Charakter Sprüche – mut

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Mir ist in allen Geschäften und Lebensverwickelungen das Absolute meines Charakters sehr zu statten gekommen; ich konnte Vierteljahre lang schweigen und dulden, wie ein Hund, aber meinen Zweck immer festhalten; trat ich dann mit der Ausführung hervor, so drängte ich unbedingt mit aller Kraft zum Ziele, mochte fallen rechts oder links, was da wollte.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Friedrich von Müller und Friedrich Wilhelm Riemer, 31. März 1823

Charakter: die Summe der Tendenzen, in einer bestimmten Weise zu handeln.

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Wer zum Kriechen bestimmt ist, der kann nicht fliegen.

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Und so wäre es wohl das Beste, sich nicht zu bekümmern, was andere tun, sondern immerfort zu suchen, wie weit man es selbst bringen kann.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Friedrich Zelter, 20. Oktober 1831

Die Standhaftigkeit besteht darin, daß man sich dem Unglück entgegenstellt!

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Es gibt ebensowenige Menschen, die den Mut haben, groß im Guten, als groß im Bösen zu sein. Ein wenig Ruchlosigkeit mit ein wenig Religion; etwas Ehrbarkeit und etwas Liederlichkeit; ebensoviel Bosheit als Gutmütigkeit; das ist ohngefähr das Rezept, nach welchem die meisten menschlichen Charaktere gemischt sind.

Jacobs (Hg.), Aehrenlese aus dem Tagebuche des Pfarrers von Mainau, 2 Bde., 1823-25

War ein Schweinehund etwa kein Schweinehund mehr, nachdem er sich geschlagen hatte? Was hatte ein anständiger Mensch, der beleidigt worden war, davon, wenn er sein Leben gegen einen Halunken auf's Spiel setzt?

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Es ist gut, unbeugsam aus Anlage und nachgiebig aus Überlegung zu sein.

Vauvenargues, Reflexionen und Maximen (Introduction à la Connaissance de l’Esprit Humain, suivie de Réflexions et maximes), 1746, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Wenn … Wenn Du beharrst, da alle um dich zagen Und legen ihren Kleinmut dir zur Last, Vertrau'n zu dir bewahrst, da and're dir's versagen, Doch auch Verständnis für ihr Zweifeln hast; Wenn du zu warten weißt und bleibst gelassen, Betrogen, fern dich hältst von dem Betrug, Wenn du, gehaßt, dich hütest mitzuhassen Und doch zu gut nicht scheinst noch sprichst zu klug, Wenn träumend du nicht sinkst im Traumes-Sumpfe Und denkend Denken nicht zum Ziel dir machst, Wenn du begegnend Unglück und Triumphe Die zwei Betrüger gleicherweis' verlachst; Wenn du die Wahrheit, die du sprachst, kannst hören Von Buben frech zum Narrenfang verdreht, Kannst zuschau'n, wie sie, was du schufst, zerstören, Dich beugst und baust, bis es von neuem steht. Wenn du vermagst, was du nur hast, zu raffen, Und legst auf eine Karte alles hin, Verlierst - und fängst von vorne an zu schaffen Und wirst dabei die Miene nicht verzieh'n; Wenn du das Herz, die Nerven und die Sehnen, Zum Dienst zwingst, da sie letzte Kraft verläßt, Dastehst mit hart zusamm'gebiß'nen Zähnen, Wenn nichts, als nur der Wille sagt: Steh fest! Steh fest! Wenn du dem Volke reinen Wein kannst schenken, Mit Königen in schlichtem Umgang steh'n, Wenn weder Feind dich kann noch Freund dich kränken, Wenn alle nah, doch nicht zu nah dir geh'n; Wenn jede Stund' erfüllst mit ihrem Werte, Daß keine je vergeblich dir zerrann: Dein ist mit allem, was sie trägt, die Erde Und - noch mehr als das - du bist ein Mann! Du bist ein Mann, mein Sohn!

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Oh, natürlich werden wir alle mal überfahren – einmal in unserem Leben. Aber man muß sich selbst wieder aufraffen. Und sich benehmen, als ob nichts geschehen wäre.

Ibsen, John Gabriel Borkman, 1896

Wohl ist es reizend, hoch im Licht einherzuwandeln, Vergöttert da zu steh'n vor seiner Welt, Doch leichter ist es groß, als recht zu handeln. Dort siegt der Ruhm, hier siegt der Held.

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Was du dir Charakter nennst, nenne dir doch viel lieber Trotz!

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Es gibt Fälle, wo auch der Schwächste nicht schwach bleiben darf und auch, wenn nicht an seiner Einsicht und seinem Verstande, doch an der Sittlichkeit und Ehre die kräftigsten Bundesgenossen findet.

Hoefer, Allerhand Geister, 1876

Den wird man fürerlauchterkennen, Der von dem Recht erleuchtet ist, Den wird man einenRitter, Der nie sein Ritterwort vergißt, DenGeistlichenwird man verehren, In dem sich regt der freie Geist, Der wird alsBürgersich bewähren, Der seine Burg zu schirmen weißt.

Uhland, L., Gedichte. Vaterländische Gedichte. Aus: Den Landständen zum Christophstag 1817

Obgleich man Menschen anklagt, sie kennen nicht ihre eigene Schwäche, kennen vielleicht ebenso wenige ihre eigene Stärke. Es ist im Menschen wie im Erdreich, wo es manchmal eine Goldader gibt, von der der Eigentümer nichts weiß.

Swift, Gedanken über verschiedene Gegenstände (Thoughts on Various Subjects), gemeinsam mit Alexander Pope verfasst

Nichts in die Länge ziehen! Nichts auf die Zukunft verschieben! Fordern, sagen, was man will und für Recht hält, und dann als Mann dafür einstehen und sterben.

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Es gibt für den charakterfesten Mann kein überzeugenderes Mittel, daß er das rechte getroffen, als wenn ein gewisses Gesindel darüber vor Ärger fast bersten möchte.

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Wer aufrecht pflegt einher zu schreiten, Mag leicht zu bösem Fall ausgleiten, Wer aber kriecht auf allen Vieren, Kann nie das Gleichgewicht verlieren.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Wenn sich unedle Naturen endlich entschließen müssen, ihre Verbindlichkeiten zu erfüllen, so pflegen sie gewöhnlich hinten nach noch ein Extrastückchen ihres Charakters, irgendetwas Gemeines, als unverlangtes Agio dreinzugeben.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

In jedes Menschen Charakter sitzt etwas, das sich nicht brechen läßt – das Knochengebäude des Charakters; und dieses ändern wollen heißt immer, ein Schaf das Apportieren lehren.

Lichtenberg, Sudelbuch G, 1779-1788. [G 60]

Es gibt nur eines, sich zu bewahren in den Fluten des menschlichen Getriebes, nur eines: sich bewähren.

Kühnel (Hg.), Zitaten-Handbuch. Worte und Weisheit aus vier Jahrtausenden, hg. von Joseph Kühnel, 1937