Alter Sprüche – zeit

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Vor manchen, manchen Jahren, als ich zuerst dich sah, war eine Locke rabenschwarz, braun deine Wange da. Jetzt ist die Wange blässer, wie Silber glänzt dein Haar, und dennoch bist du lieber mir, ja lieber, als mir der Jüngling war. Des Lebens schroffe Hügel erstiegen Hand in Hand wir, wie es Wind und Wetter gab. hin über Fels und Sand; jetzt ist der Abend milder, wir steigen sanft hinab, und dort am Fluß erwartet uns zusammen ein Brautgemach, das Grab.

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Runzeln – Schützengräben der Haut.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Der Mann am Spiegel, in: Die Weltbühne, 10.01.1928, Nr. 2 (Kaspar Hauser), wieder in: Das Lächeln der Mona Lisa, 1928

Manchmal ergreift das Altern zuerst den Körper, manchmal aber auch den Geist.

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Man spricht viel von der Erfahrung des Alters. Das Alter nimmt uns die Torheit und Fehler der Jugend, aber es gibt uns nichts.

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Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht zu jeder Wahrheit.

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Erster Teil. Die Reden Zarathustras, 1883. Vom freien Tode

Jugend hat viel Herrlichkeit, Alter Seufzen viel und Leid.

Eschenbach, Parzival, 1200-1210

Warum denk' ich: die tiefsten Schmerzensstriche auf unserer Stirn, die Runzeln des Lebens sind nur kleine Linien aus dem ungeheuern Bauriß, den der Weltgeist zieht, unbekümmert, welche Stirnen und Freuden seine Glückslinie schmerzhaft durchschneide?

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Vierter Band. 29. Jobelperiode. 114. Zykel

Bleich steht das Feld und reif das Korn, das gelbe, Ganz so wie einst, und doch nicht ganz dasselbe, Ganz so wie einst, Tal, Feld, des Weges Borden, Und doch und doch: Wie viel so fremd geworden! Wie schön der Wald! O, wie bekannt mich schauen Die Wiesen an, die Fluren und die Auen! Und doch und doch! Wie ganz mit andern Mienen, Als hätt' ich nichts zu suchen mehr bei ihnen!

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Wer nicht alt werden will, muß früh sterben.

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Es gibt ein Alter, in dem man Sorgen hat, versäumte Sünden nachzuholen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Alter ist nur geehrt unter der Bedingung, dass es sich selbst verteidigt, seine Rechte behält, sich niemandem unterordnet und bis zum letzten Atemzug die eigene Domäne beherrscht.

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Die schnellste Art, alt zu werden, ist, neue Ideen urteilslos von der Hand zu weisen.

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Die zeigen Ekel der verblühten Rose, Die vor der Knospe knieten.

Shakespeare, Antonius und Cleopatra, Erstdruck 1623

Die Blumen der Freude im Herbst des Alters geruchlos; des Frühlings in der Jugend vielleicht giftig, die der Mitte recht.

Jean Paul, Vorläufige Gedanken, entstanden 1816 (posthum veröffentlicht). VII. Leiden, Alter, Sterben, Tod, Trauer, Sohn

Die grauen Haare und die Runzeln geben dir also keinen hinlänglichen Grund zu glauben, es habe irgend einer lange gelebt: nicht lange gelebt hat er, er ist nur lange dagewesen.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 7. Kapitel. Übers. Otto Apelt (1923) Originaltext: Non est itaque quod quemquam propter canos aut rugas putes diu vixisse: non ille diu vixit, sed diu fuit

Alt zu werden unter jugendlichen Völkern, scheint mir eine Lust, doch alt zu werden, da wo alles alt ist, scheint mir schlimmer, denn alles.

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Zweiter Band. Zweites Buch. Hyperion an Bellarmin

Das ist des Alters Los auf Erden, daß alle Rechte zu Pflichten werden.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Das Alter wird geizig und sucht Geld, bloß weil es die kühnen Ideale der Jugend nicht mehr hat, und seine Kräfte ausgesprochen und nun nichts weiter braucht, als Ruhe, die ihm Geld am besten gewährt.

Förster (Hg.), Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul Friedrich Richter. Zur Feier seines hundertjährigen Geburtstages, 4 Bde., 1863

Bei einem langen Alter kann an uns leicht wieder einrosten, was ein ganzes Leben mit Mühe blank gearbeitet hatte.

Rothe, Stille Stunden. Aphorismen aus Richard Rothe's handschriftlichem Nachlaß, 1872

Alte Kuh gar leicht vergisst, Dass sie ein Kalb gewesen ist.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Die Jugend kann auf spät're Zeit vertrau'n, Allein das weiße Haar wird nicht mehr braun; Stets enger wird der Platz, zu dem du eilst, Je länger du auf dieser Erde weilst.

Firdausi, Heldensagen, übersetzt von Adolf Friedrich von Schack 1865. I, 3. Seim und Tur senden eine Botschaft an Feridun