Sterben Sprüche – zeit

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Ach! Welch schrecklicher Gedanke, daß wir sterben müssen und welch ewiges Wunder, daß wir das immer wieder vergessen können!

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Wichtig nehmen alle das Sterben: Aber noch ist der Tod kein Fest. Noch erlernten die Menschen nicht, wie man die schönsten Feste weiht.

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Erster Teil. Die Reden Zarathustras, 1883. Vom freien Tode

Sterben heißt dorthin gehen, woher wir gekommen sind.

Tolstoi, Tagebücher. 1908

Meine Grabschrift Ich hab' die Sonne des Tages gesehn, Nun ist es Zeit zum Schlafengehn. Nun ist es Zeit, nach Sorgen und Wachen Die Augen in Frieden zuzumachen. Und wem mein Schatten im Herzen lag, Der soll mich vergessen am dritten Tag. Doch wem ich ein wenig Licht gegeben, Der laß' im Herzen mich weiterleben.

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Wer darüber klagt, daß einer gestorben sei, der klagt darüber, daß eben dieser ein Mensch gewesen sei.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 99. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Quisquis aliquem queritur mortuum esse, queritur hominem fuisse

Der Geschmack des Todes ist auf meiner Zunge, ich fühle etwas, das nicht von dieser Welt ist.

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Für ewig ist ja nicht gestorben, Was man für diese Welt begräbt.

Holtei, K., Gedichte. Aus: Die letzte Stunde, 1839

Hier soll ich also dauernd bleiben, hier ist mein Haus und Hof bestellt – mich aber plötzlich überfällt ein Bangen, nimmer zu beschreiben! Hier ist mein Hof, hier ist mein Haus – und auch mein Grab – hier harrt die Erde, bereit, daß ich verschüttet werde! Mir ist, als wär' mein Hoffen aus! Mir ist, als ob der Tod sich setze zu mir, in eine stille Ecke wie Spinnen an der Zimmerdecke, zu weben mich in seine Netze!

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Der Mensch möchte nicht gern sterben, weil er nicht weiß, was dann kommt. Bildet er sich ein, es zu wissen, dann möchte er es auch nicht gern; weil er das Alte noch ein wenig mitmachen will. Ein wenig heißt hier: ewig.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Der Mensch, in: Die Weltbühne, Nr. 24, 16.06.1931 (Kaspar Hauser), wieder in: Lerne lachen ohne zu weinen, 1931

Auch die Nachtigall röchelt in ihrer Todesstunde.

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Wer will wohl und selig sterben, Lass sein Gut den rechten Erben.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Du hast das schöne Paradies verlassen Du hast das schöne Paradies verlassen, Tratst ein in dieses Labyrinthes Gassen, Verlockt von lieblich winkenden Gestalten, Die Schale dir und Kranz entgegenhalten; Und unaufhaltsam zieht's dich weit und weiter. Wohl ist ein leises Ahnen dein Begleiter, Ein heimlich Graun, daß diese süßen Freuden Dich Schritt um Schritt von deiner Heimat scheiden, Daß Irren Sünde, Heimweh dein Gewissen; Doch ach umsonst! Der Faden ist zerrissen. Hohläugig faßt der Schmerz dich an und warnt, Du willst zurück, die Seele ist umgarnt. Vergebens steht ob deinem Haupt der Stern. Einsam, gefangen, von der Heimat fern, Ein Sklave, starrst du in des Stromes Lauf Und hängst an Weiden deine Harfe auf. Nun fährst du wohl empor, wenn so zuzeiten Im stillen Mondeslichte durch die Saiten Ein leises, wehmutsvolles Klagen geht Von einem Hauch, der aus der Heimat weht.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Wir sterben nur ein einziges Mal, aber wenigstens hält es lange an.

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Augentrost O laß es gern geschehen, Daß dir dein Auge blind! Was willst du denn noch sehen, Altes, betrognes Kind? Willst du den Lenz erzwingen Durch buntgefärbtes Glas? Soll dir noch Blumen bringen Das längst verwelkte Gras? Die lichten Regenbogen, Die Schlösser in der Luft, Alter! sind fortgezogen, Du siehst nur eis'gen Duft. Lenz, Sommer sind geschieden, Nur Winter siehest du. Alter! o schließ in Frieden Die müden Augen zu.

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Sterben Denkt ihr ans Sterben voll Angst und Pein, Dann laßt euch die Weisheit offenbaren: Wir werden im Tode nicht toter sein, Als wir vor unsrer Geburt es waren.

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Wer früh stirbt, der stirbt wohl; Wen Gott zu lieben pflegt, Der wird in seiner Blüth' in frischen Sand gelegt.

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Dämmer-Empfindung Was treibt mich hier von hinnen? Was lockt mich dort geheimnisvoll? Was ist's, das ich gewinnen, Und was, womit ich's kaufen soll? Trat unsichtbar mein Erbe, Ein Geist, ein luft'ger, schon heran, Und drängt mich, daß ich sterbe, Weil er nicht eher leben kann? Und winkt mir aus der Ferne Die Traube schon, die mir gereift Auf einem andern Sterne, Und will, daß meine Hand sie streift?

Hebbel, F., Gedichte

Abendsprache Und geht es zu Ende, so laßt mich allein mit mir selber auf einsamer Heide sein; will nichts mehr hören und nichts mehr seh'n, will wie ein totes Getier vergeh'n. Das graue Heidemoos mein Sterbebett sei, Die Krähe singt mir die Litanei. Die Totenglocke läutet der Sturm, begraben werden mich Käfer und Wurm. Auf meinem Grabe soll stehen kein Stein, kein Hügel soll dorten geschüttet sein; kein Kranz soll liegen, da wo ich starb, keine Träne fallen, wo ich verdarb. Will nichts mehr hören und nichts mehr sehn, wie ein totes Getier, so will ich vergeh'n; und darum kein Hügel und deshalb kein Stein: spurlos will ich vergangen sein.

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Je älter man wird, je hastiger tritt sie einem auf die Hacken, die Zeit, die sogenannte.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

Die Ungewissheit,wannwir sterben, mildert die Gewissheit,dasswir sterben.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Sollte mich in plötzlichem Ruin Feuerblick und heitre Laune flieh'n, Sollte sich durch Ader und Gebein Bange Qual und dumpfe Schwere zieh'n, Nicht, o nicht mit herben Ärzenei'n, Denn ich hasse diese Medicin, Kommt zu mir mit einem Becher Wein, Kommt Laute, Flöte, Tamburin! Wirket das zu wenig auf mich ein, Kommt mit einem süßen Mundrubin! Wird umsonst auch diese Mühe sein – Dann Ade! dann sprich: Begrabet ihn!

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