Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Die Hoffnung hilft uns leben.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 9. April 1782

Sage nicht, daß du geben willst, sondern gib! Die Hoffnung befriedigst du nie.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlaß. Über Literatur und Leben

Hoffnung Schaff das Tagwerk meiner Hände, Hohes Glück, daß ich's vollende! Laß, o laß mich nicht ermatten! Nein, es sind nicht leere Träume: Jetzt nur Stangen, diese Bäume Geben einst noch Frucht und Schatten.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Lieder

O Jüngling, sei weise, verwein' nicht vergebens Die fröhlichsten Stunden des traurigen Lebens, Wenn flatterhaft je dich ein Mädchen vergißt. Geh, ruf sie zurücke, die vorigen Zeiten! Es küßt sich so süße der Busen der zweiten, Als kaum sich der Busen der ersten geküßt.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Unbeständigkeit

Wir hoffen immer, und in allen Dingen Ist besser hoffen als verzweifeln. Denn Wer kann das Mögliche berechnen?

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 3. Akt, 4. Szene, Antonio zu Leonore

Du hast uns oft im Traum gesehen Zusammen zum Altare gehen, So dich als Frau und mich als Mann.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Das Glück

Ein guter Mensch verspricht durch seine Gegenwart nur immer zu viel! Das Vertrauen, das er hervorlockt, die Neigung, die er einflößt, die Hoffnungen, die er erregt, sind unendlich; er wird und bleibt ein Schuldner, ohne es zu wissen.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 7. Buch, 8. Kap., Madame Melina zu Wilhelm

Hoffnung breitet lichte Schleier Nebelhaft vor unsern Blick: Wunscherfüllung, Sonnenfeier, Wolkenteilung bring'n uns Glück.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Chines.-deutsche Jahres- und Tageszeiten, aus [1. Zeile]: Zieh'n die Schafe von . . .

Die Hoffnung wie die Furcht sind zwei leere Wesen.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Friedrich Zelter, 30. Oktober 1809

Wer im Frieden Wünschet sich Krieg zurück, Der ist geschieden Vom Hoffnungsglück.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 5. Akt, Bergschluchten, Chor seliger Knaben

Im Gedränge hier auf Erden Kann nicht jeder, was er will; Was nicht ist, es kann noch werden, Hüte dich und bleibe still.

Goethe, Des Epimenides Erwachen, Erstdruck 1815. 1. Akt, 15. Szene, Dämon der Unterdrückung zur Hoffnung

Hoffnung bleibt mit dem Leben vermählt.

Goethe, J. W., Gedichte. Aus: Achilleis, entst. 1797–99, veröff. 1808

Hoffnung! O der süße einzige Balsam des Lebens bezaubert oft meine Seele.

Goethe, Clavigo, 1774. 4. Akt, Marie zur Schwester Sophie

Der Lebende soll hoffen.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 4. Akt, Hochgebirg, Mephistopheles zu Faust

In die Nähe soll man nicht hoffen, aber in die Ferne.

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821; erweitert 1829. 3. Buch, 13. Kapitel

Ich besänft'ge mein Herz, mit süßer Hoffnung ihm schmeichelnd: Eng ist das Leben fürwahr, aber die Hoffnung ist weit.

Goethe, J. W., Gedichte

Hoffnung beschwingt Gedanken, Liebe Hoffnung.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Lyrisches. Aus einem Stammbuch von 1604

Die Hoffnung, ein altes Glück wiederherzustellen, flammt immer einmal wieder in dem Menschen auf.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 2. Teil, 15. Kap.

Jede Hoffnung ist eigentlich eine gute Tat.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Kanzler Friedrich von Müller, 26. Januar 1825

Da steh' ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Nacht, Faust mit sich allein

In der Jugend bald die Vorzüge des Alters gewahr zu werden, im Alter die Vorzüge der Jugend zu erhalten, beides ist nur ein Glück.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben