Sterben Sprüche – zeit
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Es ist kein Tod Ich glaube keinen Tod; sterb ich gleich alle Stunden, So hab ich jedesmal ein besser Leben funden.
Sterben ist nur die Übersiedlung von der Nordseite auf die Sonnenseite des Hauses.
Es ist etwas Großes, [...] woran man lange zu lernen hat: wenn jene unvermeidliche Stunde herankommt, mit Gleichmut von hinnen zu gehen.
Wenn's ans Sterben geht, hören die Rücksichten auf.
Als der französische Schriftsteller Bernard Le Bovier de Fontenelle im Sterben lag, fragte man ihn: "Wie geht's?" – "Es geht nicht", antwortete er, "ich gehe."
Doch wenn des Menschen Tage erfüllt sind, soll er den Tod nicht mit einem bösen Gesicht empfangen.
Sollten irgendwann alle Planeten und Sterne untergehen, auch dann sterben wir nur ein Mal.
Soll ich dann nicht mehr sein Wenn ich dir fern bin? Wirst du dann Erde sein Wenn ich ein Stern bin? Folgest du mir nicht mehr Wenn ich entschwunden? Wenn ich entfesselt schon bist du gebunden? – Leben und Tod ist nur Gleiches Berauschen. Sterne und Erde sind Nicht mehr zu tauschen. Sterb ich dir heute nicht Sterb ich dir morgen: Schwebend im Gleich des All Sind wir geborgen.
Und im Herzen tiefe Müdigkeit – Alles sagt mir: Es ist Zeit…
Der Alte Nun steh ich über Grat und Kluft in abendlichen Rosen, und höre durch die klare Luft das Leben tief vertosen. Ein Adler rauscht ins Tal hinab, wo meine Toten schlafen, was ich geliebt dort unten hab, weiß ich in sicherm Hafen. Und bin nun über Leid und Zeit und meinen Sternen näher, und schaue in die Ewigkeit, ein stillgemuter Späher. Durch eine selige Bläue schwimmt ein Nachen da herüber, naht, neigt den schwanken Bord, und nimmt sanft schaukelnd mich hinüber.
Schlacht – Abend – Gewölk Nun sterben Mädchennamen auf Lippen von Männern. "Wie machtlos sind diese lieblichen Amulette!" Letzte Gedanken, schon ohne Hoffnung, flattern gleich Schmetterlingen lautlos davon; nicht mehr weit. Wie leicht wird nun alles. Es ist, als hübe das Sterben die Leiber sanft aus den Armen der Erde empor: wie man einer Mutter ein Kind abnimmt. – Die Stimmen der Sehnsucht verstummten. Gestillt auf immer war das Verlangen nach Fernem. Besinnung wurde langsam hinausgetragen wie ein Licht. Nur das Auge wandte noch einmal ewig suchend sich auf zum erblindenden Himmel. – Dann kam der Tod, der alles einfach macht. Hingelagert aber ins Abendblau, leicht auf die Lüfte gestützt ruhten die großen weißen Wolken, niemandem untertan: stille erhabene Throne in das Ewige hinausgeschoben.
Begräbnis Keine Träne rührt uns an. Wer kann Tote noch beweinen? Tote sind Zahlen in einem Buch unter die Zahlen der gestern Lebenden geschrieben. Wir ziehen die Ziffern voneinander ab. Grabgeleite sind abgegriffene Dinge: Alle sind gleich. Wie bei einem Appell werden die Toten verlesen. Nur daß sie nicht antworten. Aber es fehlt keiner. Vielleicht fehlt auch einer: Von diesem begraben sie nur einen Arm mit einer zarten Hand, von jenem ein Klümpchen unkenntlich und unbenennbar. Von einem begraben sie wohl nur den Namen.
Du, der Gelesenste, den alle Leser preisen! Du, Lieber, der der Liebling ist Von unsern dreimal sieben Weisen, Bedenke, daß du sterblich bist!
