Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Ich hab' es öfters rühmen hören, Ein Komödiant könnt' einen Pfarrer lehren.

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Nacht, Wagner zu Faust

Der Humor ist eins der Elemente des Genies, aber sobald er vorwaltet, nur ein Surrogat desselben; er begleitet die abnehmende Kunst, zerstört, vernichtet sie zuletzt.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 1. Bandes 3. Heft. 1818, Naivität und Humor

Meine Wahl Ich liebe mir den heitern Mann Am meisten unter meinen Gästen! Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, Der ist gewiß nicht von den Besten.

Goethe, J. W., Gedichte. Gemäß Benno Rüttenauer: Goethes Reimsprüche, Kap. 4

Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichem Wege.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 1. Teil, 15. Kap., Eduard zu Ottilie

Wer Wein verlangt, der keltre reife Trauben.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 1. Akt, Kaiserliche Pfalz, Astrolog zum Kaiser

Tüchtiger, tätiger Mann, verdiene dir und erwarte von den Großen – Gnade, von den Mächtigen – Gunst, von Tätigen und Guten – Förderung, von der Menge – Neigung, von dem Einzelnen – Liebe!

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Betrachtungen im Sinne der Wanderer

Es ließe sich alles trefflich schlichten, Könnte man die Sachen zweimal verrichten.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Sprichwörtlich

Wollt ihr wissen, woher ich's hab', Mein Haus und Hab'? Hab' allerlei Pfiff ersonnen, Es mit Müh', Schweiß und Angst gewonnen.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese, aus: Ein Reicher

Wer in dem immerfort dauernden Streben begriffen ist die Sachen in sich und nicht, wie unsere lieben Landsleute, sich nur in den Sachen zu sehen, der muß immer vorwärts kommen, indem er seine Kenntnißfähigkeit vermehrt und mehrere und bessere Dinge in sich aufnehmen kann.

Goethe, J. W., Briefe. An Heinrich Meyer, 3. März 1796

Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurücke! So bleibt es.

Goethe, Hermann und Dorothea. Versepos, 1797. Thalia. Die Bürge. Vater zu Frau und Apotheker

Denken Sie immer: daß wir nur eigentlich für uns selbst arbeiten. Kann das jemand in der Folge gefallen oder dienen, so ist es auch gut. Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst.

Goethe, J. W., Briefe. An Johann Heinrich Meyer, 8. Februar 1796

Auf Dörfern sieht's ganz anders aus, Da treibt die liebe Not Die Jungen auf das Feld hinaus Nach Arbeit und nach Brot. Wer von der Arbeit müde, Läßt gern den Mädchen Friede.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Kinderverstand

Säen ist nicht so beschwerlich als ernten.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus den Wahlverwandtschaften, 1809. Aus Ottiliens Tagebuche

Ich bin gesund und kann arbeiten. Was verlang' ich mehr.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Friedrich Zelter, 23. Juni 1813

Gebt mir zu tun! Das sind reiche Gaben! Das Herz kann nicht ruhn, Will zu schaffen haben.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Sprichwörtliches

Die Thätigkeit ist, was den Menschen glücklich macht; Die, erst das Gute schaffend, bald ein Übel selbst Durch göttlich wirkende Gewalt in Gutes kehrt.

Goethe, Palaeophron und Neoterpe. Ein Festspiel zur Feier des 24. Oktober 1800, 1800

Die Arbeit macht den Gesellen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 3. Bandes 1. Heft. 1821, Eigenes und Angeeignetes in Sprüchen

Alles, was wir treiben und tun, ist ein Abmüden; wohl dem, der nicht müde wird!

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft, 1826

Wer es nicht glauben will, der gehe seinen Weg, auch der gelingt zuweilen; ich aber sage: von unten hinauf zu dienen, ist überall nötig. Sich auf ein Handwerk zu beschränken, ist das Beste.

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821; erweitert 1829. 1. Buch, 4. Kap.

Wer tätig sein will und muß, hat nur das Gehörige des Augenblicks zu bedenken, und so kommt er ohne Weitläufigkeit durch. Das ist der Vorteil der Frauen, wenn sie ihn verstehen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben

Tu nur das Rechte in deinen Sachen; Das andre wird sich von selber machen.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Sprichwörtliches