Leben Sprüche – zeit
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Das Leben passiert uns, wir sind sein Weg. Daran müssen wir sterben.
Wohl hatt' ich eine schöne Zeit, Wohl eine Zeit, in der ich lebte, In der ich Lieb' und Seligkeit An hold gegönntem Munde bebte. Kein Leben war das Übrige, Nur sinnberaubte, dumpfe Leere, Nur eine Zeit, in welcher ich Das leere Nichts, den Tod erlebte.
Leben muß strömen. Wasser, das nicht fließt, bedeckt sich mit Schaum und fault.
Leben Leben, wie ich's wend' und wäge, Immer bleibt der alte Schluß: Lieber deine härtsten Schläge Als des Todes weichsten Kuß. Jedem läßt du Sterne funkeln, Diesem hell und jenem bleich. Nur das Grab ist stets im Dunkeln, Siegern und Besiegten gleich!
Im Unterschied zu anderen Krankheiten ist das Leben immer tödlich.
Vergänglichkeit Menschlichem Elend wäre es eine Linderung, Sänken die Dinge wie sie stiegen, Langsam; doch oft begräbt ein schneller Umsturz Hohe Gebäude. Lange beglückt stand nichts; der Städt' und Menschen Schickungen stiegen immer auf und nieder; Jahre bedarf ein Königreich zu steigen, Stunden zu fallen. Du, der du selbst des Todes Opfer sein wirst, Nenne darum nicht, weil die Zeit im Stillen Menschen und Menschenwohnungen zerstöret, Grausam die Götter. Die dich zum Leben rufte, jene Stunde Rufte zum Tode dich. Der lebte lange, Wer an Verdienst und Tugend sich ein ewig Leben erworben.
Auch unser Leben hat Jahreszeiten, hat Steigen und Fallen, hat Tag und Nacht.
Es ist wahr, daß uns der Tod nahe ist und daß das ganze Treiben hier Torheit ist. Ich muß dir aufrichtig sagen: ich lege ja auf meine Pläne und auf meine Arbeit einen hohen Wert; aber wenn man's ernsthaft überlegt, so ist doch diese unsere ganze Menschenwelt nur so eine Art Schimmelüberzug, der sich auf einem kleinwinzigen Planeten gebildet hat. Und da bilden wir uns ein, es könne bei uns etwas Großes geben, große Pläne, große Taten! All das sind nur Sandkörnchen.
Schnellzug Auf dieser Lebensbahn rattert es drauf und dran in schnellem Zug. Und meine Melodie macht es, ich weiß nicht wie, zu einem Trug. Draußen das liebe Land, das noch nicht stille stand, wie es sich dreht! Alles bleibt mir versäumt, alles bleibt ungeträumt, alles vergeht. Man wird vom Schauen stumpf, hier drin die Luft ist dumpf, draußen ist's schön. Dann wird die Zeit mir lang, dann wird mir wieder bang vor dem Vergehn. Welch eine Menschennot schlägt sich die Zeit hier tot auf ihre Art. Hier drin ist nichts wie Schmutz, und ich bin voller Trutz. Welch eine Fahrt! Doch was auch quält und närrt, ich bleibe eingesperrt bis an das End'. Wollte mich gern befrein, wollte die Landschaft sein, die rückwärts rennt!
Dies Kommen und Gehen in unserem Gasthaus Erde ist doch was recht Sonderbares – kaum, daß man sich einschreibt ins Fremdenbuch!
All unser Schaffen ist ein ew'ges Ringen, Und nicht das Kleinste können wir gestalten, Wenn wir zuvor der feindlichen Gewalten, Die drohend uns umgeben, nicht bezwingen. Das Wasser droht uns heulend zu verschlingen; Der Felsen trotzt, durch eigne Kraft gehalten, Die Flamme zuckt hervor aus dunklen Spalten, Und sausend schlägt der Sturm die Riesenschwingen. Und wurden wir der Elemente Meister, Dann tritt der Mensch dem Menschen stolz entgegen, Und in dem Kampfe messen sich die Geister. Und haben wir auch hier den Sieg errungen, Lohnt uns doch dann erst des Gelingens Segen, Wenn wir im schwersten Kampf uns selbst bezwungen.
Die Schwimmer Das Leben ist ein stürmisch Meer; Wir schweben hin, wir schweben her, Wir streben schwer durchs Leben! O Thor, so wirf die Bürden schwer, Die Sorgenbürden wirf ins Meer! Wie leichter, nacket sterben!
Das Leben ist ein Schachbrett von Nächten und Tagen, auf dem das Schicksal mit menschlichen Figuren spielt: Es schiebt sie hier nach dort über das Brett, vereint und vernichtet und nimmt die Figuren eine nach der anderen wieder aus dem Spiel.
Wie viele Stunden umschließt ein langes Leben! Aber wie viele gehören denn davon uns?
Am Meerufer Und Welle kommt und Welle flieht, Und der Wind stürzt sein Lied, Schaumwasser spielt an deine Schuhe Knie nieder, Wandrer, ruhe. Es wälzt das Meer zur Sonne hin, Und aller Himmel blüht darin. Mit welcher Welle willst du treiben? Es wird nicht immer Mittag bleiben. Es braust ein Meer zur Ewigkeit, In Glanz und Macht und Schweigezeit, Und niemand weiß wie weit – Und einmal kommst du dort zur Ruh, Lebenswandrer, Du.
Jetzt fühle ich, daß es nur schon zu hohe Zeit ist, etwas hervorzubringen, einen Beweis zu hinterlassen, daß man verdiente, da gewesen zu sein [..].
Was ist das menschliche Leben anderes als eine Komödie oder ein Schauspiel, wo einer in dieser, der andere in jener Larve auftritt und seine Person agiert, bis ihn sein Prinzipal wieder abtreten heißt?
Rätsel Bald ist's von dieser, bald von jener Sorte: dort gilt's der Silbe, hier gilt es dem Worte. Leicht läßt es dich in alle Ferne schweifen, wiewohl grad nur das Nächste zu ergreifen. Bescheiden steht's und wartet in der Ecke, bis du den Sinn holst aus dem Wortverstecke. Wenn endlich dir die Lösung glücken soll, sei zu bedenken dieses dir gegeben: gelöst wär' nur dies eine eben, jedoch fast jedes Ding im Leben, es bleibt dir leider dessen voll. Ja mehr als das – ich wag es auszusprechen und will dich warnen, ehe es zu spät –, dies eine selbst, es lohnt kein Kopfzerbrechen: denn Rätsel bleibt es, wenn man's auch errät.
Der Mensch sollte sich also verhalten, als wenn er täglich in's Grab gehen würde.
Existenz ist Wandel, Wandel Reifung, Reifung ewige Selbsterneuerung.
Das Leben ist eine lange, lange Brücke, wenn man davor steht; ist man hinüber, so sind es nur Querbäumchen, über die man gegangen.