Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Erziehung heißt, die Jugend an die Bedingungen gewöhnen, zu den Bedingungen bilden, unter denen man in der Welt überhaupt, sodann aber in besonderen Kreisen existieren kann.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Rezension zu: Gabriele von Johanna Schopenhauer, 1822

Der Erzieher muß die Kindheit hören, nicht das Kind.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus: Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Aus Makariens Archiv

Es ist möglich, daß man durch Tadel und Schelten, durch Moralisieren und Predigen, durch Warnung vor üblen Folgen, durch Drohung von Strafen manchen Menschen vom Bösen abhält, ja auf einen guten Weg bringt; aber eine weit höhere Kultur wird bei Kindern und Erwachsenen eingeleitet, wenn man nur bewirken kann, daß sie über sich selbst reflektieren.

Goethe, J. W., Rezensionen. Grübels Gedichte in Nürnberger Mundart, 1798

Man könnt' erzogene Kinder gebären, Wenn die Eltern erzogen wären.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 4

Eine stille, ernsthafte Frau ist übel daran mit einem lustigen Manne. Ein ernsthafter Mann nicht so mit einer lustigen Frau.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Friedrich Wilhelm Riemer, 5. März 1809

Ich fügte hinzu, daß zwar der Verstand der Männer sich nach Haushälterinnen umsehe, daß aber ihr Herz und ihre Einbildungskraft sich nach anderen Eigenschaften sehne.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 7. Buch, 6. Kap., Therese zu Wilhelm

"Er soll dein Herr sein" ist die Formel einer barbarischen Zeit, die lange vorüber ist.

Goethe, Die guten Weiber (Die guten Frauen als Gegenbilder der bösen Weiber, auf den Kupfern des dießjährigen Damenalmanachs), 1800. Seyton zu Eulalie

Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 1. Teil, 9. Kap.

Zwischen Mann und Frau redt – sich so gar viel nicht.

Goethe, Die Mitschuldigen, entstanden 1768/69. 2. Auftritt, Söller zu Sophie

Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur. Unauflöslich muß sie sein; denn sie bringt so vieles Glück, daß alles einzelne Unglück dagegen gar nicht zu rechnen ist.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 1. Teil, 9. Kap.

Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur. Sie macht den Rohen mild, und der Gebildetste hat keine bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. Unauflöslich muß sie sein: denn sie bringt so vieles Glück, daß alles einzelne Unglück dagegen gar nicht zu rechnen ist.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. Erster Teil, Neuntes Kapitel

Zuerst muß ich Ihnen sagen, daß von allen meinen Werken meine Frau keine Zeile gelesen hat. Das Reich des Geistes hat kein Dasein für sie, für die Haushaltung ist sie geschaffen. Hier überhebt sie mich aller Sorgen, hier lebt und webt sie; es ist ihr Königreich. Dabei liebt sie Putz, Geselligkeit und geht gern ins Theater. Es fehlt ihr aber nicht an einer Art von Kultur, die sie in meiner Gesellschaft und besonders im Theater erlangt hat.

Goethe, J. W., Briefe. In: Goethes Ehe in Briefen. Hg. von Hans Gerhard Gräf, Frankfurt a.M. 1921

… ich Glaub wohl dass Ihre Lieb zu mir mit dem Abseyn wächst. denn wo ich weg bin können Sie auch die Idee lieben die Sie von mir haben, wenn ich da bin wird Sie offt gestört, durch meine Thor und Tollheit.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 6. Dezember 1777. Originaltext

Eine Ehe sollte nur alsdann für unauflöslich gehalten werden, wenn entweder beide Teile oder wenigstens der eine Teil zum drittenmal verheiratet wäre.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. Erster Teil, zehntes Kapitel, Graf

Die ihrem Mann allein gewährt vergnügte Stunden, ich gehe noch herum, ich hab' sie nicht gefunden!

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Zahme Xenien. Axiom

Gatten, die sich vertragen wollen, Lernen's von uns beiden! Wenn sich zweie lieben sollen, Braucht man sie nur zu scheiden.

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Walpurgisnachtstraum, Oberon

So ist der Begriff der Heiligkeit der Ehe eine solche Kulturerrungenschaft des Christentums und von unschätzbarem Werte, obgleich die Ehe eigentlich unnatürlich ist.

Goethe, J. W., Briefe. An Kanzler Friedrich von Müller, 7. April 1830

Das Alter Das Alter ist ein höflich' Mann: Einmal übers andre klopft er an; Aber nun sagt niemand: Herein! Und vor der Türe will er nicht sein. Da klinkt er auf, tritt ein so schnell, Und nun heißt's, er sei ein grober Gesell.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Das Alter, 1815

Ich hör es gern, wenn auch die Jugend plappert; Das Neue klingt, das Alte klappert.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien, 1

Die Summa Summarum des Alters ist eigentlich niemals erquicklich.

Goethe, J. W., Briefe. An Friedrich Constantin von Stein, 21. Dezember 1798

So ein alter Kerl ich bin, wo ich Liebe sehe, ist mir's immer, als wär ich im Himmel.

Goethe, Erwin und Elmire, 1774/75. Bernardo