Schicksal Sprüche

Sprüche über Schicksal

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Ich habe gebangt um dich Ich habe gebangt um dich. Ich wäre so gern für dich gegangen. – Du hättest im gleichen Bangen Dann gewartet auf mich. Ich hörte nicht mehr, Und ich sah auch nicht. Ein Garnichts floh vor mir her, Gefrorenes Licht. Nun atmet mein Dank so tief, Und die Welt blüht im Zimmer. – Daß alles so gnädig verlief, Vergessen wir's nimmer!

Ringelnatz, J., Gedichte. Gedichte dreier Jahre, 1932

Ganz einfach gesprochen, man kann sich zu den Dingen, die einem widerfahren oder die man tut, mehr allgemein oder mehr persönlich verhalten. Man kann einen Schlag außer als Schmerz auch als Kränkung empfinden, wodurch er unerträglich wächst; aber man kann ihn auch sportlich aufnehmen, als ein Hindernis, von dem man sich weder einschüchtern noch in blinden Zorn bringen lassen darf, und dann kommt es nicht selten vor, daß man ihn überhaupt nicht bemerkt.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Und da wir doch von Schicksal gesprochen haben, es ist so, als hätte man zwei Schicksale: ein regsam-unwichtiges, das sich vollzieht, und ein reglos-wichtiges, das man nie erfährt.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Weltlauf Man denkt wohl hin und her: Manches könnt' besser sein – Dies zu leicht – das zu schwer – Gross oder klein. Manchmal zu still die Welt. Manchmal zu toll – Manchmal fehlt Gut und Geld – Nichts geht wie's soll: Durst und kein Tropfen Wein – Käs' und kein Brot – Zahnschmerz und Liebespein – Ueberdruss – Noth! Dieser wird wild darob, Strampelt und schreit; Wird wie ein Wüthrich grob – Schafft sich nur Leid. Jener, der winselt drum. Jammert und acht, Weint viele Thränen drum, Seufzt Tag und Nacht. Und die Welt, wie sie will, Geht ihren Lauf – Hält sie kein Toben still – Weinen nicht auf! Was man nicht ändern kann. Wie es auch zwickt – Der ist am Besten dran, Der sich drein schickt!

Seidel, Glockenspiel. Gesammelte Gedichte, 1889. II. Nachdenkliches und Beschauliches. Originaltext

Haben wir ein Schicksal? Sind wir frei? Wie ärgerlich, das nicht zu wissen! Wieviel Ärger aber erst, wüssten wir es.

Renard, Ideen, in Tinte getaucht (aus den Tagebüchern 1887-1910), 1925

Maßstab des Weltgeschehens ist das eigene Schicksal. Dem Menschen ist keine andere Möglichkeit gegeben, das Weltall und seine geheimnisvolle Struktur zu erkennen, als: das eigene Leben, das ein Teil dieses Weltalls ist, den eigenen Lebenstrieb zu belauschen.

Holitscher, A., Essays. Vor einem Bild des Bauern-Brueghel

Was bieten die Menschen nicht alles auf, um dem Unausweichlichen auszuweichen!

Weiß, So seid Ihr! Erste Folge, 1906

Die Ereignisse lehren uns oft, dass wir nichts von ihnen lernen.

Weiß, So seid Ihr! Erste Folge, 1906

Verschmerzen werd ich diesen Schlag, das weiß ich; Denn was verschmerzte nicht der Mensch!

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Tod, 1799. 5. Akt, 3. Auftritt, Wallenstein

Entweder sei Prometheus oder Psyche, entweder schaffe oder liebe; in beiden Fällen besiegelst du das Schicksal.

Sylva, Vom Amboß, 1890

Versetzt dir 's Schicksal Stich auf Stich, Nimmt 's noch so scharf dich unter's Messer, Dann, Schwergeprüfter, tröste dich: Geschor'ne Haare wachsen besser.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Nicht die Größe der Schicksale, sondern die Größe in ihrer Bewältigung macht den Wert des Jahres aus.

Merian (Hg.), Und dennoch. 365 deutsche Gedanken, auch Gedichte, Verlag Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1940

Das Geschick wird nicht müde, mich zu verfolgen. Aber auch ich will nicht müde werden, ihm die Stirn zu bieten.

Gespräche Friedrichs des Großen mit Henri de Catt, 1885

Sich mit Würde ins Unvermeidliche schicken ist nur dann eine heilige Handlung, wenn man alles getan hat, es zu vermeiden; sonst wird die Ehrfurcht vorm Schicksal leicht zur Pose, mit der wir unsre Bequemlichkeit, unsre Herzensträgheit maskieren.

Dehmel, R., Briefe

Mein Schicksal ist ein dicht gestricktes Netz; zerreiß ich eine Masche, zerstör ich hundert.

Gött, Gedichte, Sprüche, Aphorismen (in: Gesammelte Werke, 1. Band), hg. von Roman Woerner 1910

Lassen Sie den Schicksalsfaden leise laufen, wie er läuft, ohne ihn reißen und aufhalten zu wollen: so geht er desto sichrer seinen Gang, und findet sich wieder in unsre Hand, vielleicht wenn wir's am wenigsten gedenken und hoffen.

Herder, J. G., Briefe. An Karoline Flachsland, 20. April 1771

Glücklich, daß das Schicksal, das uns quälet, uns doch nicht verändern mag!

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. An Charlotte von Stein. Aus: Warum gabst du uns die tiefen Blicke, 1776, Erstdruck 1848

Ich sage mir, daß so wenig alles Schlimme, was man befürchtet, wie alles Gute, was man erhofft, buchstäblich eintrifft; man muß von beidem viel abziehen.

Friedrich II. (der Große), Briefe. An d'Argens, April 1761

Grüble nicht über dein Schicksal nach. Das Los ist geworfen. Nimm es denn, wie es fiel. Bild' es zum Bessern aus.

Bouterwek, Neue Vesta. Kleine Schriften zur Philosophie des Lebens und zur Beförderung der häuslichen Humanität, hg. von Fr. Bouterwek, 11 Bde., 1803-1810

Menschenloos Fürwahr, wir sind ein glückliches Geschlecht! Denn wahrlich, wahrlich, deut ich's recht, Sind wir nicht mehr als die Tiere auch, Die der Mensch gezähmt zu seinem Gebrauch: Ich möcht mit dem Sturm durch die Erde jagen, Eichen entwurzelnd, Meere zerwühlend, Und zuletzt an zackigem Felsengeklüfte Die nackte Gespenterstirn zerschlagen, Daß es von Kluft zu Kluft Widerhalle in Ewigkeit ...

Scharf, Gesammelte Lyrik und Prosa. Mit einer Auswahl aus dem Briefwechsel und einer Rezension von Eduard v. Keyserling, hg. von Walter Hettche, Aisthesis Archiv 16, Aisthesis Verlag 2011. Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Aisthesis Verlags. Lieder eines Menschen (1892)

Nicht immer schließt wie auf der Bühne Das Schicksal mit vollkommnem Schluß, Nicht immer findet Schuld die Sühne, Die Liebe süßen Todeskuß. Viel öfter wird ein Herz zersplittert, Und Leid wie Lust stirbt Jahr um Jahr, Wie Bild und Schrift zuletzt verwittert, Und Traum wird, was Erinn'rung war.

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