W., Briefe. An Lavater, im September 1780

Ein kleiner Ring Begrenzt unser Leben, Und viele Geschlechter Reihen sich dauernd An ihres Daseins Unendliche Kette.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Vermischte Gedichte. Aus: Grenzen der Menschheit

Nur das Lebendige hält Gabe der Göttlichen fest.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Weissagungen des Bakis, ca. 1885

Das Leben ist so kurz, und das Gute wirkt so langsam.

Goethe, Die Aufgeregten. Politisches Drama in fünf Akten. Fragment, entstanden 1793, Erstdruck 1817. Vierter Aufzug, siebter Auftritt. Gräfin

Das Lebendige ist zwar in Elemente zerlegt, aber man kann es aus diesen nicht wieder zusammenstellen und beleben.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Zur Morphologie, 1817. Die Absicht eingeleitet

Es kommt nicht darauf an, daß die Freunde zusammenkommen, sondern darauf, daß sie übereinstimmen.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Kanzler Friedrich von Müller, 14. April 1830

Das sicherste Mittel, ein freundschaftliches Verhältnis zu hegen und zu erhalten, finde ich darin, daß man sich wechselweise mitteile, was man tut. Denn die Menschen treffen viel mehr zusammen in dem, was sie tun, als in dem, was sie denken.

Goethe, J. W., Briefe. An Siegmund Aug. Wolfg. Herder, Dezember 1798

Ich weiß, du bist mein Freund, wenn du mich kennst: Und eines solchen Freunds bedurft' ich lange.

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 2. Akt, 3. Szene, Tasso zu Antonio

Einen kritischen Freund an der Seite, kommt man immer schneller vom Fleck.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Ludwig von Knebel, 31. Dezember 1798

(28. Aug. 1771) . . . die kleinen Gefälligkeiten der Freundschaft, die tausendmal werter sind als jene blendenden Geschenke, wodurch uns die Eitelkeit des Gebers erniedrigt.

Goethe, Die Leiden des jungen Werther, 1774; hier in der zweiten Fassung von 1787. 1. Buch

Ohne Aufopferung läßt sich keine Freundschaft denken.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 8. Buch, 4. Kap., Wilhelm zu Jarno

Der Lebende bedenke, Wenn auch der Tag ihm mault, Daß er den Freunden schenke, Was nie und nimmer fault.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Zahme Xenien 5

Allein der Mensch besitzt noch manches, womit er seinen Freunden beistehen kann, das eben nicht klingende Münze zu sein braucht.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 4. Buch, 8. Kap., Wilhelm zu Philine

Kein edler Freund Hält den Mitgefang'nen, Der flieh'n kann, zurück. Der Gedanke Von des Freundes Freiheit Ist ihm Freiheit Im Kerker.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Aus: 3. Ode an meinen Freund

Drei Dinge werden nicht eher erkannt als zu gewisser Zeit: Ein Held im Kriege, Ein weiser Mann im Zorn, Ein Freund in der Not.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Skizziertes. Zweifelhaftes. Unvollständiges

Freundschaft kann sich bloß praktisch erzeugen, praktisch Dauer gewinnen. Neigung, ja sogar Liebe, hilft alles nichts zur Freundschaft. Die wahre, die tätige, produktive, besteht darin, daß wir gleichen Schritt im Leben halten, daß der Freund meine Zwecke billigt, ich die seinigen, und daß wir so unverrückt zusammen fortgehen, wie auch sonst die Differenz unserer Denk- und Lebensweise sein möge.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Schriften zu Literatur und Theater, 1771-1807

Allein bei Freunden läßt man frei sich gehn, Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt Sich eine Laune, ungezähmter wirkt Die Leidenschaft, und so verletzen wir Am ersten die, die wir am zartsten lieben.

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 3. Akt, 4. Szene, Antonio zu Leonore

Es ist so schwer, im Freunde sich verdammen.

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 3. Akt, 2. Auftritt, Prinzessin