Liebe Sprüche – zeit
262 Sprüche gefunden
Liebe und Lust Flügel hat die Liebe, Flügel hat die Lust, Blind ist stets die Liebe, Blind ist auch die Lust, Wunden schlägt die Liebe, Wunden schlägt die Lust, Kurze Zeit währt Liebe; Bald erstirbt die Lust, Darum hält für Liebe Öfters man die Lust.
Chronik der Liebe Der Jugend Lenz entblüht den schönsten Trieben, Es heischet ihr Gebot: du sollest lieben! Der Lenz entflieht, im Herzen steht's geschrieben, Du hast geliebt; nie sollst du wieder lieben! Wem die Erinn'rung frühern Glücks geblieben, Der sehnet sich nach einem zweiten Lieben: Er wählt von Sehnsucht und von Wahn getrieben, Und sieht, ein eitles Hoffen war's – kein Lieben! Das Leben welkt; er blicket bang nach d'rüben! Und jenseits winkt verklärt sein erstes Lieben.
Feierlich, in wunderbarem Frieden Feierlich, in wunderbarem Frieden, ziehen die Gestirne ihre Bahn. Warum ist mir Ruhe nicht beschieden? Quält mich Reue? Plagt mich eitler Wahn? Nein, nichts such ich, was ich einst besessen, und was war, das hab ich nie bereut. Ruhen will ich und mich selbst vergessen – wunschlos ruhn in alle Ewigkeit. Doch nicht jenen Schlaf in Grabestiefe suche ich in kalter, dunkler Gruft. Atmen soll die Brust, als wenn ich schliefe, atmen will ich warme Sommerluft. Einer süßen Stimme will ich lauschen, die mir Tag und Nacht von Liebe singt. Über mir soll eine Eiche rauschen, die um meinen Schlaf die dunklen Zweige schlingt.
Man sieht wunderliche Dinge, wenn das Blut in Wallung ist.
Das zerbrochene Herz Von Sinnen ist, wer je erklärt, Er sei verliebt schon stundenlang: nicht, weil solang Liebe nicht währt – Nein, weil sie zehn in kürzerer Zeit verschlang! Wer glaubt mir, schwör ich noch so fest, Ein Jahr schon litt ich an der Pest? Und wer lachte nicht lauthals, wenn ich sag, Ich sah ein Pulverfaß, das brannte einen Tag? Welch armes Ding ist doch ein Herz, Fällt es der Liebe in die Hand! Ja, Platz läßt jeder andere Schmerz Für andere Schmerzen – sie nur packt uns ganz. Die andern nahn sich sacht – sie reißt Den Schlund auf, und wir sind verspeist! Wie Kettenkugeln mäht sie unsere Reihn: So kleine Fische sind die Herzen diesem Hai. Wenns anders wär, sag mir, wo blieb Mein Herz, als ich dich erstmals sah? Ich nahm ein Herz ins Zimmer mit, Und als ich fortging, war es nicht mehr da. Bei dir kann es nicht sein, denn dann Hätt mein Herz deinem lieb getan, Und es erweicht. Die Macht der Liebe wars: Ihr erster Schlag zerschlug mein Herz wie Glas.
Wir wähnen uns geliebt, und sind über Nacht vergessen, und eine Laune ruft uns zurück.
Es kommt zu spät, was du mir lächelst, Was du mir seufzest, kommt zu spät! Längst sind gestorben die Gefühle, Die du so grausam einst verschmäht. Zu spät kommt deine Gegenliebe! Es fallen auf mein Herz herab All deine heißen Liebesblicke, Wie Sonnenstrahlen auf ein Grab. Nur wissen möcht ich: wenn wir sterben, Wohin dann unsre Seele geht? Wo ist das Feuer, das erloschen? Wo ist der Wind, der schon verweht?
Was frag' ich nach Zeit und Stunde Was frag ich nach Zeit und Stunde, Wenn an deiner Brust ich lieg' – Wenn ich küsse von deinem Munde Der Liebe süßseligen Sieg! Wenn ich küsse die weißen Brüste, Den knospenden, schwellenden Leib – Was frag' ich nach Zeit und Stunde, Bei solch holdem Zeitvertreib! … Was frag' ich nach Zeit und Stunde, Rast' ich auf Linnen, schneeweiß, Bei dir und trink' dir vom Munde Der Liebe süßseligen Preis! Da füllt mich ein großes Genügen, Mein wildes Begehren versinkt… Was frag' ich nach Zeit und Stunde, Wenn die Welt wie verschollen mich dünkt! …
Das ganze Vergnügen an der Liebe beruht schließlich auf dem Wechsel.
Heut' ein Jahr ist's, heut' ein Jahr ist's … Heut' ein Jahr ist's, heut' ein Jahr ist's, Daß du wurdest meine Braut! Heut' ein Jahr ist's, daß dein erster Kuß am Munde mir getaut. O wie war so süß berauschend Dazumal dein Kuß: jedoch – Wer mag's glauben, wer mag's glauben? Heut' ist er viel süßer noch. Wie vom Wind erfaßt den Falter, Sehen wir die Zeit entflieh'n, Sichtbar schwindet hin das Leben, Sichtbar welket es dahin. Mag's verblühn in Gottes Namen! Wahrlich, es betrübt mich kaum; Nicht verloren geht, was nieder Fällt von meinem Lebensbaum: Was da abstirbt mir vom Leben, Rasch als Liebe aufersteht … Denn sie wächst im selben Maße, Als das Leben mir vergeht!
