Leben Sprüche – zeit

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Welttheater Der klügste Direktor ist Gottvater! Er leitet geschickt das Welttheater. Zwar gibt er immer das gleiche Stück, Doch hat er einen himmlischen Trick: Er läßt, wenn eine Reihe um, Entstehn ein neues Publikum, Das von Jahrhundert zu Jahrhundert Das alte Stück als neu bewundert.

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Im Lauf des Lebens Oft muß ich denken: Wie mein Haar ergraut! Sind denn noch immer blühend meine Wangen? Wie wenn ein Wanderer nach rückwärts schaut Und zu sich spricht: Wie bin ich weit gegangen! Dann drängt inbrünstiger noch mein Gefühl Sich zu dem Heute, das noch nicht entschwebte, Und der Vergangenheit enttaucht so kühl, Was ehedem so schmerzlich ich durchlebte. So kommt ein Freund, den du verlorst, vielleicht Von ungefähr dir übern Weg nach Jahren, Und während fragend man die Hand sich reicht, Schweigt man von allem doch, was man erfahren. Die Augen nicken sich wohl grüßend zu, Wie voll Bedauern, aus gesenkten Lidern; Das Herz spricht unvernehmlich: Bist es du? Und fühlt sich fremd und weiß nichts zu erwidern.

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In der Materie waltet ewiges tägliches Werden, aus Nichtsein erwächst zunächst nur Werden.

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Wie der Mensch drauflos lebt, als ob kein Tod wäre, so kann er sich eigentlich nichts als endlich und nur das Unendliche wirklich vorstellen. Denn wenn er sich vorstellt, alle Menschen und Planeten fänden ein zeitliches Ende, so wird er doch nie glauben, damit sei das All zu Ende.

Bleibtreu, Der Aufgang des Abendlandes, 1925 (unter dem Pseudonym John Macready veröffentlicht)

Würde man uns das zu durchlaufende Leben detailliert beschreiben, wir würden davor schaudern.

Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 2. vermehrte Auflage 1885 (EA: 1879)

Das Schlimme am Leben ist, dass es so viele schöne Frauen gibt und so wenig Zeit.

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Was nennt ihr Leben? Das alltägliche Geschäft des Daseins, Sommer, Herbst und Winter. Und wieder Frühling kommen sehn, und wieder die Blumen morgen welken sehn, die gestern in bunter Frische glühten? Wenn die Jugend hinweggeschäumt ist, mit gelieh'ner Glut den trägen Lauf des greisen Blutes zu spornen? Das wär's allein, was uns die süße Mühe des Atmens wert macht? Nein, mein Freund, es ist ein anderes. Es ist der stille Blick, den wir zurück in's Herz tun – wenn wir dort ein trauliches Gebäude uns erbaut von Wünschen, Hoffnungen und Erinnerungen. Wenn wir zurück in dieses Haus uns flüchten können, bei der Zeiten Wetter, dann ruht sich's sanft im Schoß des Daseins aus.

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Das Leben des Menschen Das Leben ist ein Laub, das grünt und falbt geschwind, ein Staub, den leicht vertreibt der Wind, ein Schnee, der in dem Nu vergehet, ein See, der niemals stille stehet, die Blum', die nach der Blüt' verfällt, der Ruhm, auf kurze Zeit gestellt, ein Gras, das leichtlich wird verdrücket, ein Traum, der mit dem Schlaf aufhört, ein Schaum, den Flut und Wind verzehrt, ein Heu, das kurze Zeit bleibet, die Spreu, so mancher Wind vertreibet, ein Kauf, den man am End bereut, ein Lauf, der schnaufend schnell erfreut, ein Wasserstrom, der pfeilt geschwind, ein Wasserblas, die bald zerrint, ein Schatten, der uns macht schabab, die Matten, die gräbt unser Grab.

