Leben Sprüche – zeit

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Der Mensch kennt nichts als sein Dasein in der Zeit, und dessen gleitenden Wandel hinab von der sonnigen Höhe in die furchtbare Nacht.

Schleiermacher, Monologen. Eine Neujahrsgabe, Erstdruck 1800

Wenn Ihr bei dem, was heut vorübergleitet, Nicht viel erlebt, nicht allzuviel erlebt: Der Teppich, den man festlich ausgebreitet, Ist bunt, doch ist nicht alles drein gewebt.

Hofmannsthal, H., Gedichte. Zu lebenden Bildern. Epilog, 1893

Leben, was bist du, denn ein Heimverlangen. Seele, was bist du, denn ein Senker zur Nacht. Gut und Blut, was seid ihr, denn trübere Schemen. Abends, wann der Regen fällt.

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

Wir wünschen uns leidenschaftlich, es möchte ein anderes Leben geben, in dem wir dieselben bleiben, die wir hienieden gewesen sind. Aber wir bedenken nicht, dass wir, sogar ohne erst auf dieses andere Leben zu warten, schon in diesem hier nach einigen Jahren dem untreu werden, was wir gewesen sind und was wir selbst in der Unsterblichkeit noch wiederfinden wollten.

Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (À la recherche du temps perdu), 7 Bde., Erstdruck 1913-27

Die ersten Jahre deines Lebens bist du Regen und weisst es nicht Dann die Jahre in denen du strömst allen Widerständen entgegen in denen du suchst deinen eigenen Lauf in denen du wirst Bach Fluss Strom Dann die Jahre in denen du bist Meer in sich machtvoll wogend und stürmisch in sich angekommen still und weit Und dann die Jahre in denen du sinkst weg vom Licht weg vom Regen hinab an den Grund und du weisst es nicht

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Lebenslied. Steh und falle mit eignem Kopfe, Thu das Deine, und thu es frisch! Besser stolz an dem irdnen Topfe Als demüthig am goldnen Tisch: Höhe hat Tiefe, Weltmeer hat Riffe, Gold hat sorgliches Schlangengezisch. Bau dein Nest, weil der Frühling währet, Lustig bau’s in die Welt hinein. Hell der Himmel sich droben kläret, Drunten duften die Blümelein – Wagen gewinnet, Schwäche zerrinnet: Wage! dulde! die Welt ist dein. Steh nicht horchend was Narren sprechen; Jedem blüht aus der Brust sein Stern. Schicksal webt sich an stygischen Bächen, Feigen webt es sich schrecklich fern: Steige hinnieder! Fasse die Hyder! Starken folget das Starke gern. Wechselnd geht unter Leid und Freuden Nicht mitfühlend der schnelle Tag; Jeder suche zum Kranz bescheiden, Was von Blumen er finden mag; Jugend verblühet, Liebe verglühet: Lebe! halte! doch lauf nicht nach.

Arndt, E. M., Gedichte. Aus: Lebenslied, 1840

Wie das so wechselt Jahr um Jahr, Betracht ich fast mit Sorgen. Was lebte, starb, was ist, es war, Und heute wird zu morgen.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904. Aus: Immer wieder

Das Leben ist wie eine Prozession. Wer langsam geht, findet sie zu schnell und steigt aus. Wer schnell geht, findet sie zu langsam und steigt auch aus.

Gibran, Sand und Schaum. Aphorismen (Sand and Foam), 1926, übersetzt von Hans-Josef Fritschi, Books on Demand 2018

Alle menschlichen Dinge dauern nicht ewig, sondern neigen sich stets vom ersten Anbeginn herunter, bis sie ihr letztes Ende erreichen, vorzüglich das Leben des Menschen.

Cervantes, Don Quijote (El ingenioso Hidalgo Don Quixote de la Mancha), 1605-15

Das Leben ist kein Traum und wir nicht seine Schattengestalten. Die Zeit bleibt. Wir zwar vergehen; uns erbleichen die bunten Erscheinungen, das Licht, welches auf das reiche Gemälde fällt; allein wenn wir auch am Ende nichts gerettet hätten, als die selige Hoffnung, dort erst anfangen zu dürfen: wäre man umsonst geboren? Aber wir haben mehr.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Kann das Leben selbst nicht währen, Kann es doch sich neu gebären, Daß unendlich es erscheint.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Viertes Bruchstück. Mikrokosmos

Spiel des Lebens Zwischen Hassen, zwischen Lieben Seltsam hin und her getrieben, – Heute voll von Zärtlichkeiten, Morgen schwertbereit zum Streiten, – Diesen Händedruck empfangen, Jenem aus dem Weg gegangen, – Jetzt Hans Dampf in allen Gassen, Später gott- und weltverlassen, – In der Frühe flammentrunken, Abends kraftlos hingesunken, – Und so zwischen Himmel, Hölle, Auf und ab an Rad und Welle, Ist mein Leben angeschirrt, – Wehe, wie es enden wird!

