Liebe Sprüche – klassisch

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Venus stellt sich lieblich dar, Aber laß dich nicht verblenden: Ihre falsche Süßigkeit Wird allzeit mit Gallen enden; Venus bringt um Ehr' und Habe, Venus schwächet Geist und Brust, Gibt zu Zentnern Reu' und Schmerzen Und zu Loten schnöde Lust.

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An der sonngewohnten Straße, in dem hohlen halben Baumstamm, der seit lange Trog ward, eine Oberfläche Wasser in sich leis erneuernd, still ich meinen Durst: des Wassers Heiterkeit und Herkunft in mich nehmend durch die Handgelenke. Trinken schiene mir zu viel, zu deutlich: aber diese wartende Gebärde holt mir helles Wasser ins Bewußtsein. Also, kämst du, braucht ich, mich zu stillen, nur ein leichtes Anruhn meiner Hände, Sei's an deiner Schulter junge Rundung, sei es an den Andrang deiner Brüste.

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Um Mitternacht Ein andrer hat das Weib errungen, Um das ich sang mit süßem Schall; Er ist der Held, der dich bezwungen, Doch ich bin deine Nachtigall! Und wenn ihr beide längst gefunden Den Schlummer, der mein Auge flieht, Singt immer noch in nächt'gen Stunden Die Nachtigall ihr altes Lied. Zühküt, zühküt – die süßen Grüße aus der vergangnen Liebeszeit; Und ihre Sehnsucht, o die süße, Ist reicher – als ihr beide seid!

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Wenn die göttliche Venus zur Erde hinabstiege, dann würde sie sich von oben bis unten in Barchent und Wolle kleiden, damit sie nicht zur in Samt und Seide gekleideten Demimonde, zur bis zum Herzgrübchen dekolletierten Demimonde oder gar zum Nacktballett eines Kabaretts gerechnet würde.

Sacks, Kabarett des Lebens, o.J. [1925]

In den Stürmen der Versuchung Hab' ich lang schon Ruh' gefunden, Doch dem Tugenhaftsten selber Kommen unbewachte Stunden! Heißer als in heißer Jugend Überschleicht der alte Traum mich, Und beflügelt schwingt des Katers Sehnen über Zeit und Raum sich. O Neapel, Land der Wonne, Unversiegter Nektarbecher! Nach Sorrent möcht' ich mich schwingen, Nach Sorrent, aufs Dach der Dächer. Der Vesuvius grüßt, es grüßt vom Dunkeln Meer das weiße Segel, Im Olivenwald ertönt ein Süß Konzert der Frühlingsvögel. Zu der Loggia schleicht Carmela, Sie, die schönste aller Katzen, Und sie streichelt mir den Schnauzbart, Und sie drückt mir leis die Tatzen, Und sie schaut mich an süß schmachtend – Aber horch, es tönt ein Knurren. Ist's vom Golf der Wellen Rauschen? Ist es des Vesuvius Murren? 's ist nicht des Vesuvius Murren, Der hält jetzo Feierstunde, – In dem Hof, Verderben sinnend, Bellt der schlechtste aller Hunde. Bellt der schechtste aller Hunde, Bellt Krakehlo, der Verräter, Und mein Katertraum zerrinnet Luftig in den blauen Äther.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Lieder des Katers Hiddigeigei

Die Motte und die Kerze Fliege nur in dein Verderben, Das so schön, so lockend loht: Selig ist's, in Flammen sterben Aus des Herzens Machtgebot.

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Dank für Rat »Den Kuß und dann die Kralle, So sind sie alle. Die Kralle, dann den Kuß, Macht ihnen nicht Verdruß.« – »Nimm's nicht so schwer! Laß ruhn! Sie wissen nicht, was sie tun. Oder geh fort! Geh, wandere! 's gibt andere, Nicht alle sind Katzen Und kratzen, Bist eben zu lang geblieben; Man muß mit gepacktem Koffer lieben. Was ist der Koffer? Es ist dein Geist, Der dich immer gefaßt sein heißt. In die Liebe zumeist darf nur sich wagen, Wer auch enden kann und entsagen.« – »Dank für den Rat, den mir die Weisheit spricht; Er lautet: liebe, aber lieb' auch nicht.«

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Der Himmel hat eine Träne geweint, Die hat sich ins Meer zu verlieren gemeint. Die Muschel kam und schloß sie ein: Du sollst nun meine Perle sein. Du sollst nicht vor den Wogen zagen, Ich will hindurch dich ruhig tragen, O du mein Schmerz, du meine Lust, Du Himmelsträn' in meiner Brust! Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte Den reinsten deiner Tropfen hüte.

