Schicksal Sprüche – zeit

277 Sprüche gefunden

Aktive Filter: Schicksal zeit

Jedes uns erzählte Menschenleben hat etwas Erbärmliches, Eingeschränktes. Wir wundern uns, als müss ein gehörtes anders sein als ein geführtes.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Mai 1799

Schicksal nennt man die zusammengerechneten Fehler, die ein Mensch gemacht hat.

Internet

Das Himmlische, Ewige wird in den Körper irdischer Absichten eingesenkt und zu vergänglichen Schicksalen mit fortgerissen.

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 1811, 3. Teil, 14. Buch

Das ist das Fatum, jene verhängnisvolle Macht, die hindert, daß die Sehnsucht nach Glück zum Ziel gelangt, die eifersüchtig darüber wacht, daß Wohlergehen und Ruhe nicht vollständig und ungetrübt sind, die wie ein Damoklesschwert über dem Haupt schwebt und unentwegt die Seele vergiftet. Diese Macht ist unüberwindlich, und man bezwingt sie nie. Es bleibt nur, sich zu unterwerfen und vergeblich zu klagen.

Tschaikowsky, Briefe. Über seine 4. Symphonie am 17. Februar 1878

Alles ist zu ertragen, was nur einen Augenblick dauert. Aber ist denn das Leben nicht bloß aus Augenblicken zusammengestellt? Sagst du dagegen: »Viele Augenblicke machen doch eine Stunde«, so antworte ich: kommt der zweite Augenblick, so ist der erste vorüber; und so weiter; und so machen sie nie eine Stunde.

Jean Paul, Museum, 1814. VII. Bruchstücke aus der »Kunst, stets heiter zu sein«

Man muß dem Schicksal auch eppa übriglassn.

Internet

Das Urverhängnis aller Dinge Liegt weislich in dem großen Ringe Durch lange Folgen von Notwendigkeit, Und nichts wird – wenn auch schwache Seelen Mit Gram sich bis zur Folter quälen – Im Schicksal anders eingereiht.

Seume, J. G., Gedichte. Aus: Gebet, 1804

Es gibt Gezeiten im Geschick der Menschen, die, wird die Flut genutzt, zum Glück hinführen, wird sie verfehlt, so bleibt des Lebens Reise in Untiefen und Widrigkeiten stecken. Jetzt schwimmen wir auf einer hohen Woge und müssn, wenn sie naht, die Strömung nutzen, wollen wir nicht scheitern.

Internet

Wir schaffen ja nichts mit unserer starrenden Schwermut, also bestimmten die Götter der elenden Sterblichen Schicksal, lange in Gram zu leben.

Internet

Groll nicht den Wechseln des Schicksals; denn das Schicksal hasst alle Grollenden. Ertrag in Geduld seine Schläge; denn alle Dinge nehmen ein Ende. Wie viele wonnige Freuden kleiden sich in Leid! Und Fröhlichkeit naht, wo du Unheilsschläge schaust.

Internet

Nicht umzukehren ist des Schicksals Spruch.

Internet

Nicht ohne Schauder greift des Menschen Hand In des Geschicks geheimnisvolle Urne.

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Tod, 1799. 1. Akt, 4. Auftritt, Wallenstein

Das Schicksal nimmt manchmal, um uns nicht zu erschrecken, die Miene des Zufalls an.

Nestroy, Nachlass

Nenne nicht das Schicksal grausam, Nenne seinen Schluß nicht Neid! Sein Gesetz ist ew'ge Wahrheit, Seine Güte Götterklarheit, Seine Macht Notwendigkeit. Blick umher, o Freund, und siehe Sorgsam, wie der Weise sieht! Was vergehen muß, vergehet; Was bestehen kann, bestehet; Was geschehen will, geschieht.

Herder, J. G., Gedichte. Aus: Die Schwestern des Schicksals

Indem wir etwas beim Namen nennen, verliert es an Macht über uns.

Bahr, Kritik der Gegenwart. Tagebücher vom 16. November 1919 bis 14. Dezember 1920, Augsburg 1922

Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts, als mutig gefaßt die Zügel festzuhalten, und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze da, die Räder wegzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam.

Goethe, Egmont, 1788. 2. Akt, Egmont zum Sekretär

Tragische Geschichte 's war einer, dem's zu Herzen ging, Daß ihm der Zopf so hinten hing, Er wollt es anders haben. So denkt er denn: wie fang ich's an? Ich dreh mich um, so ist's getan – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Da hat er flink sich umgedreht, Und wie es stund, es annoch steht – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Da dreht er schnell sich anders 'rum, 's wird aber noch nicht besser drum – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Er dreht sich links, er dreht sich rechts, Es tut nichts Guts, es tut nichts Schlechts – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Er dreht sich wie ein Kreisel fort, Es hilft zu nichts, in einem Wort – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Und seht, er dreht sich immer noch, Und denkt: es hilft am Ende doch – Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Internet

Schicksal! wir wollen sehn, was dir beliebt. Wir wissen, daß wir sterben werden; Frist Und Zeitgewinn nur ist der Menschen Trachten.

Shakespeare, Julius Cäsar, Erstdruck 1623

Der Himmel gibt die Gunst des Augenblicks. Wer schnell sie faßt, wird Meister des Geschicks.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Jedes Willkürliche, Zufällige, Individuelle kann unser Weltorgan werden. Ein Gesicht, ein Stern, eine Gegend, ein alter Baum usw. kann Epoche in unserm Innern machen. Dies ist der große Realism(us) des Fetischdienstes.

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Religiöse Fragmente

Es kann ja nicht immer möglich sein, Daß alles sich glücklich ende – Und wenn die Sonne am höchsten steht, Kommt immer die Sonnenwende.

Brackel, Die Tochter des Kunstreiters, 1875