Leben Sprüche – zeit

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Es gibt in der Existenz des Menschen entgegengesetzte Perioden, welche man die Glückszeit und die Unglückszeit des Lebens nennen könnte.

Casanova, Erinnerungen aus galanter Zeit, Wilhelm Borngräber Verlag Neues Leben, Berlin 1912

Der rechte Gebrauch des Lebens Wer hemmt den Flug der Stunden? Sie rauschen hin Wie Pfeile Gottes! Jeder Sekundenschlag Reißt uns dem Sterbebette näher, Näher dem eisernen Todesschlafe! Dir blüht kein Frühling, wenn du gestorben bist; Dir weht kein Schatten, tönet kein Becherklang; Dir lacht kein süßes Mädchenlächeln, Strömet kein Scherz von des Freundes Lippe! Noch rauscht der schwarze Flügel des Todes nicht! Drum hasch die Freuden, eh sie der Sturm verweht, Die Gott, wie Sonnenschein und Regen, Aus der vergeudenden Urne schüttet! Ein froher Abend, welchen der heitre Scherz Der Freundschaft flügelt, oder das Deckelglas; Ein Kuß auf deines Mädchens Wangen, Oder auf ihren gehobnen Busen; Ein Gang im Grünen, wann du, o Nachtigall, Dein süßes Maylied durch die Gesträuche tönst, Wägt jeden Kranz des Nachruhms nieder, Den sich der Held und der Weise wanden! Der Kuß, den mir die blühende Tochter giebt, Ist süßer, als die Küße der Enkelin, Die sie dem kalten Hügel opfert, Wo ich den eisernen Schlummer schlafe.

Hölty, L., Gedichte. Entstanden 1775

Lang ist gang in gleicher spur: Was ihr denkt und lernt und schafft... Doch des götter-rings verhaft Dauert Einen sommer nur!

George, S., Gedichte. Erstdruck 1951 (posthum). Originaltext

Mächtig, selbst wenn eure Sehnen ruhten, Reißt das Leben euch in seine Fluten, Euch die Zeit in ihren Wirbeltanz.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Ideal und das Leben, 1795 (unter dem Titel »Das Reich der Schatten«, später auch unter dem Titel »Das Reich der Formen«)

Daß außer ihren Gegenständen aus einer fernen Vergangenheit auch noch eine Gegenwart um ihn herum vorhanden sei, kam ihm nur äußerst schattenhaft zur Empfindung; für sein Gefühl waren Marmor und Bronze nicht tote Mineralien, vielmehr das einzig wirklich Lebendige, den Zweck und Wert des Menschenlebens zum Ausdruck Bringende.

Jensen, Gradiva. Ein pompejanisches Phantasiestück, 1903

Wir tauchten aus dem Strom, der jenseit fließt, und wo wir eines waren willenlos, und wandeln nun für eine kurze Weile in argen Fesseln unter Raum und Stunden, wir gehen Wege, welche weit getrennt sind, und nur mit Blicken, welche trösten sollen, von fern uns findend – eine kurze Weile, bis daß wir wieder zu dem Strome tauchen und wieder eines sind und willenlos.

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

Alles bewegt sich – man könnte sagen, wallende Horizonte.

Zweig, Emile Verhaeren, 1910. Zitiert u. übers. v. Stefan Zweig

Wir sind ganz traumbefangen, wir sind aus anderm Land, wir halten eine Waage in unsrer rechten Hand. Wir sind sehr stillen Mutes, die Schalen schweben gleich. Das heißt: es rinnt vorüber, macht uns nicht arm noch reich. Wir spähen scharf und forschen, wir wanken nicht vom Ort; darinter rinnen Jahre und rinnt das Leben fort. Doch wird die Schale sinken in einer hellen Nacht, dann kam der Traum ins Träumen, dann sind wir aufgewacht.

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

7. Sonnengluthen, Abendschatten Wechselten im alten Gleise, Und auch dir, dem Qualenmatten, Tönt ins Ohr die gleiche Weise: Ging das Gestern, kommt das heute Und am Ende auch das Morgen, Doch in alle drei als Beute Theilen gierig sich die Sorgen. Sonnengluthen, Abendschatten Können nicht von selber enden, Aber dir, den Lebenssatten, Ist's vergönnt, sein Loos zu wenden. Nicht umsonst sei dir gegeben, Was Natur den andern schuldig: Drum so ende du dein Leben, Oder trag es still geduldig!

Holz, Gedichte. Buch der Zeit, Erstdruck 1886. Der Text hier folgt der zweiten, erweiterten Ausgabe 1892. Originaltext. Tagebuchblätter

Stimmungen Machtlos, ein Grashalm, blick ich manchmal gen oben Zu den Höhen der Menschheit und suche vergebens Klarheit in dem ewigen Brausen und Toben Und den unbegreiflichen Kämpfen des Lebens. Neben mir raschelt der Tod, der lauernd und kalt Unter vermoderten Blättern grinst. – – Meiner Wünsche flehendes Lied verhallt Im Nebelgespinst. Manchmal steh ich, ein Eichbaum, über der Erden, Blicke hinab auf die tausenden Ärmlichkeiten, Folge lächelnd dem endlosen Schwinden und Werden Und der winzigen Menschheit kleinlichem Streiten. Und dann ist mir, als ob ein kraftvoller Tau Morgenkühl meine Adern durchdringt. – – Meine Hoffnung steigt froh ins Wolkenblau, Wo die Lerche singt.

