Sterben Sprüche – sinn

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Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unsers Wesens ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu denken ist: die wahre, ursprüngliche Freiheit tritt wieder ein, in diesem Augenblick, welcher, im angegebenen Sinn, als eine restitutio in integrum betrachtet werden kann.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Zweiter Band. Ergänzungen zum vierten Buch. Kapitel 41. Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unsers Wesens an sich

Es ist besser, ein für allemal zu sterben, als in dauernder Erwartung des Todes zu leben.

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Man braucht so gute Gründe zum Leben, daß man keine zum Sterben braucht.

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Von Geburt an unruhige und ewig sich langweilend, wird er (der Mensch) nur des Lebens nicht überdrüssig; er möchte unaufhörlich leben. Krankheiten und Tod stoßen ihn ab von der Bekanntschaft mit einer anderen Welt. Alle Gewalt der Religion ist dazu erforderlich, ihn zum Nachdenken zu bewegen.

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Sterben müssen wir alle einmal. Unsterbliche gibt es nicht. Man kann die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen.

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Sind das Leben und der Tod des Sokrates das Leben und der Tod eines Weisen, so sind das Leben und der Tod Christi das Leben und der Tod eines Gottes.

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Wer nicht eh stirbt, als er stirbt, Der vertirbt, wann er vertirbt.

Logau, Sämmtliche Sinngedichte, 1872 (EA: 1654). Originaltext

Schatten sind des Lebens Güter, Schatten seiner Freuden Schar, Schatten, Worte, Wünsche, Taten; Die Gedanken sind nur wahr. Und die Liebe, die du fühlest, Und das Gute, das du tust. Und kein Wachen, als im Schlafe, Wenn du einst im Grabe ruhst.

Grillparzer, Der Traum ein Leben, 1840

Der Mensch gelangt an den Rand seines Grabes wie der Zerstreute an die Tür seines Hauses.

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Alles, was geboren wird, stirbt.

Quintilian, Anleitung zur Beredsamkeit (Institutio oratoria)

Sollte die Freiheit zu streben, die uns die Götter in allen Umständen des Lebens gelassen haben, sollte diese ein Mensch dem andern verkümmern können?

Lessing, Philotas. Ein Trauerspiel, Erstdruck 1759 (anonym), uraufgeführt 1774. 8. Auftritt, Philotas zu Strato

Wir verlieren das Leben mit Freuden, vorausgesetzt, daß man nicht darüber spricht.

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Sterben ist entsetzlich! Und leben ohne Ehre hassenswert!

Shakespeare, Maß für Maß (Measure for Measure), Erstdruck 1623

Der Todt Wann wir auß dieser Welt durch sterben uns begeben, So lassen wir den Ort; wir lassen nicht das Leben.

Logau, Sämmtliche Sinngedichte, 1872 (EA: 1654). Originaltext

Man fängt seine Testamente gewöhnlich damit an, daß man seine Seele Gott empfiehlt. Ich unterlasse dieses mit Fleiß, weil ich glaube, daß solche Rekommendationen wenig fruchten, wenn sie nicht durch das ganze Leben vorausgegangen sind, solche Rekommendationen sind Galgenbekehrungen; eben so leicht als unwirksam.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. [L 227]

Jeder Tod muß mit dem Leben aus einem Stück sein. Das Sterben macht uns nicht zu andern Menschen. Ich erkläre mir den Tod eines Menschen beständig aus seinem Leben.

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Es gibt Leute, die dem Geschick folgsam sind; ich bin nicht derartig, und wenn ich für andere gelebt habe, will ich für mich sterben.

Schröder (Hg.), Lichtstrahlen aus Friedrichs des Großen Schriften, gesammelt von Emilie Schröder, 3. vermehrte Auflage 1912 (EA: 1882). An den Marquis d'Argens, 28. Oktober 1760

Welcher Mann von Talent und Verdienst muß sich nicht von seiner Überflüssigkeit überzeugen, wenn er bedenkt, daß er nach seinem Tode eine Welt zurückläßt, die seinen Verlust nicht empfindet und ihn sofort durch irgendwelchen andern ersetzt.

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Von Diesseits nach Jenseits ist für schwärmerische Seelen nur ein Katzensprung.

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Ob Himmel dich, ob Hölle einst umschließt? Zur Richtschnur sei dir dies empfohlen: Wenn eine Träne dir beim Sterben fließt, Dem Klugen wird's eine Lehre sein.

Roderich, In Gedanken. Vers-Aphorismen, 1907

Der Anfang der Belohnung ist die Seelenruhe beim Sterben.

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