Saison morteheißt's beim Arzt, wenn niemand sterben will.
Es ist auch deswegen in Ordnung, daß der Mensch endlich stirbt, er soll sich schon deswegen gern darein fügen, weil sich mit der Zeit gar zu viel Sach um ihn ansammelt. Man erfährt das beim Umzug. Nicht nur Bücher, – Briefe, Blätter, Blättchen, Zeitungsnummern, Büchsen, Schachteln, Salben, Pulver, tausend Geräte. ... Mach, geh fort, nimm Abschied auf einmal von all dem Quark!
Ich möcht' nicht … Ich möcht' nicht sterben als Journalist [Und blühten mir Bolzens unsterbliche Ehren!] Und bis ans Ende den Tagesmist In dampfende Häuflein zusammenkehren. Ich möcht' nicht sterben als Kapitalist, Die letzte Nacht in der Sorge Krallen: Ob Eisen und Kohle noch sicher ist, Und ob in London die Minen gefallen. Ich möcht' nicht sterben, vom Beifall umtobt Unreifer Gesellen, die mich gelesen, Und heiß von Müller und Schultze gelobt, Weil ich »talentvoll«, wie sie, gewesen. Ich möcht' nicht sterben im Überfluß, Nicht als Gehetzter kommen zur Strecke. Ich möchte sterben an einem Kuß, Geraubt hinter blühender Weißdornhecke. An einem Kuß, von Lippen getauscht, Die schauernd im ersten Maiwind erschlossen, Auf die, die alle meine Träume berauscht, Der Lenz seine seligsten Freuden gegossen. Ich möchte sterben, wie einer schied, Den hatten die seligen Götter gerne: Die Hand am Humpen, im Herzen ein Lied Und im brechenden Blick die ewigen Sterne.
Einmal stürbe man nur? Man stirbt, wie man lebt, nur in den Seinen. Tod des Feundes, nur dich nenn' ich den schrecklichen Tod.
Ich will kein ander Wort um meinen Leichstein haben Als dies: der Kern ist weg, die Schalen sind vergraben.
Der Morgen O sieh den Morgen lächelnd sich entschleiern, O sieh den Turm, wie er von Strahlen glüht. Horch! Wie dem Ruhm die Freude, zieht Des jungen Tages ersten Feuern Entgegen schon der Wälder erstes Lied. Ja, lächle nur bei all dem Schönen. Dieselbe Sonne leuchtet deinen Tränen, Wenn morgen mich der dunkle Sarg verschlingt. Ob meinem Grabe von denselben Tönen Erschallt der Wald, davon er heute klingt? Dann aber wird die Seele selig schweben Im Grenzenlosen über Raum und Zeit. Im Morgenrot der Ewigkeit Wird man erwachen einst vom Leben, Gleichwie aus wüster Traumgesichte Streit.
Der Pfropfen springt, in Wehmut sei geweiht Das erste Glas und seine duftge Blume Der früh entschwundnen frohen Jugendzeit, Dem still geträumten, nie erfüllten Ruhme. Das zweite Glas dir, holdes Frauenbild, Und meiner Liebe unerloschnen Gluten, Ich sehe dich, du lächelst freundlich mild Entgegen mir aus diesen goldnen Fluten. Das letzte Glas trink ich mir selber zu, Um keine Hoffnung hab ich mehr zu werben, Ein rasches Ende, eine lange Ruh . . . Die Flasche leer – es liegt das Glas in Scherben.
Wißt ihr, wo sind die Myriaden, Die waren, seit die Erde steht? Hat sie ein Gott zu sich geladen? Hat eine Windsbraut sie verweht? Ich kann nicht fordern noch ein Leben, Ein Paradies noch nach dem Tod. Was hab ich dieser Welt gegeben? Nichts gegen das, was sie mir bot. Ich kann nur stehn in stummer Wehmut Und, wenn mein Geist vom Leib sich trennt, Erwarten nur in tiefer Demut, Ob Gott ihn noch als Geist erkennt.