An Mauern hin Es geht ein alter Weg entlang An wilden Gärten und einsamen Mauern. Tausendjährige Eiben schauern Im steigenden fallenden Windgesang. Die Falter tanzen, als stürben sie bald, Mein Blick trinkt weinend die Schatten und Lichter. Ferne schweben Frauengesichter Geisterhaft ins Blau gemalt. Ein Lächeln zittert im Sonnenschein, Indes ich langsam weiterschreite; Unendliche Liebe gibt das Geleite Leise ergrünt das harte Gestein.
Alter Park In der Altstadt, die nur so heißt, – denn, wo einst Winkelgäßchen gekauert, dünstig vom Mittelalter umschauert, dehnen Zinshausstraßen sich dreist, – Eine Oase, die jedes Aug' preist: Uralte Bäume, ein Garten ummauert, haben Jahrhunderte überdauert bei der Kapelle zum heiligen Geist. Aus dem Rasen – fern Stadtlärm und Hast! ragen verstreut zu der Bäume Füßen schräge Steinplatten, grau und bemoost. Gern hält Liebe hier Abendrast; die fühlt hier dankbar des Lebens Grüßen, ahnt nicht, daß sie auf Friedhofsgrund kost.
Was die Götter nicht wissen Ares und Aphrodite ruhten auf rosigem Wolkenpfühl, kosten, träumten und warfen zeitweise dem Getriebe der Lebewesen auf der rollenden Kugel Erde einen lässigen Blick zu. Nun aber ging dort etwas vor, das die regere Aufmerksamkeit der Schaumgeborenen erweckte und ihr zu denken gab. Ihre Stirn umflorte sich; sie schloß den olympischen Heros fester an ihr Herz und fragte: »Wie lang wird unsere Liebe dauern? Was meinst du wohl?« Ares küßte ihre ambrosischen Lippen. »Das weiß ich so wenig, wie du es wissen kannst, himmlische Spenderin seligster Stunden«, sprach er, »und kein Gott weiß es.« »Nun denn, schau und höre!« Sie deutete mit der Hand auf vier Erdbewohner, von denen zwei, zärtlich umschlungen, dahinwallten, zwei, Flügel an Flügel geschmiegt, sich in der Luft wiegten: ein Menschenpaar und ein Paar Eintagsfliegen, und beide Pärchen, Menschen und Eintagsfliegen, schwuren einander feurig, aus tiefinnerster, jubelvoller Überzeugung – ewige Liebe. Der Gott und die Göttin lächelten, ein bißchen ironisch, ein bißchen wehmütig: »Eigentlich – beneidenswert!« sagten sie.
Kann, was das Herz so tief empfand, Gleich einem Traum entschweben? Verfliegt das heiligste Gefühl? O eitles, eitles Leben!
O harte Sterne! Nie versöhnte, rauhe Welt! Kaum rastet einmal seelig in der Liebe Zelt Das müde Herz, von sehnlicher Begier geschwellt, – Da, horch, der Karawanenglocke Stimme gellt, Und wieder in das weite, wüste, wilde Feld Des Lebens ist die heißbethränte Fahrt gestellt.
Schönheit Schönheit stirbt in der Masse; sie wird im Maße geboren; Aber das Schönste doch ist das Unermeßliche mir.
Wir fieberhaften, von eignen und von fremden Mängeln abgetriebnen und von ewigem Sehnen wieder zusammengeführten Menschen, in welchen eine Hoffnung von fremder Liebe nach der andern verdürstet, und in denen die Wünsche nur zu Erinnerungen werden!
Amor fati Als ich ins Licht der Sonne sprang, stand meines Lebens Zickzackgang schon unzerstörbar vorgeschrieben; nun springe ich die Wege lang und fange diesen Zickzackgang wahrhaftig leise an zu lieben – doch dieser letzte Zickzackgang und lendenlahme Liebessang ist eben auch schon vorgeschrieben.
Nie versteht ein Liebender, daß was gewesen ist, einst nicht mehr gelten kann – es war doch aber einmal!
Der Glanz ist öde, der Ruhm ist kalt, Ohne der Liebe Allgewalt.
Das war die Zeit Du willst's, so sei der Schwur erneuert, Vergessen sei, was uns entzweit, Zu höchst und aber höchst beteuert Sei unsrer Liebe Innigkeit! Doch was vom sichern Port gesteuert Uns einst in Hohe See voll Leid, – Das war die Zeit, mein Kind, die Zeit! Das war ein eifrig Phrasensammeln, Um an des Fühlens Ewigkeit Den Glauben in uns aufzusammeln, Und doch, nach wen'ger Jahre Streit, So wie aus Kindermund ein Stammeln, Erschien die Überschwenglichkeit. – Das that die Zeit, mein Kind, die Zeit! An Leib und Seele umgestalten Kann uns der Jahre Flüchtigkeit, Ei, hielten wir es noch im Alten, Dir stünd' die Thräne nimmer weit, Du ziehst die Stirne nur in Falten Und deren Spur, sie macht sich breit, – Das that die Zeit, mein Kind, die Zeit! Nicht umzudeuten, nicht zu brechen. In dieses Lebens Wechselstreit Ist nur ein einziges Versprechen, Ist nur ein einz'ger heiliger Eid: Verheisset Nachsicht allen Schwächen Und schwört Erbarmen jedem Leid, – Das trifft zur Zeit, zu aller Zeit! O, schwöre nicht, verlang kein Schwören. Des Augenblickes Lieblichkeit Verhänge nicht mit Trauerflören. O, zwinge nicht in bangem Leid Auf jenen leisen Schritt zu hören, Mit dem sich naht und uns entzweit, – Wie einst, die Zeit, mein Kind, die Zeit !