Schicksal Sprüche

Sprüche über Schicksal

628 Sprüche in dieser Kategorie

Und das Verdrießliche dabei ist, daß alle dergleichen Ahnungen, Inspirationen, Fingerzeige von oben, Warnungen durch Träume und Erscheinungen zu gar nichts helfen; denn die Sache geschieht deswegen doch.

Diderot, Jacques der Fatalist und sein Herr (Jacques le fataliste et son maître), entstanden 1765-84, erschien posthum 1796

Wen das Schicksal schwarz strich, den kann die Zeit nicht mehr weiß machen.

Oesch (Hg.), Portugiesische Sprichwörter, ausgewählt und übersetzt von Will A. Oesch, Zürich 1945

Es gibt Fälle im Leben, wo es einem so recht ersichtlich wird, daß Gottes Vorsehung getreulich über uns waltet und uns kein ander Maß zuteilt, als unsere Kräfte zu tragen fähig sind.

Jensen, Das Erbteil des Blutes. Erzählung, 1870

Hobellied Da streiten sich die Leut' herum wohl um den Wert des Glücks; der eine heißt den andern dumm; am End' weiß keiner nix. Da ist der allerärmste Mann dem andern viel zu reich! Das Schicksal setzt den Hobel an und hobelt alles gleich. Die Jugend will halt stets mit G'walt in allem glücklich sein; doch wird man nur a bisserl alt, dann find't man sich schon drein. Oft zankt mein Weib mit mir, oh Graus! Das bringt mich nicht in Wut. Da klopf' ich meinen Hobel aus und denk: Du brummst mir gut! Zeigt sich der Tod einst, mit Verlaub, und zupft mich: Brüderl, kumm! Da stell' ich mich im Anfang taub und schau mich gar net um. Doch sagt er: Lieber Valentin, mach' keine Umständ', geh! Da leg' ich meinen Hobel hin und sag' der Welt Ade!

Raimund, Der Verschwender, 1834

Aus Argzugerichteten werden Erfahrene.

Oesch (Hg.), Portugiesische Sprichwörter, ausgewählt und übersetzt von Will A. Oesch, Zürich 1945

Aufgebung Ich lasse das Schicksal los. Es wiegt tausend Milliarden Pfund; Die zwinge ich doch nicht, ich armer Hund. Wie's rutscht, wie's fällt, Wie's trifft – so warte ich hier. – Wer weiß denn vorher, wie ein zerknittertes Zeitungspapier Weggeworfen im Wind sich verhält? Wenn ich noch dem oder jener (zum Beispiel dir) Eine Freude bereite, Was will es dann heißen: »Er starb im Dreck«? – Ich werfe das Schicksal nicht weg. Es prellt mich beiseite. Ich poche darauf: Ich war manchmal gut. Weil ich sekundenlang redlich gewesen bin. – Ich öffne die Hände. Nun saust das Schicksal dahin. Ach, mir ist ungeheuer bange zumut.

Ringelnatz, J., Gedichte. Reisebriefe eines Artisten, 1927

Die höchste Lebensanschauung ist die, sein Schicksal nicht nur ohne Murren, oder mit einer bloß passiven Geduld, sondern mit freudiger Zuversicht, daß es das Richtige sei, entgegennehmen zu können.

Internet

In großen Zeiten verschwindet alles kleine Leid und alle Einzelklage um eigenes Schicksal.

Auerbach, Waldfried. Eine vaterländische Familiengeschichte in sechs Büchern. Roman, 3 Bde., 1874

Es ist besser, sein Kreuz zu tragen als zu schleppen.

Hertz (Hg.), Worte der Weisen aus allen Völkern und Zeiten, 1886

Ich bin eines Singenden Stimme in dunklen, tiefen Schächten, dort hört kein Ohr, ist alles echolos, bin ein irrendes Licht überm See in gespenstigen Nächten, ein Trugschein, der im Dunkel lischt: in einem feuchten Schoß. Ich bin ein treibendes Blatt in des Herbstes leeren Reichen, ich wirble hin, der Sturm läßt mich nicht ruhn. Ob ich hafte am Berg, ob versinke in grundlosen Teichen, das weiß ich nicht, mich kümmert's nicht – kann nichts dagegen tun.

Internet

Es soll keiner den anderen um sein Los beneiden, es soll aber auch keiner den anderen für das seine – wenn es ihm zu schwer wird – verantwortlich machen.

Vogel, Im zeitlosen Strome. Randbemerkungen des Lebens, 1913

Das Schicksal tut doch rein mit die Menschen, was es will; da kann man was sagen von einer Tyrannei. Nach den Grundsätzen des Fortschritts, sollt' es schon lang gar kein Schicksal mehr geben.

Internet

Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zutage kommt, wenn sein Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Wer das Schicksal erklären soll, der muß ebenso zweideutig wie das Schicksal sein.

Kierkegaard, Der Begriff Angst (Begrebet Angest), veröffentlicht unter dem Pseudonym Vigilius Haufniensis (der Hüter Kopenhagens) 1844

Es gibt Menschen, die durch kleine Zwischenfälle aus dem Gleichgewicht geraten können, während sie die großen Schläge standhaft ertragen.

Prudhomme, Intimes Tagebuch und Gedanken

Wahl, meine Mutter? Ists Wahl, wenn des Gestirnes Macht den Menschen Ereilt in der verhängnisvollen Stunde?

Schiller, Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder. Ein Trauerspiel mit Chören, 1803. Don Cesar

Kein Schicksal gibt's; es gibt nur Mut und Willen; sei stark durch dich, so ist die Palme dein.

Internet

Siege und Staatsumwälzungen gehen aus dem unendlichen Planen der Vorsehung hervor. Wir dürfen uns nicht länger dawider sträuben.

Internet

Es ist eine sprichwörtliche Redensart, daß jeder sich das seinige [Schicksal] schafft, und man pflegt das so zu nehmen, daß er es sich durch Vernunft oder Unvernunft gut oder schlecht bereitet. Man kann es aber auch so verstehen, daß, wie er es aus den Händen der Vorsehung empfängt, er sich so hinein paßt, daß es ihm doch wohl darin wird, wieviel Mängel es darbieten möge.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 6. September 1825

Ein höherer Wille lenkt die Dinge. Es gibt wunderbare Geschicke, in die der Mensch nicht eingreifen soll.

Frenzel, Lucifer. Ein Roman aus der Napoleonischen Zeit, 5 Bde., 1873

Es ist ein gewagtes Ding, die Vorsehung eines andern sein zu wollen, denn alle menschliche Berechnung trügt und die beste Absicht ist nicht Bürge für den Ausgang.

Hillern, Ein Arzt der Seele, 4 Bde., 1869