Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Die Bauernarbeit macht dich groß.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 1. Akt, Szene: Kaiserliche Pfalz

Gar mancher hat sich ernst beflissen Und hatte dennoch schlechten Lohn.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Zahme Xenien, Kap. 8, Axiom

Wenn man es genau besieht, so ist es ganz einerlei, an welchen Gegenständen man seine Tätigkeit üben, an welchen man seinen Scharfsinn versuchen mag.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Friedrich Wilhelm Riemer, 26. September 1809

Man soll nur seine Arbeiten so gut und so mannigfaltig machen als man kann, damit sich jeder etwas auslese und auf seine Weise daran Theil nehme.

Goethe, J. W., Briefe. An Friedrich Schiller, 6. Januar 1798

Wer freudig tut und sich des Getanen freut, ist glücklich.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass, Erstdrucke ab 1833. Nachlese

Erwin: Auf dem Land und in der Stadt Hat man eitel Plagen! Muß ums Bißchen, was man hat, Sich mitm Nachbarn schlagen. Rings auf Gottes Erde weit Ist nur Hunger, Kummer, Neid, Dich hinauszutreiben. Bernardo: Erdennot ist keine Not, Als dem Feig' und Matten. Arbeit schafft dir täglich Brot, Dach und Fach und Schatten. Rings, wo Gottes Sonne scheint, Findst ein Mädchen, findst einen Freund, Laß uns immer bleiben!

Goethe, Erwin und Elmire, 1774/75

Wenn das, was der Mensch besitzt, von großem Wert ist, so muß man demjenigen, was er tut und leistet, noch einen größern zuschreiben.

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821; erweitert 1829. 3. Buch, 9. Kapitel

Der zur Tätigkeit geborene Mensch übernimmt sich im Planen und überladet sich mit Arbeiten.

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 1811, 3. Teil, 11. Buch

Man muß einzeln versuchen was im Ganzen unmöglich werden möchte.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Ludwig von Knebel, 16. Juli 1798

Wie das Gestirn, ohne Hast, aber ohne Rast, drehe sich jeder um die eigne Last.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Zahme Xenien, Kap. 2

Demut Seh' ich die Werke der Meister an, So seh' ich das, was sie getan; Betracht' ich meine Siebensachen, Seh' ich, was ich hätt' sollen machen.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Epigrammatisch

Was nun die Menschen gesetzt haben, das will nicht passen, es mag recht oder unrecht sein; was aber die Götter setzten, das ist immer am Platz, recht oder unrecht.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus: Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Aus Makariens Archiv

Wenn Sie glauben, sich richtig zu beurteilen, so würde ich raten, eine Tätigkeit aufzugeben, die Ihnen keine Befriedigung gewähren will.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Johann Christian Lobe, Mitte Juli 1820

Bei jedem redlichen, ernstlichen Handeln, wenn auch anfangs Zweck und Beruf zweifelhaft scheinen sollten, finden sich beide zuletzt klar und erfüllt.

Goethe, Dem Menschen wie den Tieren ist ein Zwischenknochen der obern Kinnlade zuzuschreiben, 1786

Ein geschäftiges Weib tut keine Schritte vergebens.

Goethe, Hermann und Dorothea. Versepos, 1797. Euterpe. Mutter und Sohn. Erzähler

Nein, laß mir das Geschäft in Ehren! Es ist ein Balsam für das Herz: Nicht töten will es und zerstören, Es glänzt nicht, fliegt nicht sonnenwärts; Doch liegt, ich darf es wohl berühren, In Staub von Akten und Papieren Gar wunderbare Zauberkraft, Zu sänftigen die Leidenschaft.

Goethe, Zu Schillers und Ifflands Andenken. Nachspiel zu den Hagestolzen, 1815. Sternberg

Wenn man etwas voran bringen will, muß man sich knapp zusammennehmen und sich wenig um das kümmern was andere tun.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Friedrich von Müller, 30. März 1831. Originaltext

Die Funktion ist das Dasein, in Tätigkeit gedacht.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Skizziertes. Zweifelhaftes. Unvollständiges

Alles, worein der Mensch sich ernstlich einläßt, ist ein Unendliches, nur durch wetteifernde Tätigkeit weiß er sich dagegen zu helfen ...

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821; erweitert 1829. 3. Buch, 3. Kapitel

Doch man wendet seine Zeit immer gut auf eine Arbeit die uns täglich einen Fortschritt in der Ausbildung abnöthigt.

Goethe, J. W., Briefe. An Friedrich Schiller, 10. Februar 1798. Originaltext

Für die vorzüglichste Frau wird diejenige gehalten, welche ihren Kindern den Vater, wenn er abgeht, zu ersetzen imstande wäre.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Aus Makariens Archiv