Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Was fruchtbar ist, allein ist wahr.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Gott und die Welt. Aus: Vermächtnis

Das Wahre war schon längst gefunden, Hat edle Geisterschaft verbunden; Das alte Wahre, faß es an!

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Gott und Welt. Aus ›Vermächtnis‹

Das Erste und Letzte, was vom Genie gefordert wird, ist Wahrheitsliebe.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 6. Bandes 1. Heft, 1827

Es ist nicht immer nötig, daß das Wahre sich verkörpere; schon genug, wenn es geistig umherschwebt und Übereinstimmung bewirkt; wenn es wie Glockenton ernstfreundlich durch die Lüfte wogt.

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821; erweitert 1829. 2. Buch, 11. Kap.

Es ist nichts so groß als das Wahre, und das kleinste Wahre ist groß.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 8. Juni 1787

Das Absurde, Falsche läßt sich jedermann gefallen: denn es schleicht sich ein; das Wahre, Derbe nicht: denn es schließt aus.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben

Das Wahre, Gute und Vortreffliche ist einfach.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass, Erstdrucke ab 1833. Hier nach der Anordnung von Max Hecker. Literatur und Leben

Das Falsche hat den Vorteil, daß man immer darüber schwätzen kann; das Wahre muß gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Betrachtungen im Sinne der Wanderer

Auch eine schädliche Wahrheit ist nützlich, weil sie nur Augenblicke schädlich seyn kann und alsdann zu andern Wahrheiten führt, die immer nützlich und sehr nützlich werden müßen und umgekehrt ist ein nützlicher Irrthum schädlich, weil er es nur augenblicklich seyn kann und in andre Irrthümer verleitet die immer schädlicher werden.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 8. Juni 1787

Aber die Kreise des Wahren berühren sich unmittelbar; aber in den Intermundien hat der Irrtum Raum genug, sich zu ergehen und zu walten.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Natur und Naturwissenschaft

Kenne ich mein Verhältnis zu mir selbst und zur Außenwelt, so heiß' ich's Wahrheit. Und so kann jeder seine eigene Wahrheit haben, und es ist doch immer dieselbige.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 4. Bandes 2. Heft, 1823. Eigenes und Angeeignetes

Man darf das Wahre nur wunderlich sagen, so scheint zuletzt das Wunderliche auch wahr.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 2. Teil, 7. Kap., Charlotte zum Gehülfen

Der Irrtum wiederholt sich immerfort in der Tat, deswegen muß man das Wahre unermüdlich in Worten wiederholen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft, 1826. Einzelnes

Die größten Wahrheiten widersprechen oft geradezu den Sinnen, ja fast immer.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Friedrich von Müller, 26. Februar 1832

Es ist vieles wahr, was sich nicht berechnen läßt, sowie sehr vieles, was sich nicht bis zum entschiedenen Experiment bringen läßt.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren. Aus Makariens Archiv

Ich bin für alles zu alt, nur fürs Wahre nicht.

Goethe, J. W., Briefe. An Friedrich Constantin von Stein, 1787

Ans Wahre wie ans Falsche sind notwendige Bedingungen des Daseins gebunden.

Goethe, J. W., Naturwissenschaftliche Schriften. Materialien zur Geschichte der Farbenlehre. 4. Abteilung. Sechzehntes Jahrhundert. Alchimisten. Zwischenbetrachtung

Zum Ergreifen der Wahrheit braucht es ein viel höheres Organ als zur Verteidigung des Irrtums.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Natur und Naturwissenschaft

Ich helfe mir zuletzt mit Wahrheit aus: Der schlechteste Behelf! Die Not ist groß.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 1. Akt, Mephistopheles

Da ich nicht reich bin, bring ich dir viel in der Seele mit.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 2. Dezember 1786

Die Hauptsache ist, daß man eine Seele habe, die das Wahre liebt und die es aufnimmt, wo sie es findet.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Johann Peter Eckermann, 16. Dezember 1828