Charakter Sprüche – nachdenklich

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Ein jeder Mensch soll streben, stets so klar dazustehen, daß auch nicht der Hauch eines Mißtrauens oder Argwohns ihn berühren kann, vornehmlich gilt dies für Frauen.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Wir müssen der gütigen Vorsehung dafür danken, dass die äußerste Verdorbenheit des Herzens zuweilen merkwürdiger Weise mit einem verworrenen Verstande verbunden ist, welcher selbst den stärksten Lieblingsneigungen entgegenwirkt und denselben Mann zu einem Verräther ohne Geschick und zu einem Heuchler ohne Maske macht.

Ruge (Hg.), Gesammelte Schriften, achter Band. Junius' Briefe, übersetzt von Arthur Ruge, 1847. 15. Brief. An Seine Gnaden den Herzog von Grafton. Den 8. Juli 1769

Ein edles Herz verleugnet seine Gesinnung nicht; es ist ihm recht, wenn man ihm bis ins Innere sieht.

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Tu deiner Natur niemals Gewalt an; es ist aber nicht im mindesten erforderlich, sie ganz zu zeigen.

Chesterfield, Briefe an seinen Sohn Philip Stanhope über die anstrengende Kunst ein Gentleman zu werden

Wir schätzen unseren Charakter als etwas, das uns zu eigen ist, mag es gut sein und von den Menschen bewundert werden oder nicht; so müssen wir auch den Charakter unserer Nächsten schätzen, wenn sie anständig sind.

Epikur, Vatikanische Spruchsammlung (Gnomologium Vaticanum Epicureum). [15]

Der Mensch ist schön, aber die Menschen sind Schweine.

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Wer die Kehrseiten der Menschen gesehen hat: wie kann der noch stolz sein?

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Dein Charakter soll deine Erscheinung nicht in Frage stellen.

Hesiod, Werke und Tage, um 700 v. Chr

Jeder Mensch trägt einen Dämon in sich, der ihn reizt und zu seinen Handlungen treibt.

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Am allerwenigsten muß man an den Charakteren herumbasteln wollen; es führt zu gar nichts, außer zu Verstimmung und Ärgernis.

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Man sieht gleich, wo die zwei notwendigsten Eigenschaften fehlen: Geist und Gewalt.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben

Man beteure einem Schuft täglich zu mehreren Malen, er sei die Rechtschaffenheit in Person, und er wird sich allen Ernstes zumindest den Anschein einer perfekten ›Respektabilität‹ geben.

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Jeder, der ein anständiger Mensch zu scheinen strebt, bekennt unbewußt, daß er es sein müßte.

Leixner, Der Weg zum Selbst, 1905

Wer schätzt an andern nicht zumeist das, was er in sich selber vermißt?

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Man beachte, daß die Menschen, die keinen Gesichtsausdruck haben – und deren gibt es gar viele – ebensowenig haben, was man Charakter nennt.

Casanova, Die Erinnerungen des Giacomo Casanova (Histoire de ma vie, 1793-98), übersetzt von Heinrich Conrad, 6 Bde., 1911. 1. Band, Vorrede

Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als einen rechtschaffenen und untadeligen Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht austeilt.

Neues Testament. Der zweite Brief des Paulus an Timotheus (#2.Tim 2,15)

Wenn Menschen sich dadurch liebenswerter machen wollen, daß sie einen moralischen Charakter erheucheln, der von ihrem wahren Charakter verschieden ist, dann irren sie sich außerordentlich. Die Anstrengung wird doch nach kurzer Zeit als solche erkannt, ebenso der Widerspruch des vorgetäuschten Charakters mit dem wirklichen, der doch dauernd durchschimmert. […]

Leopardi, Gedanken (Pensieri), 1845

Wir sind, was wir waren. Nur nach diesem Grundsatz sollte man Menschen beurteilen.

Wertheimer (Hg.), Weisheiten von Oscar Wilde, übersetzt von Paul Wertheimer, 1921 (EA: 1907)

Wie leicht wäre der Charakter zu verbergen, verrieten ihn nicht unsre Handlungen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Es ist das Zeichen einer überlegenen Seele, die Unbeständigkeit zu verabscheuen.

Jouffroy, Das grüne Heft (Le cahier vert), entstanden 1822-36

Viele … und viel mehr als wir ahnen, werden lieber zu Lügnern, als eine Schwäche ihres Charakters einzugestehen.

Vogel, Im Zwielicht. Aphorismen, 1946