Jacobowski, Leuchtende Tage. Neue Gedichte 1896-1898, Minden 1900

Umsonst O Fluch der menschlichen Natur! Das Unerreichte lockt und winkt, Und das Errungene versinkt Im Meer des Alltags ohne Spur. Bald hemmt den kurzen Siegeslauf Ein Berg, der unersteigbar deucht, Und hast du schwer das Ziel erkeucht, So ragt ein höh’rer vor dir auf. Nur kurze Rast ist dir erlaubt; Du achtest nicht Gefahr und Weh, Bis kühl bedeckt ein ew’ger Schnee Den Gipfel und dein eignes Haupt. Dich quält der Frost; die Nacht beginnt; Verschwendet hast du all dein Leid, Da nun die Blumen abgrundweit, Die Sterne dir nicht näher sind.

Fulda, L., Gedichte

Das Leben ist unvertilgbar, es besteht außerhalb Zeit und Raum, darum kann der Tod nur seine Form, die sich in dieser Welt offenbart, ändern.

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

Wie doch der Mensch am Leben hängt; mit welch zweideutiger Angst, es zu verlieren, es zu behalten!

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Christoph Schrempf und Wolfgang Pfleiderer, 1922

Guten Stunde Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt, Hier hab ich kein Haus, und hier hab ich kein Zelt! Die Wege der Menschen sind um mich her, Hinauf zu den Bergen und nieder zum Meer: Sie tragen die Ware, die ihnen gefällt, Unwissend, daß jede mein Leben enthält. Sie bringen in Schwingen aus Binsen und Gras Die Früchte, von denen ich lange nicht aß: Die Feige erkenn ich, nun spür ich den Ort, Doch lebte der lange vergessene fort! Und war mir das Leben, das schöne, entwandt, Es hielt sich im Meer, und es hielt sich im Land!

Hofmannsthal, H., Gedichte. Entstanden 1896

Die Bewegung des Lebens geschieht nicht immer durch diametrale, große Gegensätze, sondern durch eine Zersetzung hindurch. Das Leben selber bleibt stets sichtbar.

Burckhardt, Historische Fragmente aus dem Nachlass, gesammelt von Emil Dürr, 1929. Zur Beurteilung des spätem Mittelalters

Das Leben ist mir ein bitterer Trank geworden, und dennoch muß ich ihn einnehmen wie verordnete Tropfen, langsam, zählend.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Das Hohe erkennt man an den Übergängen. Alles Leben ist ein Übergang.

Hofmannsthal, Andreas oder die Vereinigten, Fragment entstanden ab 1907, Erstdruck 1932 (posthum). Gespräche mit Sacramozo

Keines verbleibt in derselben Gestalt, und Veränderung liebend Schafft die Natur stets neu aus anderen andere Formen, Und in die Weite der Welt geht nichts – das glaubt mir – verloren; Wechsel und Tausch ist nur in der Form. Entstehen und Werden Heißt nur anders als sonst anfangen zu sein, und Vergehen Nichts mehr sein wie zuvor. Sei hierhin jenes versetzet, Dieses vielleicht dorthin: im Ganzen ist alles beständig.

Ovid, Metamorphosen, entstanden um 1 oder 3 bis 8 n. Chr. Fünfzehntes Buch, Pythagoras. Aus dem Lateinischen von Johann Heinrich Voß. Originaltext der Übersetzung

Menschheit Ob du in Samt und Seide gewiegt Oder in härenem Tuch, In deiner Wiege von Anfang an liegt Ein Segen und ein Fluch. Der Fluch ist, daß du lebenmußtGeworfen in diese Welt. Der Segen, daß du sterbenkannst, Wann dirs gefällt.

de Nora, Gedichte. Hochsommer. Neue Gedichte, 1912