Sterben Sprüche – zeit
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Man stirbt in Glückes Fülle am vergangenen Leid.
Welcher Mann von Talent und Verdienst muß sich nicht von seiner Überflüssigkeit überzeugen, wenn er bedenkt, daß er nach seinem Tode eine Welt zurückläßt, die seinen Verlust nicht empfindet und ihn sofort durch irgendwelchen andern ersetzt.
Über den Tod kommt jeder leicht hinweg, aber mit dem Sterben ist's eine andere Sache.
Aber an Sterbebetten ist es doch wie ein Klugwerden, das verachtet und verläßt, was groß dünkt, um zu bewahren, was groß ist.
Letzte Einkehr Noch wandert er; doch hinter ihm schon liegen längst die blauen Berge; kurz ist der Weg, der noch zu gehn, und tief am Ufer harrt der Ferge*. Doch blinket schon das Abendrot und glühet durch das Laub der Buchen; so muß er denn auch heute noch wie sonst am Wege Herberg suchen. Die liegt in grünen Ranken ganz und ganz vom Abendschein umglommen; am Tore steht ein blondes Kind und lacht ihn an und sagt Willkommen. Seitab am Ofen ist der Platz; schon kommt der Wirt mit blankem Kruge. Das ist ein Wein! – So trank er ihn vor Jahren einst in vollem Zuge. Und endlich schaut der Mond herein von draußen durch die dunklen Zweige; es wird so still; der alte Mann schlürft träumerisch die letzte Neige. Und bei des bleichen Sternes Schein gedenkt er ferner Sommertage, nur halb ein lauschend Ohr geneigt, ob jemand klopf' und nach ihm frage. (*Fährmann)
Beim Sterben verstellt sich niemand, noch ist jemand arm.
Es ist kein Mensch so arm, Daß er nicht endlich sterben könnte.
Leitsatz Fürcht' nicht die Stunde, da du stirbst. Die Welt, o glaub's nur, kann dich missen. Kein Stern, um dessen Licht du wirbst, Wird mit dir in den Tod gerissen. Solang du lebst, wirst du gebraucht. Soll dich das Leben nicht vergessen, Sorg, dass die Tat nicht untertaucht, An der du deine Kraft gemessen. Leb, dass du stündlich sterben kannst, In Pflicht und Freude stark und ehrlich. Nicht dich – das Werk, das du begannst, Mach für die Menschheit unentbehrlich!
Das Sterben ist das letzte, was man anfangen kann.
Dämmerung Stille, stille! Der Tag ist vergangen, Tief drunten verklangen Die letzten Stimmen, Im Zwielicht schwimmen Höhen und Wald – Ein Atem weht, Ein zitternd' Gebet Ringsum im Kreise – Und eine Seele geht Auf die letzte Reise.
Lebensergebnis In angstvollen Nächten, Frierend und schaudernd, In Tagen, kalt und trostlos, Ist sie mir kund geworden, Die schreckliche Wahrheit; Hab' ich es kennen, Doch leider zu fassen nicht Gelernt, Das unerbittliche Gesetz; ohn' Erbarmen Ward er mir verkündet Mit ehernen Zungen, Unter Sturm und Klage, Der eisige Spruch der Parze: Du mußt, o Mensch! Begraben dein Liebstes, Oder du mußt, Du banger Geselle, Von deinem Liebsten Begraben dich lassen! – Von beiden welches Dünkt dir das Härt're? – Sinne und grüble In Tagen und Nächten Der Frage nach, Und schaudre und lerne Fassen und tragen Die schreckliche Wahrheit!
Es gibt Leute, die so grotesk sind, daß sie beim Sterben den Todesgedanken zu profanieren scheinen.
Es sei gleich morgen oder heut, Sterben müssen alle Leut.
Laß meines Lebens Herbst erst kommen, O Herr, wenn ich zu Nutz und Frommen Der Welt gewirkt auf meiner Bahn! Ruf' mich zu dir an jenem Tage, Wo ich mit Zuversicht mir sage: Wie ich gesollt, hab' ich gethan!
Ich starb als Stein und entstand als Pflanze Ich starb als Pflanze und entstand als Tier Ich starb als Tier und ward geboren als Mensch Weshalb sollte ich mich fürchten? Was habe ich durch den Tod verloren?
Einmal kommt für uns alle die Stunde, in der es kein Ausweichen mehr gibt, in der auch der nächste Freund an der Schwelle, die es zu überschreiten gilt, zurückbleiben muß, in der jeder ganz allein auf sich gestellt ist. Sterben ist von allen menschlichen Erfahrungen die einsamste. Denn selbst wo viele zugleich den Tod erleiden, stirbt doch jeder mit sich allein. Und wie könnten wir beruhigt auf diese dereinst mit Sicherheit uns bevorstehende Stunde zuschreiten, wenn wir hier und jetzt es ständig meiden wollen, allein zu sein? Stille Zeiten sind uns nötig, damit wir bei uns selber einkehren, in uns selber daheim sein lernen.
Doch wie du auch ein Ende nimmst, du kehrest zu den Göttern, kehrst ins heilge, freie, jugendliche Leben der Natur, wovon du ausgingst, und das ist ja dein Verlangen nur und auch das meine.
Wenn der Mensch nicht beizeiten von der Erde Abschied nimmt, so nimmt sie Abschied von ihm.
Alles Lebendige veraltet wie ein Kleid, denn es ist das uralte Gesetz: Du musst sterben!
Alles geht vorüber Auch dieses wird vorübergehen, Sei's Gram, sei's Lust, Wer kam, der nicht vorübergehen Zuletzt gemußt? Drum tröste dich in allen Wehen, Gib dich zur Ruh' – Wenn jene nicht vorübergehen, So gehest du.
Ein Sterbender Was ich gefehlt, deseinenbin ich frei; Gefangen gab ich niemals die Vernunft, Auch um die lockendste Verheißung nicht; Was übrig ist, – ich harre in Geduld. Auch bleib der Priester meinem Sarge fern; Zwar sind es Worte, die der Wind verweht, Doch will es sich nicht schicken, daß Protest Gepredigt werde dem, was ich gewesen, Indem ich ruh' im Bann des ew'gen Schweigens.