Rückert, Gedichte. Liebesfrühling, entstanden 1821, Erstdruck 1834

Amors Pfeil Amors Pfeil hat Widerspitzen. Wen er traf, der laß' ihn sitzen, Und erduld' ein wenig Schmerz! Wer geprüften Rat verachtet, Und ihn auszureißen trachtet, Der zerfleischt sein ganzes Herz.

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Im Begrenzten nur, im Engen findest du das höchste Gut.

Prutz, R. E., Gedichte. Otto Wigand, Leipzig 1841. Dichterliebe. Aus: VI

Um Liebe nur wird Liebe dir gegeben, Und wer mit sprödem Stolz sie will erlangen, Dem ist der Liebe Grundgesetz entgangen, Und er vergeht sich an Natur und Leben.

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Es findet nicht nur jeder Odysseus seinen Homer, sondern auch jeder Mahomet seine Chadidscha.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Lern es einmal doch Herz, du bist so alt geworden, Und bist noch so jung, Noch so kindisch jung geblieben, Daß du immer für dein Lieben Noch begehrst Erwiderung. Daß du meinst, für treues Mühen Zieme sich auch Dank, Nicht an still erlittner Plage Allerletztem Leidenstage Noch im Kelch der bittre Trank. Herz, du bist so alt geworden: Lern es einmal doch, Daß du sollst nach bess'rem Lohne, Anderm Kranz und andrer Krone Sänftlich tragen Kreuz und Joch. Sei die Blume, die zertreten, Da sie eben blüht, Wieder grünt und blüht von vornen; Trag am Haupte still die Dornen, Und die Rosen im Gemüt!

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Wie die Gans durch ihr Geschnatter, das Schaf durch sein Blöken niemanden erschreckt, so soll auch die Stimme der unvernünftigen Menge auf dich keinen Eindruck machen!

Epiktet, Fragmente. Nr. 85. Übersetzt von Hans Stich, 1884

Nicht auf immer kann sich verirren, wer den Pfad inbrünstiger Liebe wandelt; später oder früher, einmal wird er sich wiederfinden, still und ruhig in dem Schoß göttlicher Liebe.

Frenzel, Lucifer. Ein Roman aus der Napoleonischen Zeit, 5 Bde., 1873

An die Liebe Wenn deine Göttermacht, o Liebe, Aus der Verbannung Nebeltal Zur Sternenwelt uns nicht erhübe, Wer trüge dann des Lebens Qual? Ins Reich der Unermeßlichkeiten, Bis wo die letzte Sphäre klingt, Folgst du dem Fluge des Geweihten, Wenn er dem Staube sich entschwingt! Und stürzt, umwogt von Feuerfluten, Der Erdball selbst ins Grab der Zeit, Entschwebst, ein Phönix, du den Gluten; Dein Nam ist Unvergänglichkeit.

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Kind, Jugend, Schönheit, Lust entschwindet, Nur Liebe blüht ein ew'ger Mai.

Arndt, E. M., Gedichte. Stammbuchblätter und Sprüche

Entflohen ist ihm nie, dem Gott der Liebe, ein Mädchen.

Theokrit, Idyllen (Eidyllia)

Heute lieb, morgen leid, das ist der Welt Unstetigkeit.

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Aus dem Traktat »De Amore« des Andreas Capellanus (in der niederdeutschen Bearbeitung von Eberhard Cersne um 1400): "Nuwe liebe trybit dye alden hyn". In Lillis Übersetzung: "Liebe ist, wenn einem ein anderer besser gefällt".

Hagemann, Aphorismen zur Liebesweisheit, 1921

Wir wissen von großen Verführern (Heliogabal, Aretino, Casanova, Cagliostro, Marquis de Sade, Abbé Galiani) und großen, meist gekrönten Kurtisanen (Kleopatra, Semiramis, Messalina, Lukrezia Borgia, Katharina, Ninon de Lenclos). Von großen Liebespaaren aber wissen wir nichts. Sie sind ebenso selten wie die Meisterwerke auf allen anderen Gebieten der Kunst.

Hagemann, Aphorismen zur Liebesweisheit, 1921