Sterben Sprüche – sinn

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Nimm an, dein Leben sei ganz nach Wunsch gewesen – was dann? Und wenn das Lebensbuch nun ausgelesen – was dann? Nimm an, du lebtest in Freuden hundert Jahr – nimm meinthalb an, es seien zweihundert gewesen – was dann?

Chayyam, Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (Rubaijat-i-Omar-i-Khajjam), übersetzt von Friedrich Rosen 1909

Die Furcht vor dem Tod, die den Menschen eingeprägt ist, ist zugleich ein großes Mittel, dessen sich der Himmel bedient, sie von vielen Untaten abzuhalten, vieles wird aus Furcht vor Lebensgefahr oder Krankheit unterlassen.

Lichtenberg, Sudelbuch A, 1765-1770. [A 40]

Die Furcht zu sterben sollte für viele Menschen geringer sein, als noch einmal zu leben.

Petit-Senn, Blüthen und Knospen (Bluettes & Boutades). Frei bearbeitet von Franz August Stocker, 1861

Ich kenne eurer Weisheit bittern Kern, und doch-ich kann den Wahn nicht meiden. Ich lebe einmal für mein Leben gern und kann das Sterben auf den Tod nicht leiden.

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Eine Maus fiel einst in einen unbedeckten Topf von Suppe. Schon vom Fett erstickt, sprach sterbend sie noch dies: "Gegessen hab ich und getrunken und genossen alle Lust. Jetzt ist die Zeit zum Tod."

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Es wäre interessant zu sterben, d.h. aufzuhören Körper zu sein und nur Geist zu werden. Aber der Mensch, ungeduldig alles Neue zu ergründen, ist nur auf dies eine nicht neugierig.

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Menschlich zu sterben, zu sterben mit dem Bewußtsein, daß du im Tode deine letzte menschliche Bestimmung erfüllst, zu sterben also im Frieden mit dem Tode – das sei dein letzter Wunsch, dein letztes Ziel. Dann triumphierst du auch noch im Tode über den üppigen Traum der christlichen Unsterblichkeit.

Feuerbach, Gedanken über Tod und Unsterblichkeit, Erstdruck 1830 (anonym). Der rationalistische oder ungläubige Unsterblichkeitsglaube

Es ist nicht dasselbe, ob jemand lebt, um zu sterben, oder ob jemand stirbt, um zu leben. Der heidnische Philosoph hascht noch im Sterben nach Beifall; der Apostel stirbt ständig, um in die Herrlichkeit einzugehen.

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Wer einmal völlig begriffen hat, daß er sterblich ist, für den hat eigentlich die Agonie schon begonnen.

Schnitzler, Aphorismen und Betrachtungen, 1967

Wer nicht gewacht hat, kann nicht schlafen; Wer nicht gelebt hat, kann nicht sterben.

Rückert, Gedichte. Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenlande, 2 Bde., 1836-39. Vierzeilen

Zweimal kann niemand, einmal muss jeder sterben.

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Sterben ist die letzte Dummheit, die wir begehen.

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Sterben heißt, den Tod am eigenen Leib erfahren.

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Ja wohl ist sie im Schatten [diese Erde]. Aber der Mensch ist höher als sein Ort: er sieht empor und schlägt die Flügel seiner Seele auf, und wenn die sechzig Minuten, die wir sechzig Jahre nennen, ausgeschlagen haben: so erhebt er sich und entzündet sich steigend, und die Asche seines Gefieders fället zurück, und die enthüllte Seele kömmt allein, ohne Erde und rein wie ein Ton, in der Höhe an – – Hier aber sieht er mitten im verdunkelten Leben die Gebirge der künftigen Welt im Morgengolde einer Sonne stehen, die hienieden nicht aufgeht: so erblickt der Einwohner am Nordpol in der langen Nacht, wo keine Sonne mehr aufsteigt, doch um zwölf Uhr ein vergüldendes Morgenrot an den höchsten Bergen, und er denkt an seinen langen Sommer, wo niemals untergeht.

Jean Paul, Leben des Quintus Fixlein, 1796. Mußteil für Mädchen. 2. Der Mond

Es kommt sehr viel darauf an, ob man das Leben verlängert oder das Sterben.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 58. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Plurimum enim refert, vitam aliquis extendat an mortem

Nicht der Tod, sondern das Sterben beunruhigt mich.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum). I, 19

Man stirbt nicht, wenn man in den Herzen Der Menschen weiterlebt, die man verläßt.

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Das Leben ist allen Tieren gemein, aber sterben kann nur der Mensch.

Börne, Werke. Historisch-kritische Ausgabe in zwölf Bänden, 1911-13. Aphorismen, 1810; Erstdruck in: Gedenkbuch zur vierten Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst, 1841

Er hatte den Willen zu leben, aber nicht mehr die Kraft.

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Für das Leben und für das Sterben Vier Dinge gibt es zu werben: Für das Leben ein Haus, ein Kleid und ein Brot Und Gottes Huld für den bitteren Tod.

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In der Tat also [...] trachten die richtig Philosophierenden danach zu sterben, und der Tod ist ihnen unter allen Menschen am wenigsten furchtbar.

Platon, Phaidon, entstanden um 380 v. Chr. 67e. Übersetzt von Friedrich Schleiermacher (1809)