Leben Sprüche – zeit

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Klägliche Narren, die wir sind! Nur einen Augenblick haben wir zu leben und den machen wir uns so schwer wie wir nur können!

Friedrich II. (der Große), Briefe. An Graf Algarotti, 10. März 1760

Mitten im Leben stehen wir im Tod.

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Man nippt an dem Leben, jeder kostet einen Tropfen Ewigkeit, auch der Unsterbliche nur einen – und der ist oft bitter.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Welch Fabelwerk ist unser Leben? Halb ist's Wesen, halb ein Schein; Zu kurz, nach eitlem Glück zu streben, Zu lang, ohn eitles Glück zu sein.

Creutz, Oden und andere Gedichte, 1750

Das menschliche Leben (Eine Allegorie) Dieses Lebens großer Weg Hat viel gefährliche Stellen. Allem Unglück vorzubeugen, Mein Teurer, verhalt ich mich so: Ich spann an meinen sterblichen Wagen, Den ich zum Grabe führe, zuerst Gerechtigkeit, die stets auf rechtem Wege bleibt, Und Liebe, sonder die es allzu langsam ginge. Wahrheit, Unabhängigkeit, Die bloß ein sanftes Leitseil dulden, Gehn munter in der Mitt' und bleiben Gern von des Reichtums Straß' entfernt. Gesundheit und ein gutes Gewissen Hüpfen fröhlich voran, Und reißen mich an Plätzen, Die tief und schlammig sind, hindurch. Nichts bleibt vom Glück und der Natur Mir ferner zu erbitten übrig, Als daß mein auserlesenes Gespann So lang' als selbst mein Wagen daure.

Götz, J. N., Gedichte

Der Faden des Lebens hängt doch am Faden des Todes!

Herder, Liebeskind, Krummacher (Hg.), Palmblätter. Erlesene morgenländische Erzählungen für die Jugend, 4 Bde., 1786-1800. 9. Der Trost des Weisen

Mein Leben ist nicht diese steile Stunde, darin du mich so eilen siehst. Ich bin ein Baum vor meinem Hintergrunde, ich bin nur einer meiner vielen Munde und jener, welcher sich am frühsten schließt. Ich bin die Ruhe zwischen zweien Tönen, die sich nur schlecht aneinander gewöhnen: denn der Ton Tod will sich erhöhn – Aber im dunklen Intervall versöhnen sich beide zitternd. Und das Lied bleibt schön.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Das Stundenbuch. Das Buch vom mönchischen Leben, 1899

Jeder muß zufrieden sein mit der Zeit, die ihm zum Leben gegeben wird.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übersetzt von Raphael Kühner 1864. Originaltext: Cuique temporis ad vivendum datur, eo debet esse contentus.

Nur das Lebendige hält Gabe der Göttlichen fest.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Weissagungen des Bakis, ca. 1885

Das Leben Von den Alten zu den Jungen Muss das Leben wandern. Was du gestern noch bezwungen, Bezwingen morgen schon die andern. Das Lied, das du gestern gepfiffen im Weitertraben, Will schon morgen der andern Lippen haben. Und dir entschwundene Augenblicke kannst du sehen, Wie sie im Blut der Jungen auferstehen. Darüber, seit ich's erfahre, muss ich die Hände falten, Muss leiden, dass ich mich wandle, und lass es walten. Das Leben – ach, einst da kam es umhalsend gesprungen, Jetzt grüßt es noch im Vorüberschweben und geht zu den Jungen.

Dauthendey, M., Gedichte. Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930

Nur die Toten reiten schnell, was aber Leben hat, entfaltet sich nur dann gesund, wenn es stille wächst und nicht im Treibhaus forciert wird.

Frommel, Von der Kunst im täglichen Leben, 1867

Das Leben gleich einem Schauspielhaus: die Schlechtesten haben oft die besten Plätze.

Antonius et Maximus Monachi, Loci Communes Sententiarum. Aureliae Allobrogum, 1609

Dein Zeit und Tag leg du wohl an; Weil niemand sie wieder bringen kann.

Hertz (Hg.), Worte der Weisen aus allen Völkern und Zeiten, 1886

Tue nicht, als wenn du Tausende von Jahren zu leben hättest. Der Tod schwebt über deinem Haupte.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τὰ εἰς ἑαυτόν), entstanden vermutlich 170-180 n. Chr. 4,17. Übersetzt von Albert Wittstock, 1879

Das Dasein ist ein unbebautes Land, Vom Lufthauch überweht, vom Sonnenstrahl umlodert; Und diese tote Wildnis fordert Das Leben erst von unsrer Hand.

Tiedge, C. A., Gedichte. Aus: Urania. Gesang 6. Freiheit. Wiedersehn, 1800

Die Abkunft. Rühme dich nicht des Stammes, von dessen Natur Du nicht mehr bist; was von dem glänzenden Feuer stammet, wird Asche genannt.

Herder, Blumen aus morgenländischen Dichtern gesammlet (in: Zerstreute Blätter, 4. Sammlung), 1792. Erstes Buch

Wenn alles vor mir und hinter mir versinkt – die Vergangenheit im traurigen Einerlei wie ein Reich der Versteinerung hinter mir liegt – wenn die Zukunft mir nichts bietet – wenn ich meines Daseins ganzen Kreis im schmalen Raume der Gegenwart beschlossen sehe – wer verargt es mir, daß ich dies magre Geschenk der Zeit – den Augenblick – feurig und unersättlich wie einen Freund, den ich zum letzten Male sehe, in meine Arme schließe?

Schiller, Der Geisterseher. Aus den Papieren des Grafen von O**, 1787-1789. Zweites Buch. Baron von F*** and den Grafen von O**. Vierter Brief, 12. Junius

Sinnender Spatenstich Unter der Erde murkst etwas, Unter der Erde auf Erden. Pitschert, drängelt. – Was will das Ding oder was wird aus dem Ding, Das doch in sich anfing, einmal werden?? Knolle, Puppe, Keim jeder Art Hält die Erde bewahrt, Um sie vorzubereiten Für neue Zeiten. Die Erde, die so viel Gestorbenes deckt, Gibt dem Abfall, auch Sonderlingen, Asyl und Ruhe und Schlaf. Und erweckt Sie streng pünktlich zu Zwiebeln, zu Schmetterlingen. Zu Quellen, zu Kohlen – – – Unter der Erde murkst ein Ding, Irgendwas oder ein Engerling. Zappelt es? Tickt es? Erbebt es? – Aber eines Tages lebt es. Als turmaufkletternde Ranke, Als Autoöl, als Gedanke – – – Fäule, Feuchtigkeit oder feiner Humor Bringen immer wieder Leben hervor.

Ringelnatz, J., Gedichte. 103 Gedichte, 1933

Das ganze Leben ist ein Verschlingen und Umschmelzen der Dinge in unser eignes Metall.

Ludwig (Hg.), Gedanken Otto Ludwigs. Aus seinem Nachlaß ausgewählt und hg. von Cordelia Ludwig, Leipzig 1903

Und senkt einst die Göttin die Waage, zerreißt sie, was mild sie gewebt, – ich schließe die Augen und sage: Ich habe geliebt und gelebt!

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Aus: Ich lieb ein pulsierendes Leben

In ewig gleichem Maße fliegen Des Lebens Schalen auf und ab – Die Mutter an der Kinder Wiegen, Die Kinder an der Mutter Grab.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944