Ringelnatz, J., Gedichte. 1910

Die Kürze "Warum bist du so kurz? liebst du, wie vormals, denn Nun nicht mehr den Gesang? fandst du, als Jüngling, doch In den Tagen der Hoffnung, Wenn du sangest, das Ende nie?" Wie mein Glück, ist mein Lied. – Willst du im Abendrot Froh dich baden? Hinweg ist’s, und die Erd’ ist kalt, Und der Vogel der Nacht schwirrt Unbequem vor das Auge dir.

Hölderlin, F., Gedichte. 1799

An der Forderung, daß das Große ewig sein soll, entzündet sich der furchtbare Kampf der Kultur; denn alles andere, was noch lebt, ruft nein!

Nietzsche, Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern, 1872. Über das Pathos der Wahrheit. Originaltext

Das Leben ist etwas Flüssiges. Es ist also kein Wunder, daß sich die Menschen täglich, stündlich, ja augenblicklich verändern. Wenn wir jemanden im höchsten Grad seiner Liebe für uns in Marmor verwandeln könnten! Aber wer wollt es aushalten? Drum laßt's gehn, wie es geht, und schickt euch so gut drein, als ihr könnt.

Heinse, Aus Briefen, Werken, Tagebüchern, hg. von Richard Benz, Stuttgart 1958. IV. Das Spiel des Wesens. Originaltext

Der Eine giebt; der Andere nimmt. Der Eine stirbt; der Andere wird geboren. Wenn die Menschen doch wüßten, daß jeder Geburtstag auch zugleich ein Tag des Sterbens ist!

May, Im Reiche des silbernen Löwen, 4 Bde., 1898-1903. 3. Band, 5. Kapitel, Tifl

Zum Geburtstag Vor achtunddreißig Jahr kam ich ins Elend ein, Gott Lob für Atem, Herz und Gnad' und Vaterpflege! Doch werd' ich recht beschämt, wenn ich es recht erwäge, Schon achtunddreißig Jahr und noch nicht heilig sein. Herr, laß den kleinen Rest der Augenblicke dir Allein ganz unverrückt gewidmet werden; Ich müsse leben dir, sonst nimm mich von der Erden Und laß mich droben tun, was ich nicht kann allhier! Soll Regen, Wind und Sturm in dieser Wüstenei Den abgenützen Rock noch eine Weile schleißen, Wollst du den Geist zu dir ins himmlisch' Wesen reißen, Daß nur, was irdisch heißt, von mir auf Erden sei!

Tersteegen, Geistliches Blumengärtlein, 1729

Das Leben ist so kurz, und das Gute wirkt so langsam.

Goethe, Die Aufgeregten. Politisches Drama in fünf Akten. Fragment, entstanden 1793, Erstdruck 1817. Vierter Aufzug, siebter Auftritt. Gräfin

Das Lebendige ist zwar in Elemente zerlegt, aber man kann es aus diesen nicht wieder zusammenstellen und beleben.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Zur Morphologie, 1817. Die Absicht eingeleitet

Dämmerungen Wir leben in den zweien Dämmerungen, Die vor den Tag und vor die Nacht gewebt sind, Und unsre Gnaden sind daraus entsprungen Wie Sterne, die aus unserer Hand geschwebt sind. Auf Erden, die aus unsren Händen schweben, Füllt sich der Nil, der von uns nur gedacht ist. Die Mumienländer wird er dennoch grün beweben Bis an den Memnon, der auf unserer Morgenwacht ist.

Loerke, O., Gedichte. Erstmals ersch. in Fischers "Neuer Rundschau", Februar 1910

Was aber ist so beschränkt und kurz wie noch das längste Menschenleben?

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch III, Brief 7: C. Plinius Caninio [Rufo] Suo S. Übers. Internet Originaltext: Quid enim tam circumcisum, tam breve quam hominis vita longisima

Wer seinen Gelüsten ergeben gleichsam in den Tag hinein lebt, beendet täglich den Sinn seines Lebens; wer aber an die Nachwelt denkt und die Erinnerung an sich durch seine Werke verlängern will, dem ist jede Todesstunde zu plötzlich, weil sie stets irgendetwas noch nicht Vollbrachtes abbricht.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch V, Brief 5: C. Plinius [Novio] Maximo Suo S. Übers. Internet

Sorgen wir solange wir leben dafür, dass der Tod möglichst wenig bei uns findet, was er zerstören kann.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch V, Brief 5: C. Plinius [Novio] Maximo Suo S. Übers. Internet Originaltext: Proinde, dum suppetit vita, enitamur, ut mors quam paucissima, quae abolere possit, inveniat