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Trübe Ahnung Verlaßner werde ich mit jedem Jahr, und nun verlor ich auch mein bestes Lied. – Ich saß bei einem Kognak an der Bar so düster, daß mich jedes Mädchen mied. Dann ging ich durch die Stadt. Die Nacht war mild. Es war, als ob mein Vater mit mir sprach. Jetzt hock ich trostlos unter deinem Bild und traure dem versäumten Leben nach. Das war ein Fest … ein Kleid im Wind … ein Wink… und immer eine Schwermut, die uns schied, zuletzt nur wieder dies: "Vergiß und trink!" Und nun verlor ich auch mein bestes Lied. War doch mir Liebeslust noch prophezeit, und daß die Schicksalswege sich erneun – zu spät erblühte diese Glücklichkeit und könnte meinen Herbst nicht mehr erfreun. Denn herbstlich geh ich mitten durch den Mai, der als ein Spuk an mir vorüberzieht, als wisse er, daß dies der letzte sei. Verloren ist mein Leben und mein Lied.

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Unser Dasein hier ist ein dunkles Geheimnis, von welchem wir Anfang und Ende nicht wissen. Siehe Deine Jugend an, siehe Dein Alter an, was findest Du bleibend in Dir, worin findest Du Dein Ich? Phantasie und Verstand, Gefühl und Empfindung ist wandelbar, heute so und morgen anders; schäle sie ab von Deinem Sein, was bleibt Dir, als die Sehnsucht und als die Ahnung der Liebe?

Perthes (Hg.), Friedrich Perthes Leben. Nach dessen schriftlichen und mündlichen Mittheilungen aufgezeichnet von Clemens Theodor Perthes, 3 Bde., 1848-55

Keiner erhält das Leben zum Eigentum, alle zum Nießbrauch.

Lukrez, Über die Natur der Dinge (De rerum natura). III, 971. Übersetzt von Karl Ludwig von Knebel, Leipzig 1831

Immer die Planungen! Immer wurde einem das Leben vorgeplant! Räder, die einen trieben, vorwärtstrieben, und über die man keine Gewalt hatte.

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Das Leben draußen ist ganz dasselbe geblieben, das Leben bleibt immer dasselbe, nur der Mensch ändert sich mit den Jahren, er wird um so besser, je mehr er durchgebraten wird.

Bahr, Kritik der Gegenwart. Tagebücher vom 16. November 1919 bis 14. Dezember 1920, Augsburg 1922

Kreisgang Die Wege, die ich bisher ging, in Kreisen sind sie alle mir zerronnen. Vor dem, woran mein Auge gestern hing, steh ich heut wieder staunend und versonnen. Und meine Seele fühlt es tief: ich bin vor vielen Jahren alles dies gewesen, aus seinen Formen kann mein wacher Sinn das Schicksal meines ganzen Daseins lesen. Dies wegbeleuchtend Schauen hier verkündet meinem Leben froh und weise: du bist der stumme Gegenstand vor dir und bist zugleich der Wanderer im Kreise.

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Iss, trink und haus; Mit dem Tod ist alles aus.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Abel fiel als erstes Opfer im Kampf um's Dasein. So stirbt vielleicht erst mit dem letzten Menschenpaar der letzte Kain, der letzte Abel?

Dohm, Der Frauen Natur und Recht. Zur Frauenfrage. Zwei Abhandlungen über Eigenschaften und Stimmrecht der Frauen, 1876

Wie nichtig wär' das Leben ohne Nichtigkeiten!

Weiß, So seid Ihr! Erste Folge, 1906

Was ist solch ein unbedeutendes Gemetzel wie bei Cannae, Leipzig oder Sedan gegen die fort und fort um den Erdball tobende Schlacht des Daseins?

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Dein Leben wird nach hundert Jahren auch sehr dumm erscheinen […] Wenn sich überhaupt jemand daran erinnern wird, daß du auf der Welt gwesen bist.

Gorki, Italienische Märchen, 1906-13

Wie gut aber auch ein Mensch sein Leben ausgewählt hat – es währt nur einige Jahrzehnte.

Gorki, Italienische Märchen, 1906-13

Wahrhaft frei kann nur dasjenige Leben sein, welches über der Zeit sich befindet.

Hoffmann (Hg.), Die Weltalter. Lichtstrahlen aus Franz von Baader's Werken, 1868